… das Dach, die entkernten Mauern und Zwischendecken auf dem Eckgrundstück in der Hauptstraße 89 beiseite, um Platz für den geplanten Neubau mit 19 Wohnungen zu schaffen – ein fünfstöckiger Kubus mit Flachdach und zurückgesetztem oberstem Geschoss. Der Eppsteiner Matthias Werner hatte den historischen Gasthof 2021 gekauft, die in Limburg ansässige HS Projektbau GmbH Projektplanung und Bau übernommen. Baubeginn war bereits für voriges Jahr angekündigt. Nun soll es endlich losgehen.
Von den drei nachweislich ersten Gasthäusern Vockenhausens steht nun nur noch der 1838 gegründete Nassauer Hof in der Hauptstraße 104, ein ehemaliges Restaurant mit Fremdenzimmern. Auch dort stehen die Räume längst leer. Angeblich liegt die Baugenehmigung für neue Wohnungen vor. Doch der Investor hat offensichtlich keine Eile.
Kaspar Kilb gründete 1860 das Gasthaus „Taunus“ als viertes Haus am Ort und führte ihn bis 1900. Dann übernahm der mit der Familie Kilb verwandte Wilhelm Mohr den Gasthof. Seine Familie führte das Wirtshaus „Zum Taunus“ 120 Jahre lang, bis zur Schließung des Betriebs 2020. „Wir gehen zum ‚Mohr‘“, war in Vockenhausen über Jahrzehnte ein geflügeltes Wort für Familienfeste und Vereinsfeiern. Zu dem Anwesen gehörte eine Landwirtschaft und von 1900 bis 1990 eine Brennstoffhandlung. Das zunächst eingeschossige Haus wurde 1929 aufgestockt. In den 1930er Jahren bot es neben der Gartenwirtschaft einen Vereins- und Speisesaal. Beides wurde 1958 für den wesentlich größeren Anbau aufgegeben.
Für die Vereine im Ort war der „Taunus“ ein wichtiger Treffpunkt. 1934 wurde dort die Freiwillige Feuerwehr gegründet, 1985 die Vockenhäuser Hexen. Der Sängerbund war bis zuletzt dort mit seinen Chören zu Hause und feierte dort jedes Jahr sein beliebtes Herbstfest. Nach der Schließung zog der Asylkreis noch für zwei Jahre mit seiner Fahrradwerkstatt dort ein. Die Vereine haben längst in den ehemaligen Räumen der Feuerwehr im Rathaus I ein neues Domizil gefunden. Auch die ehrenamtlichen Fahrrad-Tüftler sind während der Sommermonate in der Jahnturnhalle des TSV untergekommen. Schon bald zeugen nur noch historische Postkarten und Fotografien vom einstigen gesellschaftlichen Leben.
Zuvor gab es in Vockenhausen entlang der Hauptstraße ältere Gasthäuser, namentlich bekannt war seit 1779 die „Sonne“, an deren Stelle 1971 ein neues Gebäude in der Hauptstraße 91 gebaut wurde. Das Gasthaus „Zum Grünen Wald“, Hauptstraße 106, wurde 1874 gegründet. In der Hauptstraße 18 öffnete Anfang des 19. Jahrhunderts der „Lindenhof“. Keines davon besteht noch. Andere kamen deutlich später hinzu. Davon haben sich bis heute das „Eis-Caffè del Corso“ gehalten, das Restaurant da Domenico, heute Madera, und die Gaststätte „Zur Linde“, Hauptstraße 110. Aus dem Restaurant „Kalispera“, Hauptstraße 32, wurde das „Taunus Grillhaus“.bpa
Das Gebäude kurz vor dem Abbruch.Foto: jp



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