Naturschützer wollen Steinkaut bewahren

Ein Refugium für Vögel und Fledermäuse mitten in Bremthal soll Einfamilienhäusern weichen.Foto: Ulrich Häfner

Der Naturschutzbund Hessen (NABU) und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) haben eine gemeinsame Stellungnahme zum Bebauungsplan für die „Steinkaut“

in Bremthal abgegeben und kritisieren die Pläne der Stadt, das seit Jahrzehnten nahezu unberührte Naturrefugium für ein kleines Neubaugebiet zu zerstören.

Laut Sprecher Hans Joachim Menius aus Eppstein bewerte der Naturschutz das etwa ein Hektar große Areal wie eine „Außenbereichsinsel im Innenbereich“. Er erklärt, dass die recht große Grünfläche trotz ihrer Lage zwischen zwei Wohnstraßen relativ ungestört sei und zahlreiche Gehölze aufweise und fordert die Behörden auf, „mehr Wildnis zu wagen“ und wegen der ungewöhnlich großen Artenvielfalt auf die Bebauung zu verzichten. „Sie würde ein echtes Naturkleinod unwiederbringlich zerstören“, befürchtet Menius.

Bei der faunistischen Untersuchung des Gebietes im vorigen Jahr habe der Gutachter eine überdurchschnittliche Anzahl von Brutvögeln festgestellt und etliche Brutpaare beobachtet. Insgesamt zählte der Gutachter 24 Vogelarten und habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser Wert um 60 Prozent höher sei als statistisch auf solch einer Fläche zu erwarten war. Auch drei Fledermausarten seien beobachtet worden. Daraus schließt Menius, dass auf der Fläche auch viele Insekten vorkommen. Wegen der hohen Diversität der Arten müsse deren Schutz höchste Priorität genießen.

Auch der Hinweis im Umweltbericht auf die Flächenversiegelung gibt Menius zu denken. Der Gutachter weist darauf hin, dass dies auch den Wasserhaushalt beeinträchtigen und der Verlust der Grünflächen das Kleinklima verändern werde. Die Planungsfläche habe eine große Bedeutung für Natur- und Artenschutz, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne, sagt Menius und fordert, die Fläche nicht zu bebauen. Seiner Ansicht nach sei die geplante Bebauung wie ein Vorhaben im Außenbereich zu bewerten und deshalb laut Menius überhaupt nicht zulässig.

Die in der faunistischen Untersuchung aufgeführten Ausgleichsmaßnahmen im Falle der Zerstörung des Biotops seien geradezu lächerlich und völlig unzureichend, ärgert sich Menius. Die Anlage einer Feldholzinsel und die Auflage, in den Gärten nur einheimische Gehölze anzupflanzen, stünden lediglich auf dem Papier. Die Ortsgruppe des NABU habe rund um Bremthal bereits etliche Feldholzinseln geschaffen. Kontrollen der Gärten und ihrer Bepflanzung fänden nie statt. Menius weist darauf hin, wie wichtig kleine, naturnahe Refugien in bebauten Ortslagen seien, zum Beispiel für die Vernetzung von Biotopen. Die Tiere finden in den Hausgärten möglicherweise Futter, aber nur selten ruhige Inseln zur Fortpflanzung. Dafür seien solche Grünflächen von großer Bedeutung, so Menius.bpa

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