Operette voller Poesie und Lebenslust verzaubert Burg Eppstein

In voller Besetzung im „Maxim’s“ geht es schwungvoll in die Schlussszene der „Lustigen Witwe“.

Eigentlich lässt man Frauen nicht warten. Dennoch musste „Die Lustige Witwe“ zweimal pandemiebedingt pausieren. Nun hat es geklappt. Am vergangenen Freitag reiste sie samt Ensemble zu den Burgfestspielen und eroberte die Herzen im Sturm.

Opera Classica Europa, unter der Leitung von Michael Vaccaro, präsentierte die wohl bekannteste Operette von Franz Lehár, uraufgeführt am 30. Dezember 1905 in Wien.

Die Herren umschwärmen das Geld der reichen, verwitweten Hanna Glawari (Miriam Kurrle). Lebemann Danilo (Peter Paul) liebt Hanna, befürchtet aber, sie denke, er liebe nur ihre Finanzlage. Auf einem Ball verdächtigt Baron Zeta (Juri Batukov) seine Frau Valencienne (Elena Patsalidou), ein Verhältnis mit dem jungen Camille (Gaston Efficace) zu haben. Das ist auch nicht ganz falsch und deshalb heikel.

Hanna lenkt den Verdacht auf sich. Das echauffiert Danilo. Für zusätzlichen Trubel sorgen die Grisetten (Judith Homfeldt, Angelina Krauß, Nina Messerschmidt & Samira Schubert, Academy of Stage Arts) aus Danilos geliebtem „Maxim’s“ und der charismatisch agile Gesandtschaftskanzlist Njegus (Christoph Hebeisen).

Die Burgbühne ist geschmückt mit Blumenbouquets, Salonstühlen und einem samtgrünen Kanapee. Auf der Seitenbühne musiziert unter der Leitung von Professor Hans-Friedrich Härle das Orchester Virtuosi Brunenses aus Brünn/Tschechien mit ungeahnter Klangfülle und erfrischenden Tempi.

Die ersten Takte des Operettenauftaktes kitzeln die Ohren. Die Chorsängerinnen (Internationale Opernakademie der L’Opera Piccola), Chorsänger (Opernchormitglieder Nationaltheater Mannheim), unter ihnen auch Vicomte Cascada (Philip Dennis Modinos), bevölkern die Bühne. Juri Batukov als Baron Zeta ist mit seiner imposanten Erscheinung und seinem tiefen Bariton das Machtzentrum der Gesellschaft. Es entspinnt sich eine Handlung voller Poesie, getragen von den Melodien Lehárs.

„Bitte, meine Herren“, strahlt Miriam Kurrles lyrischer Sopran charmant. Im beigen Kleid mit schwarz abgesetzter Spitze, schwarzgefiederter Boa und einem Hut aus weißer Spitze reißt sie als Hanna selbstbewusst den Diplomatenball an sich. Macht damit der bewegungsfreudigen Männerschar klar, dass sie mit Feuer spielen, es schüren und mit einem Lächeln wieder löschen kann.

Peter Paul brilliert in seinem angeheiterten Auftritt „O Vaterland…“ und lotet den Spagat zwischen Alkoholrausch und Lebenstrunkenheit genussvoll aus. Sein tenoraler Bariton ist von schlanker Schönheit und dramatischer Kraft, von einer Zärtlichkeit, als würde er die Töne küssen. Als ihn zu viel Promille aufs Kanapee werfen, schnarcht er rhythmisch Stakkato. In dieser Inszenierung von Paul Votruba sind neben den eindringlichen Gesangsnummern die tänzerischen Augenblicke von bestechendem Zauber. Dabei ist Hannas und Danilos Walzer zu nennen, ein berührendes Beispiel dafür, was man alles zwischen den Zeilen lesen kann, wenn Blicke wirken oder Hannas Hand Danilos Schulter berührt. Dieser liegt in ihren Armen, saugt jede ihrer Bewegungen ein, sie scheint zu führen, er erliegt, ein reizvolles Wechselspiel.

Beim Vilja-Lied nach der ersten Pause bezaubert das Ensemble blumengeschmückt mit volksliedhafter Leichtigkeit und tiefempfundener Sehnsucht. Miriam Kurrles perlende Töne, die Chorstimme als warmer Klangteppich, so blüht der Schlusston in den Nachthimmel – jubelnder Applaus.

Batukov, Paul, Modinos und Hebeisen beweisen im Quartett „Das Studium der Weiber ist schwer“, von enthusiastischem Klatschen begleitet, ihre komödiantische Seite.

Elena Patsalidous Sopran vereint sich stimmlich mit dem kraftvoll italienischen Tenorschmelz Gaston Efficaces’s im Duett „Wie eine Rosenknospe“. Beider Stimmen verweben sich, zaubern dem Publikum ein schwärmerisches Lächeln ins Gesicht.

Miriam Kurrles und Peter Pauls „Lippen schweigen“ belässt die Eppsteiner in einem stillen Glück. Das Schlussbild gerät zu einem üppigen Melodiebogen samt buntem Tanzgewimmel. Langer Applaus, das Festspielpublikum möchte die Künstlerschar mit ihren Melodien gar nicht gehen lassen. So tanzen die Grisetten erneut, diesmal untergehakt und Michael Vaccaro, dessen Beine in ungeahnte Höhen schwingen, tanzt mit. Die unbändige Lebenslust der Operette hat alle ergriffen.

Nach Aufführungsende belagern Niederjosbacher Fans den Prinzipal mit der Frage, worauf sie sich als Nächstes freuen können. „La Bohème“, antwortet Vaccaro glücklich. Viele Gäste bleiben länger und genießen die hochmotivierte, freundlich versierte Bewirtung der Burgschauspieler und des Burgvereins. In so manche Brezel wird gebissen, in schmackhafte Dips gedippt, mit erlesenen Weinen angestoßen oder ein kühles Bier geöffnet.

Und wer nach Mitternacht über den Marktplatz spazierte, wunderte sich, denn aus der Juchhee erklangen das „Brindisi“ und „La donna e mobile“, meisterhaft im Duett gesungen von Elena Patsalidou und Gaston Efficace als Geburtstagsständchen für einen Burgschauspieler, der dieses Jahr schon selbst im „Geheimnis der drei Tenöre“ Erfahrungen mit hohen C’s sammelte…uki

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