Areal an der Embsmühle – Gespräche mit Vereinen

Eine von mehreren Studien zur Neubebauung des Areals An der Embsmühle mit Sportfläche (4864 Quadratmeter), Flächen für Wohnen (4620), Kinderbetreuung (3648) und Kommunaler Wohnungsbau (2452). Die dichte Bebauung stößt bei einigen Anwohnern und Vereinsmitgliedern auf Kritik. Plan Stadt Eppstein

Unbestritten braucht die Stadt einen neuen Kindergarten mit Platz für mindestens 100 Kinder. Einig waren sich die Stadtverordneten auch über den Standort „An der Embsmühle“.

Die Stadt wurde außerdem beauftragt, Gespräche mit dem Vereinsring und den betroffenen Vereinen zu führen, deren Nutzungsverträge für ihre Sportanlagen noch bis Ende 2022 laufen. Insbesondere die Sportfreunde sollen bereits vor Ablauf dieses Vertrags auf einen etwa acht Meter breiten Streifen ihres Sportplatzes verzichten, damit die Stadt Platz für Kita, Freigelände und Zufahrt erhält.

„Minimallösung für Vereine, maximale für Wohnungsbau“

Die Verhandlungen, so viel war bislang bekannt, sollten zu einer „zukunftsorientierten Gesamtkonzeption“ für das Gelände führen. Vorige Woche veröffentlichte die Eppsteiner Zeitung drei Entwürfe, die einigen Anliegern, wie berichtet, „auf anonymem Wege“ zugespielt worden waren und die sie für so brisant hielten, dass sie sie nicht nur an uns, sondern auch zusammen mit einem offenen Brief an die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung schickten, um ihre Bedenken gegen die „veränderte Nutzung des Sportplatzes“ und die „deutlich über den Kindergartenbau hinausgehende Bebauungsplanung für das gesamte Sportplatzareal“ anzumelden.

Von einem Bebauungsplan sei noch lange keine Rede, bislang gehe es „um die Erarbeitung eines Entwurfs für ein Rahmenkonzept“, sagte Simon und legte in der Stadtverordnetenversammlung am vorigen Donnerstag die neuesten Ideen vor, zwei Vorschläge mit leichten Abweichungen zu den in der vorigen Woche in der EZ veröffentlichten Plänen. Sie seien als Diskussionsgrundlage gedacht, so Simon, denn es gebe weiteren Gesprächsbedarf mit den Vereinen. Wegen der Corona-Pandemie fanden die Gespräche bisher digital statt. Jetzt sei es wichtig, die Gespräche mit den gesamten Vorständen und den Vereinsmitgliedern zu suchen.

Die Einigung mit den beiden Vertragspartnern ist wiederum wichtig, damit die Stadt den Kindergartenneubau zügig voranbringen kann. Gespräche mit den Anwohnern seien ebenfalls vorgesehen, sagte Simon: „Bis zur baureifen Planung ist noch ein weiter Weg.“ So bringt die FWG beispielsweise eine weitere Idee ins Spiel: Sie würde die Kita gern so bauen, dass sie an die benachbarte Feuerwehr angrenzt und die Kinder deren Freifläche tagsüber mitnutzen könnten.

Simon machte vor der Stadtverordnetenversammlung deutlich, dass der Stadt daran gelegen sei, in Vockenhausen ein Areal für „nachhaltigen und multifunktionalen Sportbetrieb“ An der Embsmühle zu erhalten – und neu zu gestalten.

Die beiden jetzt vorgelegten Vorschläge sehen ein kompaktes, rund 5000 Quadratmeter großes Areal für Sportanlagen vor, allerdings müssten beide Vereine, die Sportfreunde Vockenhausen und der TSV, auf einen großen Teil ihres noch bis Ende 2022 vertraglich zugesicherten Geländes verzichten: Die Sportfreunde erhielten anstelle ihres rund 60 mal 100 Meter großen Hartplatzes ein knapp halb so großes Kunstrasenspielfeld, das deutlich unter der Normgröße eines Fußballplatzes bliebe.

