Stadtpolitik fordert: Rhein-Main-Link verträglich umsetzen

Die Präsentation zeigt den angedachten Trassenverlauf des Rhein-Main-Links. Der Korridor ist 150 Meter breit. Die Leitungen sollen später auf einer Breite von rund 45 Metern verlegt werden. 



Grafik Stadt Eppstein/map data©map contributors

Die Präsentation zeigt den angedachten Trassenverlauf des Rhein-Main-Links. Der Korridor ist 150 Meter breit. Die Leitungen sollen später auf einer Breite von rund 45 Metern verlegt werden.

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In der Sitzungsrunde vor der Sommerpause beschäftigt sich die Kommunalpolitik in mehreren Vorlagen mit den Stromnetzausbauvorhaben Ultranet und Rhein-Main-Link.

Die in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen haben sich auf einen gemeinsamen Antrag unter dem Titel „Rhein-Main-Link verträglich umsetzen – für Mensch, Natur, Umwelt und Landwirtschaft“ geeinigt, über den in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr im Blauen Saal im Rathaus I in Vockenhausen abschließend beraten wird. Wesentliche Punkte wurden von dem im Kreistag Ende Juni beschlossenen Antrag übernommen.

Die bislang veröffentlichten Pläne in der Präsentation des Vorhabenträgers Amprion lassen darauf schließen, dass vor allem die Bremthaler und Niederjosbacher Gemarkung davon stärker betroffen ist als ursprünglich gedacht. Wie berichtet, will Amprion eine Erdkabelverbindung von der Nordsee bis ins Rhein-Main-Gebiet bauen. Für die vier Leitungsrohre mit jeweils drei Kabelsträngen plant das Unternehmen eine rund 40 Meter breite Schneise, die während der Bauzeit bis zu 75 Meter breit ist.

Betroffen sind vor allem Waldgebiete und die zahlreichen Bäche und Quellen im Taunus, da die Leitung den Taunus von Nordosten kommend in südwestlicher Richtung durchschneidet. Von Oberjosbach kommend berührt die Leitung bei Ehlhalten erstmals Eppsteiner Gemarkung und damit möglicherweise auch das mit Niedernhausen gemeinsam geplante Windpark-Gelände und trifft dann wieder bei Niederjosbach und Bremthal auf Eppsteiner Gemarkung.

Betroffen ist möglicherweise auch ein geplantes neues Gewerbegebiet am Valterweg. Bürgermeister Alexander Simon zeigte sich in der Ausschusssitzung zuversichtlich, dass das Windkraftgelände nicht von Rhein-Main-Link berührt werde. Möglicherweise könnte die Stromschneise für die Zufahrt zum Windpark genutzt werden. Dann müsse zumindest nur einmal Wald gefällt werden, sagte Simon. Auch beim Gewerbegebiet ist er zuversichtlich, dass beide Projekte so geplant werden, dass dort das Kabel verlegt werden könne, aber auch Gewerbeansiedlung möglich sei. Dennoch: Amprion fordert für dieses Plangebiet eine Veränderungssperre, damit künftige Projekte nicht die Pläne des Unternehmens vereiteln.

Auch für eine Kabelübergabestation sucht Amprion noch nach einer geeigneten, rund 1 Hektar großen Fläche in der Region. Auch wenn Eppstein, so Simon, wegen seines hügeligen Geländes eher ungeeignet sei, sei nicht ganz auszuschließen, dass Amprion dies dort in der Nähe seiner Leitung errichtet.

Dennoch erkennen die Stadtverordneten in ihrem Antrag grundsätzlich die Notwendigkeit neuer Stromleitungen quer durch Deutschland an, damit die Stromversorgung auch in Zukunft gesichert sei. Auch die Verlegung der vier Gleichstromtrassen im Erdkabel-Projekt Rhein-Main-Link sei grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings schließt sich die Stadtverordnetenversammlung den Ausführungen des Kreistages an, der darauf hingewiesen hat, dass der Main-Taunus-Kreis neben dem Rhein-Main-Link von zwei weiteren Übertragungsnetz-Vorhaben besonders betroffen ist: Die Trasse „Ultranet“, bei der auf einer bestehenden Wechselstromtrasse eine Gleichstromverkabelung mitverlegt werden soll, die in den Städten Eppstein und Hofheim zum Teil nur wenige Meter entfernt von der bestehenden Wohnbebauung verläuft. Aufgezeigte Alternativen, die eine kleinräumige Verschwenkung zum Schutz der Menschen in diesem Bereich vorsahen, wurden zwar in Aussicht gestellt, von der Vorhabenträgerin Amprion GmbH und der Bundesnetzagentur im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur großen Enttäuschung der betroffenen Kommunen und der Bürgerinnen und Bürger bislang jedoch nicht umgesetzt.

In diesem Zusammenhang ist ebenso das Vorhaben des Übertragungsnetzbetreibers TenneT zu nennen, im östlichen Main-Taunus-Kreis – bevorzugt in Eschborn – ein neues Umspannwerk mit einem Flächenverbrauch von rund zwanzig Hektar zu errichten.

Die Stadtverordnetenversammlung weist im Besonderen auf die Belange der Landwirtschaft im Main-Taunus-Kreis und auch in Eppstein hin. Die Böden im MTK gelten als besonders fruchtbar. Nach aktuellem Planungsstand geht mit dem Projekt Rhein-Main-Link im Main-Taunus-Kreis der Verlust von mehr als zwanzig Hektar Fläche für zwei Konverterstationen und eine Übergabestation einher. Hinzu kommt die bereits seit Längerem geplante Erweiterung der Umspannwerke in Kriftel und Marxheim.

Der Verlust jedes einzelnen Hektars landwirtschaftlich genutzter Fläche sei besonders schmerzhaft und soll, so die Forderung der Stadtverordneten, möglichst vermieden werden. Vor diesem Hintergrund fordert die Stadtverordnetenversammlung, die Inanspruchnahme der knappen Ressource Boden in Eppstein und im gesamten Main-Taunus-Kreis auf das absolut notwendige Maß zu beschränken. Aus Sicht der Stadtverordnetenversammlung müsse Amprion dringend alternative Planungen für die Konverterstationen und die Kabel-Kabel-Übergabestation in Erwägung ziehen. Bei der Auswahl der verträglichsten Flächen dürfe nicht nur die für die Vorhabenträgerin wirtschaftlichste Variante mit einem möglichst kurzen Weg zur Umspannanlage eine Rolle spielen.

Die Stadtverordnetenversammlung kritisiert außerdem, dass die Vorhabenträgerin bei der Auswahl der potenziellen Standorte für die Konverterstationen und für die Kabel-Kabel-Übergabestationen die bislang von den Kommunen, der Landwirtschaft und anderen Trägern öffentlicher Belange eingebrachten Anregungen offenbar nicht berücksichtigt habe. Sie fordert deshalb, den Präferenzraum, der ausgerechnet in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main enger ist als an anderen Stellen in der Bundesrepublik, auf das sonst übliche Maß zu öffnen, sodass weitere Standortalternativen möglich werden.

Gleichzeitig fordert die Stadtverordnetenversammlung die Vorhabenträgerin auf, für Mensch, Umwelt und Landwirtschaft verträglichere Standorte in enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Kommunen zu finden und dabei die vorgeschlagenen Alternativstandorte priorisiert einzubeziehen. Es muss dringend erwogen werden, die benötigten Erdkabel und Konverterstationen sowie Kabel-Kabel-Übergabestationen entlang von Routen zu planen, die ohnehin nur für den Transit zur Verfügung stehen, wie die Bundesautobahnen 3 und 67 oder Industriebrachen zu nutzen.

Bereits laufende Planungen von Großprojekten wie die Güterverkehrsstrecke, der Brückenersatzbau A671 und die Umsetzung der Wallauer Spange müssen bei der Trassen-Planung von Rhein-Main-Link innerhalb des Main-Taunus-Kreises ebenfalls berücksichtigt werden.bpa

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