Malerin Laura Arca sagt von sich: „Ich bin von der Kunst infiziert“

El Zapato“ – Vorhang auf für einen hochhackiger Pumps.

Farbenfroh, intensiv und kraftvoll sind die Bilder der aus Argentinien stammenden Künstlerin Laura Arca.

Rote Lippen, lila Klatschmohn, ein Tango tanzendes Paar, drei Grazien, deren schlanke, orangefarbene Silhouetten einen intensiv gelben Hintergrund zerschneiden, sind Motive ihrer Pop Art-Phase, abstrakte Gemälde oder Collagen mit einzelnen Objekten, die sie in Szene setzt, sind Ergebnisse ihrer jüngsten künstlerischen Phasen, wie die „Corsage Noir“, ein Experiment mit Korsage und Strumpfbändern auf sanften Farbwolken, oder „El Zapato“, das einen hochhackigen Pumps in dramatischem Auftritt mit gerafftem Theatervorhang auf offener Bühne zeigt.

Die durch die Pandemie erzwungene Ruhe habe sie in Kreativität umgewandelt, sagt Arca im Eppsteiner Wohnhaus, das sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Martin Dürrich bewohnt. „Ich hatte ja viel Zeit zum Arbeiten und zum Nachdenken“, sagt die 54-jährige Argentinierin, die seit 1990 in Deutschland lebt und erst seit etwa zehn Jahren malt. Zum Malen zieht sie sich in ihr Atelier in Offenbach-Bürgel zurück. „Wenn ich mit Farbe arbeite, brauche ich Platz und muss auch mal etwas rumliegen lassen“, sagt die Künstlerin, deren Mutter aus Argentinien und deren Vater aus Italien stammt.

Einige ihrer Bilder können die Eppsteiner auf Arcas Internetseite la-artelatino.de und seit neuestem auch im Burg-Café bewundern, denn Kunst, so Arca, muss unter die Menschen, damit sie für jeden erreichbar ist. Weil der Platz im Burg-Café begrenzt ist, wechselt sie die Werke regelmäßig aus: Mal blickt der Betrachter auf Schattierungen in Grün, die die Künstlerin „Verdillo“ nennt oder in das „Continente“ genannte Farbspiel mit feuerroten Rändern und kühlen, blauweißen, craquelierten Flächen, die ans Eismeer erinnern.

Beim Kauf von Brot oder Brötchen blickt den Kunden ein Hund mit einem schwarzen und einem weißen Ohr über die Schultern. Ihre Tierbilder bezeichnet Arca als „Das Kind in uns“ und zeigt darin leicht verfremdete oder karikierte Tiere wie „Ranocchio“, den Frosch, in vielen Verkleidungen, das Zwitterwesen „Kuhraffe“ oder einen lächelnden Hund mit lilafarbener Schnauze.

1990 kam die argentinische Medizinstudentin eigentlich nur für drei Monate nach Deutschland und blieb dann der Liebe wegen. Da ihr Medizinstudium in Deutschland nicht anerkannt wurde, arbeitete Arca zunächst als medizinische Fachangestellte in Kliniken und in einer Arztpraxis sowie als Reiseverkehrskauffrau und ist bis heute Sprachtrainerin bei einer Fremdsprachenschule. 2009 lernte sie den Eppsteiner Martin Dürrich kennen, durch den sie in die Burgstadt gelangte – und kam nach einem Unfall 2011 über Umwege zur Kunst.

„Die Kollegen schickten mich in der Reha zum Malkurs, um mich vom Klinikalltag abzulenken“, erinnert sie sich und erlebte gleich die erste Malstunde als Offenbarung. „Die Kunstpädagogin gab mir einen Klecks Farbe direkt auf die Handfläche. Seitdem bin ich von der Kunst infiziert“, sagt Arca lachend. Es folgten Malkurse bei unterschiedlichen Künstlern und an der Frankfurter Malakademie, „bis ich irgendwann meinen eigenen Stil gefunden hatte“, sagt Arca.

Ihre erste Ausstellung hatte sie im Dezember 2012 in Eppstein. Während des Weihnachtsmarktes nahmen viele Besucher die Gelegenheit wahr zu einem Abstecher in den Ausstellungsraum. Damals habe sie ihr erstes Bild verkauft, erinnert sich Arca. Es folgten Ausstellungen in Firmenräumen, Hotels und Galerien, Teilnahme an Kunsthandwerkermärkten, internationalen Kunstwettbewerben wie den Art Contest in Brooklyn oder „The World of Art Award“. Nebenbei entwirft Laura Arca auch eigenwillige und individuelle Taschen-Unikate und Deko-Artikel.

2018 erhielt die Künstlerin die Zertifizierung des International Institute for Artist, es folgten Kunstmessen in Udine und Budapest. Danach erhielt sie eine Anfrage nach der anderen: Im vorigen Jahr nahm sie an Ausstellungen im Museo Luigi Bellini in Florenz und im Rotlint Café in Frankfurt teil und hat in diesem Jahr Werke in der Paks Gallery in Wien und München und im Herbst im Carrousel du Louvre in Paris. In wenigen Tage ist eines ihrer Bilder in der Galerie Borgo im Museum Crocetti in Rom zu sehen.

Sie könne es immer noch nicht ganz fassen, wie sehr die Nachfrage zu ihren Bildern in den vergangenen zwei Jahren gestiegen sei, sagt die Künstlerin, bei Galerien ebenso wie bei Privatpersonen. „Viele Menschen haben im vergangenen Jahr in Kunst investiert – oder einfach nur ihr Heim verschönert, weil sie so viel zu Hause waren“, hat Martin Dürrich beobachtet. Von diesem Trend hat die Künstlerin definitiv profitiert und freut sich, dass ihre farbenfrohen, mit leichter Hand gemalten Arbeiten so gut gefallen. „Kunst verbindet“, ist sie überzeugt und hofft, dass sich ihre Bilder einmal so gut verkaufen, „dass ich mit dem Erlös etwas Gutes tun kann.“

Sie beobachte oft, „dass die Menschen meine Bilder mit einem Strahlen im Gesicht betrachten und, dass das Lächeln verblasst, wenn sie dann den Preis sehen“, sagt die Künstlerin. Deshalb wünsche sie sich, dass Kunst für jeden erreichbar ist und nutze gern die Gelegenheit, in Praxen und Geschäftsräumen auszustellen. bpa

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