Experten schlagen vor: Parken in der Altstadt neu regeln

Eine Einbahnstraßenregelung in der Burgstraße Richtung Osten brächte Entlastung an den markierten Engstellen.Grafik: imb Plan

Eine Einbahnstraßenregelung in der Burgstraße Richtung Osten brächte Entlastung an den markierten Engstellen.Grafik: imb Plan

Die Debatte über den Kraftfahrzeugverkehr in der Eppsteiner Altstadt, die zuletzt 2020 von der Bürgerinitiative „Eppstein lebt“ kurzzeitig angefacht wurde, hat neue Nahrung bekommen. Die Stadt Eppstein nutzte Fördermittel aus dem Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“

für eine professionelle Betrachtung der Situation in der Altstadt. In einer gemeinsamen Sitzung von Ortsbeirat und Stadtentwicklungsausschuss stellte Diplom-Ingenieur Claas Behrendt jetzt die Untersuchungsergebnisse der Hanauer Ingenieurgesellschaft imb vor.

In ihrem Bericht haben die Planer zwei Schwerpunkte gesetzt und den fließenden Verkehr sowie die Parksituation analysiert. Dabei kamen die Planer zu einigen grundsätzlichen Betrachtungen: Der meiste Verkehr in der Altstadt wird von den Eppsteinern selbst verursacht: auf jeden der 470 Altstadtbewohner kommen laut Berechnung zwei Fahrten täglich. Hinzu kommen 400 Einwohner entlang der Mendelssohnstraße und Cuntzstraße, weitere 360 Einwohner rund um Rossertstraße und Kurmainzer Straße und weitere 60 in der vorderen Burgstraße – knapp 1300 Menschen in Altstadt und angrenzenden Straßen, die durch die Burgstraße fahren müssen – laut Statistik unternehmen diese Menschen im Schnitt 2600 Fahrten täglich. Das entspreche auch dem Ergebnis der Verkehrszählungen, die laut Behrendt an mehreren Stellen in der Altstadt vorgenommen wurden.

Diese Zahlen, so das Fazit der Experten, ließen sich kaum verringern, der Verkehr kaum umlenken. Denn zu den Anwohnern müssten noch Besucher, Kunden von Gastronomie und Geschäften, Touristen und Beschäftigte sowie Besucher von Rathaus, Kindergarten und anderen Einrichtungen gerechnet werden. Behrendts Fazit: „Der Durchgangsverkehr ist minimal, die meisten Fahrzeuge fahren in die Altstadt und bleiben für einen gewissen Zeitraum dort.“ Problematisch seien die Engstellen, insbesondere in der westlichen Burgstraße und in Höhe der Talkirche. Dort sei Begegnungsverkehr nicht möglich oder nur, wenn der – für Fußgänger ohnehin schmale – Bürgersteig befahren wird.

Verkehrslenkung untersuchten die Planer auch und legten verschiedene Modelle vor. Ihr Fazit: Eine einseitige Einbahnregelung entweder in der östlichen oder in der westlichen Burgstraße, wie sie in den vergangenen Jahren immer mal wieder vorgeschlagen wurde, sei eher kontraproduktiv, denn der Verkehr verlagere sich prompt in die Hälfte der Burgstraße, in der Gegenverkehr möglich ist. Ein verkehrsberuhigter Abschnitt am Wernerplatz, um Durchgangsverkehr unattraktiv zu machen, sei mit entsprechender Gestaltung des Platzes als Knotenpunkt denkbar. Allerdings werde am Wernerplatz ohnehin in der Regel langsam gefahren.

Eher realisierbar sei eine durchgängige Einbahnstraße, entweder von West nach Ost oder in umgekehrter Richtung. Bei beiden Regelungen würde sich die Verkehrssituation an den Engstellen deutlich entspannen. Außerdem sei dann mit einer Abnahme des Verkehrs vor allem in der östlichen Burgstraße zu rechnen. Die Planer gaben zu bedenken, dass bei einer Einbahnstraßenregelung die Belange der Feuerwehr geprüft werden müssten.

Eine unmittelbare Notwendigkeit für eine neue Verkehrsregelung sehen die Planer nicht. Zur Entspannung der Begegnungen von Autos und Fußgängern auf der Burgstraße schlagen sie vor, Alternativen durch neue Fußweg-Verbindungen zu schaffen. Möglichkeiten sehen sie dazu entlang des Schwarzbachs, wo der bereits vorhandene Trampelpfad von der Poststraße Richtung Untergasse besser erschlossen und als Fußweg ausgebaut werden könnte.

Deutlich größeren Handlungsspielraum sahen die Planer bei der Parksituation. Bei der Verkehrszählung stellte das Ingenieurbüro fest, dass ein Großteil der öffentlichen Parkplätze im Zentrum der Altstadt von Anwohnern belegt sei – auch deutlich länger als erlaubt. Das Fahrzeug werde schon mal kurz umgeparkt oder die zeitlich beschränkte Parkdauer einfach ignoriert. Knapp 40 Prozent der Nutzer halten, so die Beobachtung der Planer, die Parkregeln nicht ein und bleiben durchschnittlich dreieinhalb Stunden länger als erlaubt auf dem Parkplatz stehen. Denn für etwa zwei Drittel der Parkplätze in und am Rand der Altstadt gibt es zeitliche Regelungen.

Vor allem nachts sei der Bedarf an Stellplätzen für Anwohner groß. Tagsüber gebe es nur wenige Möglichkeiten für Anwohner, ihr Auto legal und innenstadtnah für mehrere Stunden stehen zu lassen.

Am begehrtesten und deshalb nahezu immer belegt seien die neun Parkplätze am Wernerplatz und die 15 an der Talkirche und in der Hintergasse. Dort sei allerdings auch der Bedarf an Kurzzeitparkplätzen am höchsten – der aktuell nur selten zur Verfügung stehe, so die Beobachtung der Experten.

Grundsätzlich gebe es ausreichend Stellplätze, sagte Behrendt: Bei 470 Altstadtbewohnern gehen die Planer von 330 Fahrzeugen aus und von 200 bis 230 privaten Stellplätzen sowie 119 öffentlichen Stellplätzen. Hinzu kämen 52 Parkplätze am Bahnhof und an der B455 – insgesamt knapp 400 Parkplätze, davon 173 öffentliche.

Deshalb schlagen die Verkehrsplaner vor, dass die Stadt die zeitlichen Parkregelungen ändert und an weniger zentralen Stellen Alternativen bietet und Parkplätze ohne Begrenzung für die Anwohner schafft, zum Beispiel am ehemaligen Busbahnhof, am Ende der Poststraße oder an der B455. Die Parkplätze im Zentrum solle die Stadt für Kurzzeitparker oder Gastronomiebesucher zwischen 30 Minuten und zwei Stunden begrenzen. Auch den auf Eis gelegten Plan der Stadt für weitere Parkplätze am Rand der Wiese der Laurentius-Kirche holten die Planer aus der Schublade. Sie sehen darin eine Möglichkeit, weitere Parkplätze für die Altstadt zu schaffen. bpa

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