Zuerst verschwindet die Fichte, jetzt beginnt das Buchensterben

Das Forstamt warnt vor abbrechenden Ästen.

Eppsteins Wald ist nachhaltig geschädigt. Zu diesem Ergebnis kommt Revierförster Peter Lepke in seiner Einschätzung über den Zustand der Bäume.

Rund ein Drittel der Bäume im Stadtwald sind Nadelbäume, knapp ein Fünftel davon sind Fichten, die nahezu flächendeckend aus dem Eppsteiner Wald verschwinden werden. In den vergangenen drei Jahren ließ Lepke rund 18 000 Festmeter Fichtenholz einschlagen, weil die Bäume vom Borkenkäfer befallen waren. Und noch immer wird Käferholz aus dem Wald geholt, damit die Käfer nicht im Waldboden überwintern. Der Borkenkäfer hat nahezu den gesamten Fichtenbestand zerstört, inzwischen auch kräftige, junge Bäume.

Aber auch viele Buchen werden sich nicht mehr von den Folgen der Dürre erholen. Drei Jahre Trockenheit haben vielen Buchen so zugesetzt, dass sie in den nächsten Jahren absterben werden, lautet Lepkes Prognose. Besonders betroffen sind Buchen auf Bergkuppen, weil die Böden dort schnell austrocknen. Auf dem Spitze Berg bei Ehlhalten etwa weisen viele Buchen Trockenschäden in den Kronen auf. Wenn sie absterben, löst sich die Rinde vom Stamm und macht Platz für Pilze. Dann sei das Holz, so Lepke, nicht einmal mehr für die Papierherstellung verwertbar.

Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Austrocknen der Bäume in Ehlhalten mit der darunterliegenden Trinkwasserförderung durch die Stadt sehe er nicht, sagte Lepke auf unsere Frage hin. Trinkwasser werde meist aus sehr tiefen Bodenschichten gefördert. Die Auswirkungen von Wasserentnahme, langen Trockenperioden und Bodenversiegelung müsse man grundlegend und auf größerer Fläche betrachten, nicht nur auf Eppstein bezogen.

So könne man in vielen Taunustälern beobachten, dass oberflächliche Rinnsale im Sommer fast nahezu austrocknen. Das wirke sich auf die Beschaffenheit des Bodens aus.

Sorgen bereitet ihm, dass nicht einmal der regenreiche Sommer 2021 Entlastung gebracht habe. Kaum einer der Bäume, die jetzt schon krank sind, werde sich erholen. Die Schäden der drei trockenen Jahre seien nicht reparabel, sagte Lepke.

Umso wichtiger sei es, jetzt an die Zukunft zu denken. Im neuen Forstwirtschaftsplan für 2022, den er vorige Woche im Umweltausschuss vorstellte, legte er die Maßnahmen für die Waldverjüngung, Holzernte, Borkenkäferbekämpfung und Verkehrssicherung dar.

Dank umfangreicher Förderprogramme des Landes und der Spendenaktion der Bürgerstiftung könnten insbesondere auf den neu entstandenen Kahlflächen resistentere Baumarten gepflanzt werden. Fast 30 000 junge Bäume will Lepke im nächsten Jahr setzen. Das Geld dafür erhält die Stadt aus Förderprogrammen des Landes. Gut 6500 Bäume sind zum Teil schon gepflanzt, dank des Spendenaufrufs der Bürgerstiftung an die Eppsteiner.

„Dort wo bisher Fichten standen, kommen auch nur Fichten nach, wenn wir nicht eingreifen“, erläutert Lepke, warum er nicht nur auf Naturverjüngung vertraue. Deshalb will er auf der größten Kahlfläche, den ehemaligen Fichtenstandorten in der Mark bei Oberjosbach, im nächsten Jahr großflächig Kiefern, Eichen und Douglasien pflanzen. Sobald ausreichend Bäume Schatten spenden sollen Buchen nachfolgen. Lärchen und Fichten siedeln sich dort laut Lepke ohne Hilfe des Menschen an. Die Lärchen haben der Trockenheit bisher recht gut widerstanden, hat Lepke beobachtet.

Auch im Nonnenwald bei Ehlhalten sind die Schäden beträchtlich. An den bisherigen Fichtenstandorten will Lepke Sommerlinden pflanzen. Sie müssen, ebenso wie junge Eichenschösslinge, eingezäunt werden. Auch dafür gebe es Zuschüsse vom Land.

Im kommenden Jahr ist eine weitere Bodenkalkung aus der Luft vorgesehen. Die Kosten in Höhe von 100 000 Euro übernimmt das Land zu 90 Prozent.

Auch wenn Bäume am Straßenrand gefällt werden müssen, weil sie umzustürzen drohen und Gefahr im Verzug sei, gebe es dafür Geld vom Land. Grundsätzlich ist allerdings die Stadt dafür zuständig, dass die Menschen auf Waldwegen sicher sind. 12 350 Euro stehen dafür im Forstwirtschaftsplan, weitere 3200 Euro für die Wegeunterhaltung. Das Forstamt warnt inzwischen an vielen Waldwegen, dass Äste und Kronen abstürzen können.

Mit rund 47 000 Euro sind Personal- und Verwaltungskosten der höchste Ausgabenposten. Knapp 32 000 Euro investiert der Forst in neue Baumpflanzen, davon zahlt das Land einen Zuschuss in Höhe von 28 000 Euro.

Für den Schutz vor Wildschäden investiert die Stadt rund 14 000 Euro. Unterm Strich kostet Pflege und Unterhaltung des Waldes und seiner Wege knapp 302 750 Euro. Dem stehen Erlöse aus Holzverkauf, Pachterlöse oder Weihnachtsbaumverkauf und Zuschüsse in Höhe von insgesamt 287 215 Euro gegenüber. Bleibt unterm Strich ein Minus von 15 535 Euro. Zuschüsse und die inzwischen wieder gestiegenen Holzpreises haben dazu beigetragen, so Lepke, dass „wir das Defizit niedrig halten konnten“.

Die Ausfälle bei der Holzernte werden laut Lepke erst in den kommenden Jahren dramatisch. „Der große Engpass bei der Nachfrage nach Bauholz steht uns noch bevor“, prognostiziert er für die nächsten Jahre. Der gesamte Holzmarkt werde sich ändern, Holz insgesamt teurer werden.

Deshalb stehen beispielsweise im Bauwald bei Bremthal nächstes Jahr Pflegemaßnahmen an. Dort werden Buchen gefällt, um Platz für 160 Jahre alte Eichen zu machen, die noch 40 bis 60 Jahre wachsen und dafür möglichst optimale Bedingungen erhalten sollen. bpa

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