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Kulturdenkmäler von Windrädern quasi umzingelt

Mit dieser Fotomontage von Windrädern auf dem Judenkopf warb eine BI im Mai 2017 darum, die Pläne aufzugeben.

Das erste Änderungsverfahren zum Teilplan Erneuerbare Energien des Regionalen Flächennutzungsplans weckt in Eppstein gemischte Gefühle: „Wir werden eine Stellungnahme mit Lob, aber auch Tadel abgeben“, kommentiert Bürgermeister Alexander Simon die Magistratsvorlage für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch, 24. Juni, und die Stadtverordnetenversammlung am 2. Juli. Nach massiver Kritik seitens der Bürger und aus dem Rathaus strich die Regionalversammlung die auf Bremthaler und Wildsächser Gemarkungen liegende knapp 11 Hektar große nördliche Teilfläche für Windkraftanlagen.

Dafür zollt der Magistrat dem Verband Lob. Gleichzeitig fordert er den Regionalverband auf, auch die beiden verbleibenden Teilflächen der Vorrangfläche 3003 auf Hofheimer Gemarkung zu überdenken.

Bisher erkennt der Regionalverband vor allem die Beeinträchtigung der Sichtbeziehung vom Kaisertempel aus als Argument an. Die Beeinträchtigung von Burg und denkmalpflegerischer Gesamtanlage und auch das Orts- und Landschaftsbild würden, so der Magistrat, jedoch nicht angemessen berücksichtigt.

Das spiegelt sich im Teilplan für Erneuerbare Energien wider: Auf dem verbleibenden, 31 Hektar großen Hofheimer Vorranggebiet könnten rund zehn Windräder errichtet werden. Das sei ein massiver Eingriff. Er „verletze die natürliche Eigenart der Landschaft gravierend und sei für Kaisertempel, Burg und mittelalterliche Altstadt grob unangemessen“, kritisiert Simon in der Stellungnahme. Aus Sicht der Stadt spiele es keine Rolle, ob die Windräder nur am Rand einer Sichtbeziehung liegen oder in dessen Mitte. „Beim Ausblick vom Kaisertempel handelt es sich um einen Panoramablick“, sagte Simon, Der Hauptausblick reiche nicht nur nach Westen und Nordwesten über Burg und Altstadt ins Daisbachtal, sondern auch ins südwestliche Lorsbachtal und über die Hügel des Judenkopfes hinweg Richtung Langenhain und Wiesbaden. Diese unverbauten Sichtbeziehungen waren Grund für die Errichtung des Bauwerks an dieser Stelle im Jahr 1894. Der jetzige weit gefächerte Blick wäre durch die Anlagen auf Hofheimer Gemarkung stark eingeschränkt.

Die Stadt bezieht sich in ihrem Widerspruch gegen die Planung auch auf die Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege und weist ausdrücklich darauf hin, dass Burg und Altstadt Eppstein in der Denkmaltopographie für Kulturdenkmäler in Hessen als „eindrucksvolle Gesamtanlage von überregionalem Rang“ eingestuft werden. Die Burg stehe zudem in direkter Sichtbeziehung zu Burg Königstein. Diese historische Sichtachse von Burg Königstein zur Burg Eppstein mündet, so Simon, „genau in der nur 1,3 Kilometer von der Burg entfernten nördlichen Teilfläche und würde durch Windkraftanlagen auf dieser Teilfläche verstellt und zerstört“.

Auch der an der nördlichen Ortsgrenze von Langenhain stehende Bahai-Tempel werde massiv beeinträchtigt, weist Simon auf ein weiteres Kulturdenkmal hin, das aus Sicht der Stadt Eppstein nicht ausreichend bei der Diskussion um Vorrangflächen beachtet werde. Der Tempel sei als Ort der Ruhe, Meditation und Kontemplation bewusst mit umlaufenden Fensterfronten in die unberührte Taunuslandschaft gesetzt worden. Das eingetragene Kulturdenkmal würde, so Simon, von den Windkraftanlagen „quasi umzingelt“. Die religiöse Funktion als eine Oase der Stille und Einkehr werde durch rotierende und blinkende Anlagen vollkommen entwertet.bpa

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