Kunstaktionen für den Tunnel und zur Rettung der Eiche

Baumkunst – eine Idee für die alte Eiche im Königsbachtal.

Foto-Bearbeitung: Bernd van Krüchten

Kunst im öffentlichen Raum – das ist angesichts knapper Kassen in Eppstein eher ein seltener Luxus. Kunstfreunde denken dabei an das alle drei Jahre stattfindende Holzbildhauersymposium und den Skulpturenweg in Bremthal. Coronabedingt wurde das Symposium auf den Herbst 2021 verschoben.

Die Vorbereitungen laufen bereits.

Wandmalerei mit Dampflok

Unabhängig davon gibt es zurzeit gleich drei weitere künstlerische Initiativen: Am weitesten gediehen ist eine Idee von Beatrix Hefter. Die Arzthelferin aus Vockenhausen passiert bei ihren täglichen Spaziergängen mit ihrem Hund fast immer den Eppsteiner Bahnhofsvorplatz. Und fast täglich ärgert sie sich über die plumpen Graffiti-Schmierereien am historischen Tunneleingang. Er gehört mit seinem Sandsteingewände zum denkmalgeschützten Teil des Bahnhofs. Deshalb hat sie sich mit ihrer Idee für ein Tunnelkunstwerk durch die Instanzen gekämpft und von der Bahn tatsächlich innerhalb kürzester Zeit das Okay erhalten, den Tunneleingang zu verschönern.

„Von meiner Idee, dort eine historische Dampflok mit qualmendem Schornstein in Originalgröße abzubilden, waren die Bahn, aber auch die Künstler begeistert“, so Hefter. Eigentlich sollte das Graffiti-Projekt schon Ende Main beginnen. Doch dann verschoben die Sprayer den Termin, mal war es zu regnerisch, dann kam ein anderes Projekt dazwischen. Sie hofft, dass das Gerüst im Juni gestellt wird und die Künstler dann zügig arbeiten können. Für die Arbeiten hat sie das Naxos Atelier im Jugendladen Bornheim gewonnen und als Sponsor für Material und diverse Nebenkosten die Eppsteiner Bürgerstiftung.

Die Bahn habe ihre Eigeninitiative als Privatperson gewürdigt und im Vertrag auf die Genehmigungskosten in Höhe von 2000 Euro verzichtet, freut sich Hefter und wertet das als Anerkennung ihrer Initiative. Sobald das Motiv erkennbar wird, will sie eine Spendenaktion für das Honorar der Künstler starten.

Bergmann-Michel-Gedenkstätte

Auf Sponsoren baut auch die Stadt bei ihrem nun schon seit rund drei Jahren währenden Projekt, eine Gedenkstätte für das Vockenhäuser Künstler-Ehepaar Robert Michel und Ella Bergmann-Michel zu schaffen.

Ins Rollen kam die Aktion, als die Stadt das Grab des Künstlerpaares nach Ablauf der Liegezeit 2017 abräumen ließ. Die Familie wollte die Laufzeit auf dem Friedhof Vockenhausen nicht verlängern und auch die Stadt wollte Pflege und Instandhaltung für ein Ehrengrab nicht übernehmen. Entdeckt wurde das abgeräumte Grab schließlich von einem französischen Kunsthistoriker, der damals im Zusammenhang mit einer Ausstellung in Paris an einer Biografie über die Michels arbeitete (wir berichteten). Die Räumung des Grabes wurde heftig kritisiert.

Als Grund gab der Magistrat damals an, er wolle keine Präzedenzfälle schaffen – dabei gibt es die längst. Das Grab des ersten Burg-Architekten Franz Burkhard auf dem Friedhof in Eppstein beispielsweise wurde gerade erst vor wenigen Wochen von den städtischen Gärtnern mit Sommerblumen bepflanzt. Eine Tafel auf dem Grab weist auf seine Verdienste für die Stadt hin. Aus dem damaligen Fauxpas sei inzwischen ein respektables Erinnerungsprojekt entstanden, verriet Erste Stadträtin Sabine Bergold nun auf Anfrage. Eigentlich sollte die Gedenkstätte am Friedhof im August 2021 eingeweiht werden, gleichzeitig mit einem weiteren Projekt in Vockenhausen zur Erinnerung an das Künstler-Paar.

