Die langfristigen Auswirkungen dieser Dürre zeige sich bei Laubbäumen oft erst nach einigen Jahren, sagt Murray: „Einige erholen sich, bilden beispielsweise einen neuen, Sekundärkrone genannten Wipfel aus, andere sterben endgültig ab.“ Wie sich die Bäume entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab, dem nächsten Winter beispielsweise, von den Niederschlägen oder dem Grundwasserpegel. Für eine Prognose sei es noch viel zu früh. Den verbliebenen Fichten habe die Hitze erstaunlicherweise weitaus weniger zugesetzt als den Buchen, hat Murray beobachtet. Weitere Erkenntnisse erhofft er sich vom Waldzustandsbericht, den Hessenforst jedes Jahr im November veröffentlicht.
Er stelle immer wieder fest, dass sein Vorgänger Peter Lepke, den Wald sehr gut gepflegt habe, sagt Murray. Es habe einige Einsätze bei Verkehrssicherungsmaßnahmen an den Waldrändern gegeben. Einige Sturmschäden seien beseitigt worden. Auf den neu bepflanzten Flächen gebe es bislang keine überdurchschnittlich hohe Absterberate. Im nächsten Jahr seien Nachbesserungen mit 300 Douglasien und 200 Traubeneichen geplant, die Pflege junger Kulturen, Mischwuchsregulierung und Schutz vor Wildverbiss. Das liege im üblichen Rahmen, sagte Murray, der am Dienstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt seinen ersten Forstwirtschaftsplan für den Eppsteiner Stadtwald vorgestellt hat.
Der Plan beschreibt die vorgesehenen Pflege-, Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen im nächsten Jahr und bildet die Grundlage für die Ansätze im städtischen Haushalt 2027. Für den nächsten Jahreshaushalt der Stadt ist der Wirtschaftsplan für die 521,2 Hektar bewirtschafteten Waldes entscheidend: Im Ergebnis kalkuliert der Plan mit 227 800 Euro an Erträgen und 224 800 Euro an Aufwendungen. Daraus ergibt sich ein kleiner Überschuss von 3000 Euro. Die Vorlage steht in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 17. September, zur Beschlussfassung auf der Tagesordnung
Einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung leiste die Förderung des Landes für Klimaangepasstes Waldmanagement in Höhe von 58 700 Euro. Dafür sind eine regelmäßige Pflege, die Förderung widerstandsfähiger Baumarten und eine nachhaltige Bewirtschaftung notwendig. Die bestehende Förderung hilft dabei, die Maßnahmen finanziell abzusichern. Für Verjüngung, Kultur- und Jungwuchspflege, Jungbestandspflege sowie Schutz gegen Wildschäden sind zusammen 38 660 Euro eingeplant.
Der bei der Waldpflege anfallende Rohstoff Holz wird vermarktet. Für 2027 ist ein Einschlag von insgesamt 2230 Festmetern vorgesehen. Davon sind 1817 Festmeter als verkaufsfähiges Holz eingeplant. Der größte Teil der Ernte werde in den Buchenbeständen eingeschlagen: insgesamt 1730 Festmeter Buchenholz.
Etwa zwei Drittel der Holzernte stammt aus sogenannter Pflegenutzung, der Rest aus der Hauptnutzung.
Bei der Hauptnutzung werden Bäume eingeschlagen, die tatsächlich das erwartete Alter und die entsprechende Stärke erreicht haben. „Das sind in der Regel weniger Bäume als bei der Pflegenutzung, bei der jüngere oder schwächere Bäume entfernt werden, damit wichtige Zukunftsbäume sich besser entwickeln können“, erklärt Murray. Bei der Eiche beispielsweise steht im kommenden Jahr nur Pflegenutzung auf dem Plan.
Weitere Schwerpunkte sind die Verkehrssicherung an Waldrändern und bewirtschafteten Flächen mit 27 000 Euro, die Unterhaltung der Waldwege mit 13 000 Euro sowie Erholungseinrichtungen und das Freiräumen von Wanderwegen mit 2500 Euro. Für die Anlage und Pflege von Versickerungsmulden im Wald sind 3000 Euro vorgesehen. Sie helfen dabei, Niederschlagswasser im Wald zurückzuhalten und den Abfluss bei Starkregen zu verzögern. Ziel der Eppsteiner Waldbewirtschaftung sei ein Ausgleich zwischen ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt zum Forstwirtschaftsplan 2027. Umso erfreulicher sei aus ihrer Sicht, dass dabei ein kleiner Überschuss erwirtschaftet werde. Als Zielsetzung formuliert der Plan, der Stadtwald solle auch bei sich veränderndem Klima mittelfristig klimastabil und zukunftsfähig bleiben. bpa

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