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Mit Kreativität Altstadt aus dem Dornröschenschlaf wecken

Als Treffpunkt und gemütlicher Einstieg ins Wochenende hat sich der Eppsteiner Wochenmarkt am Freitagnachmittag etabliert. Viele Besucher genießen ein Glas Wein beim Mundschenk, der „Eine-Welt-Stand“

hat seine feste Stammkundschaft, genau wie Fleischerei, Antipasti-Verkäufer und Blumenhändler. Es gibt frische Eier und fair gehandelte Waren. Vor wenigen Tagen erhielt Marktmeister Jörg Herrmann nun die Zusage eines Obst- und Gemüsehändlers aus Kloppenheim, der Ende August seinen Stand auf dem Wochenmarkt eröffnen will. Er füllt die Lücke, die vor einigen Monaten entstanden ist, als sich der bisherige Gemüsehändler aus Ingelheim zurückzog. Die weite Anfahrt und der Aufbau der recht großen Auslage habe sich für den Händler nicht gelohnt, sagte Herrmann. Er hofft, dass die Eppsteiner das neue Angebot nutzen, denn letztlich, so Herrmann, „liegt es an den Bürgern, was sie daraus machen.“ Bereits am kommenden Freitag bietet Bio-Imker Hubertus Fischer aus Wildsachsen sein Sortiment auf dem Wochenmarkt an.

Anregungen, die Altstadt aufzuwerten, kommen auch aus einer ganz anderen Ecke: Grafik-Designerin Dorothea Lindenberg hat mit Innenarchitektin Gabi Erschens-Walldorf vor einigen Monaten eine Bürogemeinschaft in der Burgstraße gegründet und will einen weiteren Versuch für einen Runden Tisch mit Altstadtbewohnern, Geschäftsleuten und Hausbesitzern ins Leben rufen. Die beiden laden deshalb für Montag, 26. August, um 20 Uhr zu einem ersten Treffen im Sitzungsraum im Erdgeschoss des Rathauses II in der Rossertstraße ein.

Die Unternehmerinnen erleben jeden Tag vor ihrem Bürofenster das Altstadt-Flair hautnah: Autos rumpeln unmittelbar vor ihrem Büro vorbei, häufig ratternde Anhänger hinter sich herziehend. Der Blick auf so manches Hoftor ist kaum erhebender: Zwischen Pflastersteinen und Tor wuchert das Grün. Schmucklose Oberflächen aus einfachen Brettern mit abblätterndem Lack sind täglicher Appell an die Grafikerin, ihre Phantasie walten zu lassen. Möglicherweise haben die vielen leerstehenden Geschäfte, Cafés und Wohnungen und eben der tägliche Anblick morbider Flächen sie zu einer Plakatserie für die Altstadt inspiriert.

Unter dem Motto „Wie hätten Sie’s denn gern?“ verwandelt das Grafikprogramm der Designerin die Burgstraße mal in ein Fußgängerparadies mit blühenden Sitzgruppen, mal in eine grüne Wiese, ein Paddelparadies oder ein Fjord für Kreuzfahrtriesen und – der Wirklichkeit noch am ähnlichsten – in eine enge Durchfahrtstraße, in der sich Laster und Autos stauen, der Himmel schwefelgelb verdüstert von Abgasen. Allerdings überwiegen die optimistischen Visionen, denn beide Frauen sind überzeugt von der Kraft des positiven Denkens: „In unseren Köpfen entstehen Bilder einer fröhlichen, lebhaften mit attraktiven Läden ausgestatteten Kleinstadt, die dadurch auch den Freitagsmarkt zum Erblühen bringen könnte.“

Ein erster Schritt dazu könnten Hingucker sein, die die Menschen zum Nachdenken anregen: So könnten die Altstadt-Plakate leere Schaufenster ausfüllen, witzige Aphorismen auf blitzenden Metallschildern an Bruchsteinmauern oder Fachwerk zum Innehalten und Lesen anregen, die Lieblingsplätze der Altstadtbewohner hervorgehoben werden.

Eine Kleinstadt mit attraktiver Burg, aber ohne Café und sonstige Möglichkeiten, Bücher oder Blumen einkaufen zu können sei „auf Dauer traurig“, schreiben Lindenberg und ihre Büro-Partnerin Gabi Erschens-Walldorf und erinnern an die Schließung von Lebensmittelladen, Bäckerei-Café, Buchladen und Apotheke innerhalb weniger Monate.

Gemeinsam wollen sie auf die schönen Häuser und lauschigen Winkel der Eppsteiner Altstadt aufmerksam machen und etwas gegen die „unfrohe“ Atmosphäre der zahlreichen Leerstände unternehmen. Munteres Einkaufs-Treiben in der Altstadt würde auch den Restaurants zu Gute kommen und die mutigen und ausdauernden Betreiber kleiner Läden motivieren und unterstützen, sind die beiden kreativen Frauen überzeugt. „Wir sind ja nicht die einzigen, denen der Zustand der Altstadt auf der Seele brennt“, wissen sie aus vielen Gesprächen.

Deshalb wenden sie sich in einem offenen Brief an die Eppsteiner und wollen mit Anwohnern, Vermietern, Ladenbesitzern, städtischen Gremien, Kirchen, Vereinen und allen, die mitarbeiten wollen, einen Runden Tisch ins Leben rufen. Anders als die bisherigen, meist ergebnislos verlaufenden Initiativen dieser Art, denken die beiden Frauen daran, einen externen Moderator oder Berater dazu einzuladen. Sich selbst verstehen sie als Ideengeber und wollen dazu beitragen, Ziele zu formulieren, ein Netzwerk aufzubauen und Aufgaben zu verteilen. So schlagen sie beispielsweise ein Projekt mit Architekturstudenten mit Schwerpunkt Stadtplanung vor, um Anregungen zu erhalten.

Wichtig sei es, Menschen in die Stadt zu holen, die unvoreingenommen die schönen und die schwierigen Seiten der Stadt wahrnehmen und den Mut haben, etwas Neues auszuprobieren. „Es müsste doch möglich sein, mit Ideen und gemeinsamen Anstrengungen die Eppsteiner Altstadt sowohl optisch als auch atmosphärisch aus dem momentanen ,Dornröschenschlaf’ zu wecken“, sind die beiden überzeugt. Sie freuen sich über Anmeldungen zum Runden Tisch, weitere Ideen und konkrete Vorschläge unter ZukunftAltstadtEppstein[at]posteo.de[dot]bpa

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