Home | Politik und Wirtschaft

Nadja Gneupel will Verantwortung für die Stadt übernehmen

Nadja Gneupel will Bürgermeisterin werden.

Am 18. März läuft die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterkandidatur ab. CDU und FDP haben ihre Kandidaten nominiert, SPD und Grüne Unterstützung für einen Kandidaten signalisiert. Die Stellungnahme der FWG steht noch aus.

Sie hält sich damit die Möglichkeit offen, wie vor sechs Jahren wieder einen Überraschungskandidaten zu präsentieren, Der Vorstand ließ bereits durchblicken, dass man die FDP-Kandidatin noch zu einem Vorstellungsgespräch einladen wolle. Offen ist außerdem, ob sich bis zum Ablauf der Meldefrist noch ein unabhängiger Kandidat bewirbt. Amtsinhaber Alexander Simon (CDU) und die Verwaltungswirtin Nadja Gneupel (FDP) haben ihre Kandidatur bereits angekündigt und wurden von den Mitgliedern ihrer Ortsverbände nominiert. Wir haben mit den nominierten Kandidaten gesprochen und stellen sie in loser Folge vor.

Sie habe schon lange vor ihrer Kandidatur fürs Bürgermeisteramt darüber nachgedacht, wie viel Verantwortung der einzelne für die Gesellschaft übernehmen solle, sagt Nadja Gneupel, die gerade ihre Unterlagen fürs Wahlamt vorbereitet. Schon als sie vor zehn Jahren nach Eppstein zog, habe sie nicht lange über den Satz „eigentlich müsste man ja…“ gegrübelt, sondern sich gleich auf die Suche gemacht nach einer politischen Heimat. Sie schloss sich der FDP an und zog nach der Kommunalwahl 2011 ins Stadtparlament ein und ist von Anfang an für die FDP im Bauausschuss.

Als Mitglied einer Oppositionspartei habe sie wenig echte Gestaltungsmöglichkeit, sagt Nadja Gneupel. Das will sie als Bürgermeisterin ändern. Als die Partei sich im Herbst die Frage stellte, wer die liberalen Ideen im Rathaus vertreten könne, „war sich der Vorstand einig: Du musst das machen“, erzählt die 32-jährige Verwaltungsfachwirtin. Jetzt hat auch die Mitgliederversammlung ihrer Kandidatur zugestimmt.

Die SPD, so Gneupel, habe sie gleich nach der Nominierung zum Gespräch eingeladen und beim Neujahrsempfang als Kandidatin der Sozialdemokraten vorgestellt. Man habe sie sofort akzeptiert, sagt die FDP-Kandidatin, trotz der etwas ungelenken ersten Haushaltsrede in der Sitzung vor Weihnachten: „Ich musste kurzfristig einspringen und über ein schwieriges Thema reden, auf das ich nicht gut vorbereitet war“, räumt sie ein.

Gneupel blickt auf 14 Jahre Berufserfahrung zurück. Das dreijährige Studium zur Verwaltungswirtin absolvierte sie neben ihrem Berufsalltag. „Auch ein Berufspolitiker sollte eine gute fundierte Berufsausbildung haben“, stimmt sie ihrem Konkurrenten Alexander Simon zu, der zu diesem Thema im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung ebenfalls Stellung bezog.

Bei seiner ersten Kandidatur vor sechs Jahren unterstützte die FDP Simon noch. Von seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister seien die Liberalen jedoch enttäuscht, sagt Gneupel: „Wir haben uns spritzige Ideen erwartet und eine Vision, wo Eppstein in 20 Jahren stehen soll“. Stattdessen habe Simon sich aufs Verwalten konzentriert und habe beim Wohnungsbau da und dort baulich nachgebessert. Pläne für eine neue Ortsmitte in Vockenhausen und ein neues Rathaus sind aus ihrer Sicht zwingend notwendig. Für dieses „Herzstück“ der Stadt müsse ein Gesamtkonzept erarbeitet werden. Ebenso für den Wohnungsbau.

Ein gutes Stadtmarketing vermisst sie ebenfalls. Nicht einmal in der Region sei bekannt, wie viel Eppstein zu bieten habe, stelle sie immer wieder fest. Die Menschen seien auf der Durchfahrt oder nutzten Eppstein am Wochenende als Start und Ziel für Wanderungen, lassen die Altstadt aber links liegen. „Wir müssen sie dazu bringen, Eppsteins Schönheiten zu genießen und auch hier ihr Geld auszugeben.“

Die Burg als Zugpferd allein reiche nicht aus. „Die Altstadt braucht eine Zielvorgabe“, ist sie überzeugt. Das ist aus ihrer Sicht die touristische Erschließung. Dafür brauche Eppstein eine Identität, die auch nach außen wirkt. Auch sie habe Eppstein nur zufällig entdeckt, als sie vor gut zehn Jahren einen neuen Wohnort suchte. Wiesbaden war ihr, die aus Greiz in Thüringen stammt, zu großstädtisch. Eppstein begeisterte sie jedoch sofort.

Ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten absolvierte sie bei der hessischen Straßenbauverwaltung. Straßenbau und Verkehrsnetz seien zusammen ein wichtiger Themenkomplex: Die Instandsetzung des vorhandenen Straßennetzes genauso wie die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.

Nach ihrer Ausbildung wechselte sie zum Main-Taunus-Kreis, war zunächst bei der Führerscheinstelle, dann Leistungssachbearbeiterin im Job Center. Seit zwei Jahren ist sie für Flüchtlinge zuständig und organisiert vor allem freiwillige Rückführungen. Jeder Fall müsse individuell betrachtet werden, sagt sie. Die Frage nach der Perspektive für die Rückkehrer sei enorm wichtig: Gneupel organisiert Beihilfen, informiert sich über Hilfsorganisationen. Die Internationale Organisation für Migration IOM, die in über 100 Ländern vertreten ist, sei ein wichtiger Ansprechpartner oder das Europäische Rückkehr- und Reintegrationsprogramm.

Auch für ehrenamtliche Helfer ist sie die Notfallstelle beim Main-Taunus-Kreis, an die sie sich wenden können, „wenn sonst keiner weiter weiß“, sagt Gneupel. Aus den Gesprächen mit Flüchtlingshelfern habe sie gelernt, dass viele Menschen bereit sind, sich zu engagieren, vor allem, wenn ihre Hilfe projektbezogen ist und zeitlich begrenzt werden kann. Diese Erkenntnis gelte es für das Ehrenamt im Allgemeinen umzusetzen, ist sie überzeugt.

Die Vereine liegen ihr am Herzen. Sie würde gern einen Vereinskoordinator in der Stadt einsetzen, der Projekte koordiniert, nach Fördermöglichkeiten sucht, Neubürger integriert. „Ich bin der Vereinsmensch bei der FDP“, sagt sie lachend und zählt ihre Mitgliedschaften beim Kulturkreis, dem Burgverein, dem Gusbacher Carneval Club und die sporadischen Auftritte bei historischen Stadtführungen mit den Burgschauspielern auf.

Schon jetzt fehlt ihr die Zeit, fürs regelmäßige Training, deshalb hat sie mit ihrem Hobby Gardetanz bei den „Roten Tatongkas“ des GCC aufgehört. „Meine Kandidatur hat die Mädels überrascht“, sagt sie. Sie joggt gern und nimmt, wenn es ihr Zeitplan zulässt, an Volks- und Marathonläufen teil.

Eine 60- bis 80-Stunden-Woche als Bürgermeisterin schrecke sie nicht. Ihren Partner Christoph Wildner weiß sie hinter sich. Er sagt: „Wir haben in Eppstein einen schönen Wohnort gefunden. Dafür sind wir bereit, etwas zurückzugeben.“ Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, gehöre für ihn dazu.

In Eppstein fehle leider eine gymnasiale Oberstufe und damit die Möglichkeit, eine wichtige jugendliche Altersgruppe in der Schule anzusprechen, sagt Gneupel. Trotzdem müsse versucht werden, Jugendliche einzubinden. Eine Party auf der Burg oder ein selbst organisiertes Rockkonzert – solche Projekte müsse die städtische Jugendarbeit mit den jungen Menschen gemeinsam erarbeiten. Mit Spannung erwarte sie deshalb das neue Jugendkonzept mit dem Jugendhilfe-Verein JJ.

Die Stadt müsse nicht alles allein stemmen. Zusammenarbeit mit anderen Städten oder auch mit externen Trägern wie etwa JJ hält sie für wichtig und ausbaufähig. Ebenso die Digitalisierung des Rathauses. Schon das Erfassen sämtlicher Akten in elektronischer Form wäre ein wichtiger Schritt, der die Arbeit im Rathaus enorm erleichtern würde, ist sie überzeugt. Die Realität sehe anders aus: Zentrale Vergabe der Kindergartenplätze, digitalies Fundbüro und Rechnungswesen sind zwar beschlossen, aber nur zum Teil umgesetzt. Es fehlt ihrer Meinung nach ein Digitalisierungskonzept mit einer klaren Zielsetzung für die Umsetzung.

Angst vor den Aufgaben einer Bürgermeisterin habe sie nicht, sagt sie mit einem Lächeln: „Beruflich bin ich schon ein paar Mal ins kalte Wasser geworfen worden und habe es immer geschafft.“ Außerdem wisse sie ein gutes FDP-Team hinter sich und – sofern es ihr gelingt, den Chefsessel im Rathaus zu erobern – im Rathaus fähige Amtsleiter neben sich. bpa

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Baulückenverdichtung in der Kurmainzer Straße
16 Stunden 32 Minuten
"Möglicherweise die einzige Chance, Eppstein …
16 Stunden 59 Minuten
Eppsteiner nur mäßig begeistert von den Glasfaser …
1 Tag 21 Stunden
Eppsteiner nur mäßig begeistert von den Glasfaser …
1 Woche 2 Tage
Nicht einer zahlt viel, sondern viele zahlen …
1 Woche 2 Tage
X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert