Kriminalität: Im Corona-Jahr ging Zahl der Einbrüche zurück

In Eppstein registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 357 Straftaten, 21 mehr als im Jahr 2019. Dennoch ist die Burgstadt nach Liederbach statistisch gesehen die sicherste Stadt im Main-Taunus-Kreis.

Außerdem wurden in Eppstein vergleichsweise die meisten Straftaten aufgeklärt: 240 Delikte, das entspricht 67,2 Prozent und der höchsten Aufklärungsquote im Kreis. Kreisweit liegt sie bei 60,7 Prozent – ebenfalls ein Spitzenwert.

Das Ranking der Städte wird anhand der sogenannten Häufigkeitszahl gemessen, also die Zahl der Delikte hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. In Eppstein beträgt die Häufigkeitszahl bei knapp 13 700 Einwohnern 2607 und ist nur noch in Liederbach niedriger (1954).

Die Zahl der Straftaten ist kreisweit erstmals seit vielen Jahren unter die 10 000er Marke auf 9625 gesunken. Die Polizei führt das auf deutliche Rückgänge im vorigen Jahr bei Wohnungs- und Büroeinbrüchen sowie beim Ladendiebstahl zurück. Dazu hat laut Kriminaldirektor Urban Egert wohl die Pandemie beigetragen: „Viele Menschen blieben wegen der Kontaktverbote zu Hause, Geschäfte blieben während des Lockdowns lange geschlossen, da mangelte es einfach an Tatgelegenheiten für Kriminelle“. Beim Wohnungseinbruch wurde der niedrigste Wert seit Jahrzehnten erreicht. Das Delikt rangiert erstmals nicht mehr unter den zehn häufigsten Straftaten im MTK. Auch in Eppstein taucht der Wohnungseinbruchsdiebstahl nicht mehr in der Liste der am meisten verübten Straftaten auf. Unter den insgesamt 45 Fällen schweren Diebstahls waren 15 Wohnungseinbrüche. 2019 registrierte die Polizei noch 45 Wohnungseinbrüche, von denen sie vier aufklären konnte. Kreisweit verzeichnete die Polizei 230 Wohnungseinbrüche im Vorjahr, in über der Hälfte der Fälle scheiterten die Einbrecher jedoch. Die Polizei führt das auch auf präventive Maßnahmen wie sichere Schlösser an Fenstern und Türen zurück.

Mit 34 Fällen sind Rauschgiftdelikte in Eppstein die häufigste Straftat, gefolgt von der leichten Körperverletzung – die Zahl stieg von 17 auf 30 – und Sachbeschädigung, wie im Vorjahr 30 Fälle. Fast verdoppelt haben sich Betrugsfälle: von 36 im Jahr zuvor auf 71 im vorigen Jahr. In einzelne Sparten aufgegliedert rangiert das „Erschleichen von Leistungen“ mit 19 auf Platz 4 und Warenbetrug mit 18 Fällen auf Platz 5. Unter Leistungserschleichen fallen Delikte wie Schwarzfahren oder das Betreten ohne Eintritt. Es handelt sich, so Polizeisprecher Johannes Neumann, um sogenannte „Kontrolldelikte“. Das bedeutet: Wird häufiger kontrolliert, gibt es auch mehr registrierte Fälle.

Das gelte auch für Eppsteins Top-1-Straftat, Rauschgiftdelikte. Die verhältnismäßig hohe Zahl erklärt Neumann mit den häufigen Kontrollen an der B455 im Stadtgebiet. Die Polizei hat Fahrzeugkontrollen in den vergangenen Jahren intensiviert, unter anderem, um grenzüberschreitende Kriminalität zu bekämpfen.

Der Fall einer kürzlich ausgehobenen Indoor-Plantage in einem Haus in Eppstein fließt jedenfalls erst in die nächste Kriminalitätsstatistik für 2021 ein. Das gleiche gilt für einen Fahndungserfolg der Polizei nach einem Einbruch im Februar in Vockenhausen (siehe Meldung auf dieser Seite). Die Polizei hat inzwischen vier Täter gefasst und ihnen 18 Einbrüche zugeordnet. Der Fahndungserfolg zeige einmal mehr, wie wichtig es ist, im Verdachtsfall „lieber einmal zu viel anzurufen, als einmal zu wenig“, sagt Neumann.

16mal ermittelte die Polizei in Eppstein wegen Gewaltdelikten und fünfmal wegen Sexualstraftaten. 183 Tatverdächtige wurden in Eppstein insgesamt ermittelt, davon 43 weibliche und 140 männliche. 63 von ihnen sind Migranten (34,4 Prozent).

Nicht in der Statistik für die einzelnen Städte erfasst wurden betrügerische Maschen wie „Enkeltrick“ oder, dass Täter sich am Telefon als Polizeibeamte ausgegeben haben. Die Zahl der von der Polizei registrierten betrügerischen Anrufe von falschen Polizeibeamten habe im vorigen Jahr abgenommen und lag bei 360. 2019 waren es noch 580 Fälle. Bei vielen dieser Anrufe sei es beim Versuch geblieben. Allerdings ließen sich drei Senioren aus dem MTK von falschen Polizeibeamten täuschen und übergaben ihnen etwa 150 000 Euro.

Auch mit der Enkeltrick-Masche versuchen Betrüger es immer wieder. Etwa 100 solcher Anrufe registrierte die Polizei im vorigen Jahr. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Sie registrierte im vorigen Jahr drei Geschädigte, die insgesamt Gegenstände im Wert von knapp 200 000 Euro an Boten übergaben. Egert hält deshalb trotz einem hohen Anteil von gescheiterten Taten die Prävention für enorm wichtig und lobt die Arbeit der zahlreichen ehrenamtlichen Sicherheitsberater für Senioren.

Auch Bürgermeister Alexander Simon ist zufrieden mit der Polizeiarbeit und weist auf den guten Kontakt zwischen dem städtischen Ordnungsamt und der Polizeidienststelle in Kelkheim hin und meint: „Jede Straftat ist eine zu viel.“ Die hohe Aufklärungsquote soll dabei als Abschreckung dienen. Die geringe Menge an Straftaten und die hohe Aufklärungsquote trage zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei.

Anbei der Link zur aktuellen Kriminalitätsstatistik für den MTK: www.praeventionsrat.de/aktuelles/top-aufklaerungsquote-der-kreisgeschichte-und-niedrigste-fallzahlen/.bpa

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