Wasserschutz im Hollergewann – Bundesweiter Hochwassercheck

Hochwasser-Check Deutsche Umwelthilfe

Die Mulden werden mit Steinen gefüllt. Dort versickert das Regenwasser. Die neu angelegte Rinne wird nach und nach überwachsen und trotzdem als Abfluss fürs Regenwasser dienen.Foto: Stadt Eppstein

Die Mulden werden mit Steinen gefüllt. Dort versickert das Regenwasser. Die neu angelegte Rinne wird nach und nach überwachsen und trotzdem als Abfluss fürs Regenwasser dienen.Foto: Stadt Eppstein

Die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels stellen Städte und Gemeinden bundesweit vor wachsende Herausforderungen. Neben langanhaltenden Trockenperioden nehmen insbesondere Starkregenereignisse und lokale Hochwasser an Häufigkeit und Intensität zu.

Kommunen mit einer ausgeprägten Tallage und mehreren Fließgewässern wie Eppstein sind von diesen Entwicklungen in besonderem Maße betroffen. Der Hochwasser- und Starkregenschutz bleibe deshalb für Eppstein weiterhin eine wichtige Aufgabe, teilte Bürgermeister Alexander Simon in einer aktuellen Pressemitteilung mit: Jährlich führe die Stadt mehrere Maßnahmen aus. Aktuell investiert die Stadt rund 10 000 Euro für die Ableitung und Versickerung von Oberflächenwasser: In Niederjosbach ist gerade ein heimisches Unternehmen dabei, in Höhe des Gebiets Hollergewann ein neues Rohr zu verlegen, über das Wasser gezielt abgeleitet werden kann, das aus den oberhalb von Niederjosbach gelegenen Flächen ins Tal fließt. Ziel sei es, so die Stadt, das Wasser frühzeitig abzuschlagen, damit es gar nicht bis zum Wohngebiet fließt. Ein Schmutzfang dafür sei bereits installiert.

Anschließend wurde die Wegeoberfläche wiederhergestellt. Am Ein- und Auslauf des Rohrs wurden Wasserbausteine eingebaut und das umliegende Gelände angepasst. Darüber hinaus entstanden ein Graben und mehrere Versickerungsmulden. Diese nehmen das Niederschlagswasser auf, damit es vor Ort versickert. Die Mulden werden mit Steinen, aufgefüllt. Die Arbeiten verbessern die Wasserführung im Gebiet und tragen dazu bei, Niederschlagswasser gezielt aufzunehmen und abzuleiten.

Die Deutsche Umwelthilfe hat im Juli einen aktuellen Hochwasser-Check für alle Landkreise Deutschlands veröffentlicht. Einen Link zum Hochwasser-Check gibt es unter: www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/hochwasser-check-2026-der-deutschen-umwelthilfe-ein-viertel-aller-...

Die Ereignisse der vergangenen Jahre hätten gezeigt, führt Simon aus, dass nicht allein große Flüsse eine Gefahr darstellen, sondern auch kleinere Gewässer innerhalb weniger Stunden erhebliche Schäden an Gebäuden, Straßen und öffentlicher Infrastruktur verursachen können. Gleichzeitig führen Starkregenereignisse häufig unabhängig von Gewässern zu Überflutungen, wenn Niederschläge nicht schnell genug versickern oder über die Kanalisation abfließen.

Der Hochwasser-Check der Deutschen Umwelthilfe gibt weitere Hinweise dazu: Erstmals wurden alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands anhand eines einheitlichen Bewertungsverfahrens untersucht. Grundlage der Bewertung sind der Flächenanteil der Hochwasserrisikogebiete sowie die Zahl der Adressen, die bei einem sogenannten hundertjährlichen Hochwasser potenziell betroffen wären.

