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Wald stark geschädigt

Die Wald-Idylle trügt: Viele Bäume sind von zwei viel zu warmen und viel zu trockenen Jahren geschwächt. Fotos: Beate Palmert-Adorff

Der Zustand der Hessischen Wälder ist alarmierend. Vielen Bäumen geht es schlecht.

Der Anteil der Bäume, die starke Schäden aufweisen, hat sich im Jahr 2018/2019 (Oktober bis September) im Vergleich zum langjährigen Mittel seit 1984, dem Beginn der Aufzeichnungen über den Waldzustand, nahezu verdoppelt und betrug knapp 7 Prozent. Hessens Umweltministerin Priska Hinz stellte in der vergangenen Woche im Wald unterhalb des Judenkopfs bei Bremthal den Waldzustandsbericht 2019 für vier Bundesländer vor.

Das Baumsterben hat begonnen – Folge von Hitze und Dürre

„Zu trocken und zu warm“, lautete das Fazit der Ministerin für Hessen, und mit Blick auf die Mittelwerte seit 2010: „Der Klimawandel ist in Hessen angekommen“. Durch Dürre und Wärme begünstigt vermehrten sich die Borkenkäfer massenhaft und starben viele junge Pflanzen ab. Stürme und Waldbrände setzten den Wäldern obendrein zu.

Mitten im Wald bei Bremthal erläuterte die Ministerin anhand von Schautafeln die Ursachen für das Waldsterben: Zwei sehr heiße Sommer mit Wassermangel und zu geringe Niederschläge in den Wintermonaten führten dazu, dass der Grundwasserspiegel nicht ausreichend aufgefüllt wurde und die Bäume schon im April zu wenig Wasser aus dem Boden aufnehmen konnten.

Die sogenannte mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten und aller Altersstufen stieg um 3 auf 27 Prozent, der höchste Wert seit 1984, bei den über 60 Jahre alten Bäumen sogar auf 30 Prozent. Die Absterberate ist von durchschnittlich 0,3 auf 2,3 Prozent gestiegen. Am schlimmsten getroffen hat es Fichten und Buchen, die beiden Hauptbaumarten in Hessens Wäldern. Gut zehn Prozent der Fichten sind stark geschädigt, bei den älteren Fichten stieg die mittlere Kronenverlichtung sprunghaft von 29 auf 38 Prozent. Die extreme Witterung hat dazu geführt, dass der Borkenkäfer massenhaft ganze Bestände befallen hat. Dadurch seien insbesondere in Nord- und Südhessen kahle Flächen entstanden, die besonders schwierig aufzuforsten seien, führte Professor Johannes Eichhorn aus, einer der Autoren der flächendeckenden Waldzustandserhebung für Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Zum ersten Mal zeigt auch die Buche, mit einem Anteil von 37 Prozent der häufigste Baum in Hessens Wäldern, deutliche Schäden: Insbesondere bei den jüngeren Bäumen hat sich die Zahl der geschädigten Bäume nahezu verdoppelt. Hinzu kam ein für Hessens Förster neues Phänomen: Einige Bäume sind im Laufe des Sommers so schnell vertrocknet, dass Äste und Kronen zersplittert sind, bevor die Bäume gefällt werden konnten. Außerdem beobachten die Förster weitere Stress-Faktoren an den Buchen: Eingerollte und zu kleine Blätter lassen darauf schließen, dass die Nachwirkungen der trockenen Jahre sich erst in den kommenden Jahren ganz ermessen lassen. „Allein um die Grundwasserreserven wieder aufzufüllen, müsste es drei bis vier Monate lang durchgehend regnen“, führte Eichhorn aus.

Einziger „Hoffnungsschimmer“ sei der recht stabile Zustand der Eichen, die die höheren Temperaturen bislang recht gut verkraftet haben.

Vergleichbare Aufzeichnungen über den Waldzustand liegen zwar erst seit 1984 vor, „ein Wimpernschlag in der Geschichte des Waldes“, räumte Eichhorn ein, aber auch anhand dieses relativ kleinen Zeitfensters ließen sich bereits Entwicklungen und Tendenzen ablesen, auch für die anderen Baumarten wie Kiefer und Lärche. Auch an ihnen beobachteten die Experten Käferbefall und Pilze, die die Bäume absterben ließen.

Um die Waldwirtschaft dem Klimawandel anzupassen, hat die Landesregierung einen 12-Punkte-Plan für einen klimastabilen Wald erarbeitet und stellt bis 2023 insgesamt 200 Millionen Euro für Waldschutz und Wiederaufbau des Waldes bereit. Damit sollen Folgen aus Sturm, Dürre und Borkenkäferbefall über alle Waldbesitzarten hinweg bewältigt werden. Der bis 2025 geplante Stellenabbau bei Hessenforst werde angesichts der dramatischen Situation gestoppt.

„Wir brauchen standortgerechte Mischwälder“, sagte die Ministerin und kündigte an, dass eine Klimarisikokarte aufgestellt werde. Sie soll Waldbesitzern dabei helfen, standortgerechte Bäume zu pflanzen. Das Land erarbeite außerdem ein Wiederbewaldungsprogramm für den Staatswald und veranstalte demnächst ein Fachsymposium „Baumarten im Hessischen Wald der Zukunft“.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald begrüßte den 12-Punkte-Plan der Regierung, forderte darüber hinaus ein „Sofortprogramm zur Rettung der Hessischen Wälder“: Nicht nur Stopp des Personalabbaus, sondern Personal-Aufstockung bei Hessenforst und allen öffentlichen Forstverwaltungen, ein Sofortprogramm zur Aufforstung aller kahl gefallenen Waldflächen, Reaktivierung von Pflanzgärten bei Revierförstereien, damit ausreichend Jungpflanzen bereit gestellt werden, ein umfangreiches Regenrückhalteprogramm im Wald und die Prüfung aller Tiefbrunnen und Trinkwasser-Schürfungen in Wald und Waldnähe.bpa

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