Märchenfee Sonja von Saldern hat ihr erstes Buch geschrieben

Sonja von Saldern stellte ihren Debutroman auf dem Wochenmarkt vor.Foto: Schuchard-Palmert

Als Märchenfee kennen die Kinder in der Kita Niederjosbach ihre Erzieherin Sonja von Saldern. Dort tritt sie hin und wieder in langer Samtrobe mit Trompetenärmeln als Märchenfee auf. Auch auf und vor der Burg hat sie zusammen mit Museumsleiterin Monika Rohde-Reith Märchenführungen angeboten.

„Allerdings konnten wir bis jetzt nicht so richtig durchstarten, weil entweder Corona oder Burgschließung es verhinderten“, sagt von Saldern, hinzu kam eine Verletzung, die sie in den vergangenen Monaten einschränkte. Nun freue sie sich umso mehr auf die Märchenführungen während der Sommerferien: Jeweils dienstags, 16. und 23. August, und mittwochs, 17. und 24. August, erzählt sie den Kindern vom Fluch der „singenden Rose“ und so ganz nebenbei, was die Rose als Heilpflanze vermag und warum sie beliebtes Motiv für Wappen ist.

Außerdem hat von Saldern gerade ihr erstes Buch geschrieben, das sie am Freitag auf einem Bücherstand beim Wochenmarkt vorstellte. Zusammen mit ihrem Verleger und Autor Stefan Katgeli und Freundin und Autorin Sabrina Reulecke, alias Brina Stein, stellten die drei ihre Neuerscheinungen vor. Katgeli schreibt Fantasy-Romane. Brina Stein hatte ihre beiden Eppstein-Krimis im Gepäck.

In „Gemeinsam gegen Einsam“ schreibt Sonja von Saldern, wie sich zwei ältere Männer auf einer Busfahrt kennenlernen und eine Freundschaft fürs Leben daraus entsteht. Die beiden Hauptfiguren „Gunther und Siegfried“ erfand sie vor einigen Jahren für eine Kurzgeschichte über „Wein, Weiber und Wagner“, die sie bei einer Lesung in der Weinpresse im Verlagshaus der Eppsteiner Zeitung vorstellte. „Die Zuhörer waren von den beiden Figuren so angetan, dass ich zunächst weitere Kurzgeschichten über die beiden Wagner-Opern-Fans schrieb“, erinnert sich von Saldern.

Schließlich habe Katgeli sie überzeugt, einen Roman über die beiden zu schreiben und in seinem Tuschel-Verlag herauszugeben. „Amüsant und mit einem Quäntchen Tiefgang“ beschreibt sie selbst das Ergebnis. Die beiden Senioren behaupten sich nicht nur als einzige Männer in einer Reisegruppe mit lauter älteren Damen, sondern gründen einen gemeinsamen Seniorenhaushalt in Oberursel. Dabei sind beide alles andere als fit: Siegfried, der ehemalige Steuerberater mit einigen dunklen Flecken in seiner Karriere, leidet an Alzheimer, Gunther, der Goldschmiedemeister, an Parkinson. Sie wollen sich gegenseitig unterstützen und vor allem nicht mehr einsam sein. Von Saldern schildert in ihrem Buch erfrischend, wie die beiden Senioren sich zu helfen wissen: mit Plastikgläsern, Strohhalm und Erinnerungszetteln. Befremdlich sind allenfalls einige echte Produktplatzierungen und Verballhornungen von Marken- und Firmennamen im Buch.

Von Saldern will mit ihrem Buch zeigen, wie wichtig Freundschaft ist und, dass Alter und Krankheit nicht das Ende sein müssen, „vor allem kein Grund, nicht mehr aus dem Haus zu gehen und sich von allem zurückzuziehen“, sagt von Saldern. Es muss ja nicht gleich Estland sein, wohin es das ungleiche Duo im Roman verschlägt.

Ihren Beruf als Erzieherin hat Sonja von Saldern erst im Alter von 47 Jahren erlernt. Vorher arbeitete sie als Journalistin für verschiedene Zeitungen in der Region und für Presseagenturen. Aufgewachsen ist sie in einer Region, die auch für ihre Sagen und Legenden bekannt ist: In einem 164-Seelen-Dorf bei Ulm, was ihr leicht schwäbischer Zungenschlag bis heute nicht verleugnen kann – „und auch nicht soll“, sagt sie.

Nach dem Abitur arbeitete sie ein Jahr am Ulmer Theater als Regie-Assistentin – eine Zeit, die sie sehr geprägt habe: „Ich habe die Wirkung von angewandter Sprache unmittelbar erlebt“, sagt sie. Anschließend studierte sie Amerikanistik, Anglistik und Medienwissenschaften. Nach dem Magisterabschluss arbeitete sie viele Jahre als freie Journalistin, auch noch nach der Geburt ihrer Tochter 1997. Ihre Erzieherausbildung machte sie, um mehr Zeit für die Familie zu haben und, „weil Kindergärten wichtige Bildungseinrichtungen sind“.

Märchen spielen aus ihrer Sicht eine große Rolle in der Kindheit. Dabei will sie als Märchenfee mehr als nur die Geschichte vermitteln: „Märchen haben eigentlich immer einen historischen Hintergrund und eine pädagogische Botschaft“, sagt sie.

Mit Geschichte hat auch ihr zweiter Job bei der Stadt zu tun. „Nach dem Wechsel der Trägerschaft der Schulbetreuung von der Stadt zum Kreis, wollte ich etwas Neues ausprobieren“, sagt sie. Damals wurde gerade eine Teilzeitstelle im Stadtarchiv frei und sie bewarb sich dafür. Seitdem sortiert, reinigt, sichert und katalogisiert sie alte Dokumente – und findet den Job „absolut spannend“.

Viele Unterlagen stammen aus der Zeit kurz nach dem Krieg: „Da gibt es Informationen über die Unterbringung der vielen Flüchtlinge und Vertriebenen“, sagt sie, „allein die Zahl der Menschen, die damals in einem einzigen Haus untergebracht waren, verrät viel über die Zeit“, ebenso die Unterlagen über die Berufe: „Es gab in jedem der heutigen Stadtteile Bäcker, Metzger, Schreiner, Schneider, Schuster, Dachdecker und Schreiner. Keiner musste den Ort verlassen, um das Lebensnotwendigste zu bekommen.“ Sogar Stoff für eine Geschichte hat von Saldern im Archiv entdeckt: „Das Gespenst mit den Kettensäckchen“, das sie 2017 für den Vorlesetag geschrieben hat, beruht auf einer historischen Begebenheit, die sie im Stadtarchiv entdeckt hat. bpa

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