„Wichtig ist nicht nur für die Sportfreunde, sondern für ganz Vockenhausen, dass dort langfristig eine Sportanlage erhalten bleibt“, sagt Sportfreunde-Chef Stefan Bauer und ist durchaus zu Kompromissen bereit, solange die Vereine mitgestalten dürfen. Denn die Alternative für die rund 30 aktiven Mitglieder seines Vereins sehen nicht rosig aus: „Schon jetzt verbringen wir unglaublich viel Zeit damit, den Platz instandzuhalten“, sagt Bauer. Geld für eine umfassende Sanierung des desolaten Hartplatzes haben weder die Stadt noch der Verein. Bauer will vor allem für die letzte verbliebene Mannschaft, der Soma, die Möglichkeit erhalten, sich dort weiterhin zum Training und – möglicherweise künftig zu Kleinfeld-Turnieren – zu treffen.

Ein neuer Multifunktionsplatz biete auch Möglichkeiten für die Jugendarbeit und für andere Vereine, sieht Bauer durchaus Chancen. Ebenfalls wichtig ist den Fußballern, dass sie ein Vereinsheim mit einer Freifläche für die Treffen nach dem Training erhalten.

Der TSV, mit 540 Mitgliedern Vockenhausens größter Verein, müsste den Plänen nach ebenfalls einen Großteil seiner Fläche abgeben. Dass der Tennisplatz deshalb zugunsten einer Boulebahn aufgegeben werden muss, ist einer der strittigen Punkte im Verein, die, so Strahlendorf, „im persönlichen Gespräch geklärt werden müssten.“

Mit den elektronischen Medien seien nicht alle Vorstandsmitglieder und Abteilungsleiter zu erreichen und eine lebhafte Diskussion kaum zu führen, sagt Strahlendorf. Der Verein habe aber zumindest erreicht, dass die Baumreihe, die den Platz und das Vereinshaus bislang sowohl vor der Sonne als auch vor neugierigen Blicken schützt, Bestandsschutz erhält. Für die Pläne der Stadt spreche, dass der TSV mit einem Multifunktionsplatz Neues anbieten könnte, zum Beispiel für die Kinder der benachbarten Kita. Die Stadt biete außerdem einen unbefristeten Nutzungsvertrag an – „das bedeutet Sicherheit für unsere Entwicklung dort vor Ort“, weiß Strahlendorf das Angebot zu schätzen.

Dennoch hört er auch die kritischen Stimmen im Verein und hat selbst einige Zweifel: Das rund 1500 Quadratmeter große TSV-Gelände, das jetzt trotz der hohen Baumeinfassung großzügig und weitläufig wirkt, und das einige Mitglieder begrünen wollten, schrumpfe auf 415 Quadratmeter rein funktionale Fläche – der Rest werde zugepflastert. „Warum muss dort alles so eng bebaut werden?“, greift Strahlendorf auch Bedenken der Anwohner auf.

Einige TSV-Mitglieder, so Strahlendorf, stellen beispielsweise die zentrale Fläche für kommunalen Wohnungsbau in Frage, andere schlagen vor, weniger Doppelhäuser zu planen und stattdessen auf dem jetzigen TSV-Gelände Richtung Bach und Überschwemmungsgebiet eine großzügige Freifläche vorzusehen.

Die derzeitige Planung bezeichnet Strahlendorf als „Minimallösung für die Vereine und maximale für Wohnbebauung“. „Nicht als Vereinsvorsitzender, sondern als Vockenhäuser Bürger wünsche ich mir eine größere Freifläche, entweder als Wiese oder kleiner Park“, führt Strahlendorf aus.

Eine spätere Nutzung mit einer Halfpipe oder als Seniorenparcours, mit Insektenhotel oder als Spielwiese müsse jetzt noch gar nicht festgeschrieben werden. „Wichtig wäre, dass nicht die ganze Fläche zugebaut wird“, greift Strahlendorf Anregungen aus dem Verein auf, „sondern ein wenig mehr Raum für die Allgemeinheit vorgesehen wird.“ bpa

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