Für die Bergmann-Michel-Gedenkstätte gebe es einen namhaften Sponsor, verriet Bergold, dennoch hänge der Termin der Eröffnung davon ab, wann der städtische Haushalt vom Main-Taunus-Kreis genehmigt werde, denn die Stadt müsse für einen Teil der Kosten aufkommen. Bergold geht davon aus, dass der Termin verschoben werden muss, hofft aber, „dass wir noch im Herbst dazu einladen können“.

Eiche in Blau als Kunstobjekt

In Bremthal wandte sich Bernd van Krüchten erst vor wenigen Tagen mit einer Idee an den Bürgermeister: Er möchte die alte Eiche am Königsbachtal in ein Kunstwerk verwandeln: Das Naturdenkmal hat die Trockenperioden der vergangenen Jahre nicht überlebt und streckt die – aus Sicherheitsgründen – gekappten Äste ihrer einst prächtigen Krone nackt und kahl der Sonne entgegen. Van Krüchten befürchtet nun, die Eiche könnte der Motorsäge zum Opfer fallen und schlägt deshalb vor, dem Baum-Monument ein neues Gesicht zu geben. Ein befreundeter Künstler habe ihn auf die Idee gebracht. Der strich einen abgestorbenen Apfelbaum in seinem Garten komplett mit blauer Farbe an. Die Baumruine, so van Krüchten, habe durch den blauen Anstrich ein völlig neues Eigenleben erhalten.

Der Bremthaler könnte sich auch eine inhaltliche Verbindung zum Holzbildhauersymposium vorstellen. „Das wäre aufsehenerregend“, findet van Krüchten, „und allemal besser, als den Baum irgendwann umzulegen“. Die Farbe Blau gefalle ihm, weil sie einerseits einen Kontrast zu den dominierenden Grün- und Brauntönen der Natur darstelle, andererseits für den „blauen Planeten“, für die Farbe des Himmels und zahlreicher Blüten stehe. Der blaue Baum, glaubt van Krüchten, würde sich von seiner Umgebung kontrastreich abheben, würde Betrachter verblüffen, lächeln lassen, nachdenklich stimmen oder sogar Protest und Unverständnis auslösen. Durch die Farb-Performance bekäme der Baum ein Stück seiner Würde zurück, die er, so der Bremthaler, „gefällt und recycelt nicht mehr erlangen könnte“.

Bürgermeister Alexander Simon nahm die Idee mit Wohlwollen auf und wies sofort darauf hin, dass die städtischen Motorsägen dort wohl nicht so schnell zum Einsatz kämen, zumal die Eiche, auch wenn sie abgestorben ist, immer noch als Naturdenkmal eingetragen sei. Zuständig dafür ist die Untere Naturschutzbehörde beim Main-Taunus-Kreis.

Van Krüchten nahm inzwischen Kontakt mit der Kreisbehörde auf. Dort sei man der Ansicht, dass der Eiche eigentlich der Status „Naturdenkmal“ aberkannt werden müsste, berichtete van Krüchten. Das wiederum bedeute, dass der abgestorbene Baum gefällt werden müsse – falls eine Gefährdung von dem Totholz ausgehe. Van Krüchten erfuhr auch, dass im Juni die turnusgemäße Begutachtung durch einen Baumgutachter anstehe, der könnte auf Wunsch die Idee einer künstlerischen Performance mit einbeziehen.

Im Falle einer Entwidmung und künstlerischer Performance wäre die Stadt künftig für den Baum zuständig. In jedem Falle, so van Krüchten, wäre es wichtig, die Standfestigkeit des Baumes zu sichern, damit er noch viele Jahre stehen bleiben kann.bpa

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