Zonta Club: Kamingespräche über Quoten und Tabuthemen

Zonta-Vorsitzende Ariane ten Hagen mit ihren Gästen Harpret Kaur, Nancy Faeser, Sabine Bergold, Franziska Sehr (v.re.).Foto: bpa

Stellvertretend für die Feuerstelle ihres ersten „Kamingesprächs“ auf Burg Eppstein hatten die Frauen des Zonta Clubs Am Taunus ein Becken mit Holzscheiten auf die Bühne der Burg gestellt. An Lagerfeuerromantik war bei regnerischem Wetter jedoch nicht zu denken.

Doch trotz des Schauers just zu Beginn der Gesprächsrunde über „Frauen in die Politik“ waren die Stuhlreihen gut gefüllt. Gut 60 Frauen und Männer hatten sich trotzdem zur Freiluftveranstaltung eingefunden. Pünktlich mit Eintreffen der Teilnehmerinnen der Kaminrunde hörte der Regen auf, allerdings nur, um eine gute Stunde später erneut einzusetzen und die Diskussionsrunde vorzeitig abzubrechen.

Aber die Frauen nutzten die Zeit: Die Vorsitzende des Zonta Club Am Taunus, die Eppsteinerin Ariane ten Hagen, stellte den neu gegründeten Club und seine Ziele vor. Eines davon, „Parität von Frauen in Parlamenten und Politik“ war Thema der ersten Diskussionsrunde auf der Burg. Die studierte Philosophin ten Hagen wies darauf hin, dass der Zonta Club bewusst die Burg als eines der Zentren männlicher Macht im 11. Jahrhundert für die Auftaktveranstaltung des neuen Clubs gewählt habe, und setzte dem mittelalterlichen Machtsymbol ein Zitat der jüdisch-deutschen Publizistin Hannah Arendt über ihre Vorstellung von Politik als Gegenteil von Herrschaft entgegen.

Als Talkgäste hatte der Zonta Club erfahrene und junge Politikerinnen eingeladen: Nancy Faeser, Rechtsanwältin und langjährige SPD-Landtagsabgeordnete, als Polit-Profi und Eppsteins Kämmerin und Erste Stadträtin Sabine Bergold (CDU) als erfahrene Pragmatikerin und Moderatorin des Abends. Drei junge Politikerinnen erzählten über ihre Erfahrungen als Neulinge in der Politik: Die Eppsteiner CDU-Stadtverordnete und Kreistagsmitglied Franziska Sehr (22) und die 21-jährige Studentin Alexandra Schrankel vom Kreisvorstand der Linken, ebenfalls aus Eppstein, sowie die 18-jährige Harpret Kaur, die im März erstmals in den Ausländerbeirat ihrer Heimatstadt Kelkheim gewählt wurde.

Männliche Dominanz begegnete der 50-jährigen SPD-Landesvorsitzenden vor allem im Berufsleben. „Da merkte ich schnell, berufliche Qualifikation allein reicht nicht aus. Die männlichen Kollegen hatten für die gleiche Arbeit ein deutlich besseres Gehalt ausgehandelt als ich.“ Gleiche Bezahlung für Männer und Frauen sei deshalb eines ihrer politischen Themen. Noch immer verdienten Frauen im Schnitt 25 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen.

Häusliche Gewalt, insbesondere die Dunkelziffer, also die Fälle, die nicht in den offiziellen Statistiken auftauchen, müsse dringend auf die politische Tagesordnung gesetzt werden, fordert Faeser. Deshalb begrüße sie die Gründung des Zonta Clubs, der dieses Thema enttabuisieren und Hilfen installieren will. Durch den erzwungenen Rückzug ins Private sei das Thema während der Pandemie noch dringender geworden. „Vor allem, weil durch den Lockdown Erzieherinnen und Lehrerinnen als erste Ansprechpartner weggefallen sind“, sagt Faeser.

Bergold fragte die Neueinsteiger nach ihren ersten Erfahrungen in politischen Sitzungen. Es habe sie anfangs „sehr verängstigt, dass die anderen viel älter und erfahrener sind als ich“, berichtete die 18-jährige Harpret Kaur. Und dann habe sie sich gewundert, warum über viele Themen endlos lang diskutiert wurde, obwohl die Lösungen auf der Hand lagen, wie in der Mathematik: „Eins und eins ist zwei, da ist doch eigentlich nichts dabei“, sagte sie unter dem Lachen der Zuschauer und Zuschauerinnen. Beifall erhielt sie für ihr Statement, warum sie sich im Ausländerbeirat engagiere: „Ich will erreichen, dass ausländische Eltern mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen und zu Elternabenden und Schulgesprächen gehen“, sagte sie.

Der niedrige Frauenanteil in der Politik sei besorgniserregend. Darin waren sich alle im Podium einig. Allerdings gingen die Ansichten auseinander wie das geändert werden könne. Warum Bergold keine Verfechterin der Frauenquote in der Politik ist, konnte sie nicht mehr ausführen, weil der Regen die Diskussion abrupt beendete. Faeser dagegen setzt auf die Quote, „weil überall dort, wo es sie nicht gibt, der Frauenanteil erschreckend niedrig ist“, führte sie aus und wies auf den Zusammenhang zwischen rechten Strömungen in Gesellschaft und Politik und dem Frauenanteil in den Parlamenten hin.

Mit dem Erstarken der rechtsradikalen AfD sei der Anteil der Frauen in den Parlamenten gesunken. 2013 lag er im Bundestag bei 37 Prozent, 2021 beträgt er nur noch 31 Prozent. Das Frauenbild der Rechten sei reaktionär und nicht nur in der Politik zu beobachten. Diesem gesellschaftspolitischen Trend, das Frauen sich ins Heim und an den Herd zurückziehen sollen, müsse man entgegensteuern, so Faeser. Notfalls mit Quote. bpa

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