Aus beiden Faktoren wurde ein Hochwasser-Risikograd ermittelt. Ziel der Untersuchung ist es, regionale Unterschiede sichtbar zu machen und den politischen Handlungsbedarf objektiv darzustellen. Der Bericht verdeutlicht laut Simon den erheblichen bundesweiten Handlungsbedarf. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe weisen 98 Landkreise und kreisfreie Städte einen hohen Hochwasser-Risikograd auf, weitere 184 einen mittleren Risikograd. Dazu zählt auch der Main-Taunus-Kreis.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb einen deutlich stärkeren Ausbau naturbasierter Hochwasserschutzmaßnahmen, darunter die Wiederherstellung von Auen, die Renaturierung von Gewässern, die Entsiegelung von Flächen sowie eine wassersensible Stadtentwicklung. Zwar gehört der Main-Taunus-Kreis nicht zu den bundesweiten Regionen mit dem höchsten Risikograd, dennoch bestehen aufgrund der topografischen Verhältnisse, der engen Tallagen, zahlreicher kleiner Fließgewässer sowie der hohen Siedlungsdichte erhebliche lokale Gefährdungspotenziale.

Der Bericht mache deutlich, so Simon, dass auch Landkreise außerhalb der klassischen großen Flusssysteme ihre Vorsorge kontinuierlich weiterentwickeln müssen. Im Main-Taunus-Kreis kümmere sich beispielsweise der Abwasserverband Main-Taunus um den vorbeugenden Hochwasserschutz. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre sowie die Ergebnisse des Hochwasser-Checks der Deutschen Umwelthilfe zeige deutlich, dass Hochwasserschutz nicht mehr ausschließlich als wasserwirtschaftliche Aufgabe verstanden werden kann, sagt Simon. Vielmehr handele es sich um eine gesamtkommunale Zukunftsaufgabe, die Umwelt-, Bau-, Verkehrs- und Klimapolitik gleichermaßen betreffe.

Für Eppstein biete sich die Chance, auf den Grundlagen aufzubauen, so Simon. Durch eine vorausschauende Planung könnten Risiken für Bevölkerung, Infrastruktur und kommunales Vermögen reduziert und gleichzeitig die Lebensqualität sowie die Klimaanpassungsfähigkeit der Stadt verbessert werden.

Vor diesem Hintergrund habe die Stadt in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Risiken besser zu analysieren und die Bevölkerung zu informieren. Besonders hervorzuheben ist die Erstellung von Starkregengefahrenkarten, die seit 2024 öffentlich zur Verfügung stehen. Zuvor wurden bereits Fließpfadkarten erstellt. Die Starkregengefahrenkarten zeigen anhand unterschiedlicher Niederschlagsszenarien, welche Gebiete der Stadt besonders gefährdet sind und über welche Fließwege sich Oberflächenwasser bei Stark-regen ausbreitet.

Damit verfüge die Stadt Eppstein über eine gute Datengrundlage, ist Simon überzeugt, die außerdem öffentlich zugänglich ist. Neben den zentralen Informationsveranstaltung gab es pro Stadtteil zwei weitere Veranstaltungen vor Ort. Durch Veranstaltungen, Informationen auf der Internetseite der Stadt sowie Hinweise zum privaten Objektschutzsoll das Bewusstsein für Starkregen- und Hochwassergefahren gestärkt werden. Neben technischen Schutzmaßnahmen seien auch Eigenvorsorge und Risikokommunikation Teil des Hochwasserschutzes.

Die Erarbeitung von Fließpfadkarten, Starkregengefahrenkarten, die Einbindung der Erkenntnisse in Planungsprozesse sowie bauliche Verbesserungen an der Entwässerungsinfrastruktur bilden zusammengenommen eine wichtige Grundlage für den weiteren Ausbau des kommunalen Hochwasserschutzes. Simon nennt Mulden in Waldgebieten ein Rückhaltebeckens unterhalb einer Parkplatzanlage als weitere Maßnahmen. Geplant seien weitere Entsiegelungen. Über das Gutachten berichtet die Stadt in ihrer nächsten Sitzungsrunde. EZ

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