Wald leidet unter Klimastress – Waldumbau wird forciert

Das braun gefärbte Laub der Bäume schon im September auf den Kuppen des Staufen ist eine Folge der extremen Dürre. Foto: Klaus Sparwasser

Umweltministerin Priska Hinz hat am vergangenen Freitag den Waldzustandsbericht 2022 vorgestellt. Der Bericht zeigt deutlich, wie sehr die Klimaerwärmung die hessischen Wälder beeinträchtigt.

Seit etwa fünf Jahren halten Wetterextreme mit ausgeprägten Trockenphasen bei gleichzeitig überdurchschnittlich hohen Temperaturen in Hessen an. Der Sommer 2022 war in Hessen der trockenste und wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Das hat zu einer großen Dürre und extremer Bodentrockenheit geführt. Seit 2019 sind große Schäden durch Trockenheit, Käfer und Pilzbefall entstanden.

„Die Klimakrise verändert den Wald wie wir ihn kennen in unfassbar schnellem Tempo.“, sagte Priska Hinz. „Wir müssen den Klimawandel eindämmen, um den Zustand der Wälder zu stabilisieren. Zugleich gilt es, jetzt den Wald von morgen aufzubauen“, betonte die Ministerin.

Laut Waldzustandsbericht gilt jeder zehnte Baum (9 Prozent) als stark geschädigt. Das sind dreimal so viele wie noch vor den Dürrejahren 2018 bis 2020. Das bedeutet, dass die Krone derart ausgedünnt ist, dass sie den Boden nicht mehr vor der Sonne schützt, die Nährstoffaufnahme eingeschränkt ist und auch die Sauerstoffproduktion stark zurückgeht. Betroffen sind alle Baumarten.

Die mittlere Kronenverlichtung gilt als wichtigster Indikator der Waldzustandserhebung und beschreibt den sicht- und messbaren Nadel- oder Blattverlust der Baumkrone. Demnach ist die sogenannte mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten und Altersgruppen hinweg von 26 auf 28 Prozent gestiegen – ein extrem hoher Wert. Bei den Buchen, der wichtigsten Baumart in Hessens Wäldern, stieg die mittlere Kronenverlichtung bei den älteren Buchen von 33 auf 34 Prozent. Besonders stark ausgeprägt ist sie bei den älteren Fichten. 47 Prozent weisen lichte Kronen auf. Bei den Eichen hat sich der Zustand der Kronen leicht verbessert: von 28 auf 26 Prozent. Die mittlere Kronenverlichtung der älteren Kiefern bleibt mit 27 Prozent auf hohem Niveau.

Die Absterberate ist bei einzelnen Baumarten unterschiedlich, aber mit durchschnittlich 0,9 Prozent doppelt so hoch wie im langjährigen Mittel. Ein schwacher Trost: die extrem hohen Absterberaten von 2019 (2,3) und 2020 (2,9 Prozent) wurden in den beiden vergangenen Jahren nicht erreicht. Dennoch ist der Anteil der abgestorbenen Bäume ein wichtiger Indikator für den Gesamtzustand der Bäume.

Auch 2022 wurden extrem viele Bäume außerplanmäßig gefällt, weil Sturm, Trockenheit oder Borkenkäfer ihnen zugesetzt hatten. Außerdem gab es dieses Jahr ungewöhnlich viele Waldbrände.

Auch zu den einzelnen Baumarten gibt der Waldzustandsbericht Auskunft: Während jüngere Buchen bis 60 Jahre noch einigermaßen stabil stehen, hat sich die Kronenverlichtung bei den alten Bäumen extrem verstärkt und erreicht einen Höchstwert. Auch die Absterberate bei den Buchen sei vergleichsweise hoch, haben die Wissenschaftler festgestellt.

Die Schäden in Fichtenbeständen sind nach wie vor hoch. Hinzu kommt, dass sich der Kronenzustand bei jüngeren Fichten auch deutlich verschlechtert hat und ein Fünftel aller Fichten stark geschädigt ist. Auch bei der Kiefer wirken sich die Folgen der Dürre inzwischen aus. Der Anteil geschädigter oder absterbender Bäume hat in den vergangenen beiden Jahren Höchstwerte erreicht, verglichen mit den Werten der vergangenen 40 Jahre. Am stärksten betroffen ist der Wald im Rhein-Main-Gebiet mit einer Kronenverlichtung aller Baumarten von mehr als 40 Prozent.

In den Monaten Juli und August wurde der Zustand des Waldes in Hessen von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt nach bundeseinheitlichen Kriterien erfasst. Daten von rund 4000 Bäumen ermöglichen repräsentative Aussagen. Dabei werden die Kronenverlichtung der Bäume, die Fruktifikation, Kleinblättrigkeit sowie Insekten- und Pilzschäden erfasst.

In den kommenden Jahren will die Landesregierung den Aufbau klimastabiler Mischwälder forcieren, so Hinz. Im Doppelhaushalt des Landes für 2023/2024 seien deshalb für die kommenden beiden Jahre insgesamt 155 Millionen Euro für die Wiederbewaldung und den Waldumbau vorgesehen und 1,8 Milliarden Euro für den Klimaschutz. Auf vielen Flächen setze der Forst auf Naturverjüngung. Die großen Kahlflächen dürfe man nicht sich selbst überlassen, betonte Hinz. Dort werden Pionierbaumarten wie Elsbeere, Esskastanie, Walnuss oder Speierling gepflanzt.

2022 fielen nur knapp 80 Prozent des langjährigen Niederschlagsolls. Infolgedessen trockneten die Waldböden in Hessen stark aus, was sich negativ auf die Wasserversorgung der Waldbäume auswirkte. Deshalb fördert die Landesregierung ab 2023 Maßnahmen, um das vorhandene Wasser länger im Wald zu halten. Bewirken sollen das Teiche und Tümpel, wie sie auch in Eppstein seit einigen Jahren angelegt werden, um Wasser zurückzuhalten.

72 Millionen Euro stehen in den kommenden beiden Jahren für Fördermaßnahmen für den Privat- und Kommunalwald zur Verfügung.bpa

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
1 + 2 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.


X