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Fünf Musiker von Welt spielten sich in die Herzen der Eppsteiner

Es ist ein Stück exquisiter Lebensqualität, wenn man an einem lauen Sommerabend in romantischem Ambiente, mit einem Glas Wein, Sekt oder Äppler in der Hand Weltklassemusik hören darf.

176 Genießer und Kenner von Harmonic Brass lauschten vergangenen Samstag dem Konzert der Blechblasmusiker auf Burg Eppstein. „Es sind genau die richtigen Leute hier“, wertschätzte Posaunist Thomas Lux das Publikum. Er kann es beurteilen, denn er tourt zusammen mit Manfred Häberlein (Tuba), Hans Zellner (Trompete), Andreas Binder (Horn) und Elisabeth Fessler (Trompete) durch die Welt. Das Quintett absolviert rund 120 Konzerte pro Jahr und zählt renommierte Konzerthallen wie das Arts Center in Seoul, die Endler Hall in Kapstadt oder das Gewandhaus zu Leipzig zu seinen Auftrittsorten. In Eppstein sprang der Funke über, entfachte zwischen Harmonic Brass und ihrem Publikum geradezu einen Funkenflug gegenseitiger guter Laune und Spaß. „Es war für uns der Ritterschlag, als wir in die Carnegie Hall in New York eingeladen wurden“, verriet Posaunist Thomas Lux und schlug damit den Bogen zu Burg Eppstein, dem ebenfalls ehrwürdigen „Konzertsaal“ von Ritter Eppo.

Das Münchner Quintett zeigte, welch großartige Musik sich mit Blechblasinstrumenten abseits von Festzeltmusik erzeugen lässt. Ihr Repertoire ist schier grenzenlos und reichte in Eppstein von Klassik bis Swing. Trompeter Hans Zellner verwandelt als Komponist und Arrangeur klassische Partituren in Arrangements für Blechblasinstrumente. Als die ersten Noten erklangen, konnten die Besucher spüren und hören, warum alle fünf Musiker ihr Studium mit Bestnoten abgeschlossen haben. Harmonic Brass sind echte Entertainer, die mehr als Musik im Gepäck haben. Sie entfalteten auf der Bühne einen mitreißenden Dialog aus Musik vom Feinsten, Mimik und hinreißender Gestik. Die Zuhörer erlebten das Ergebnis professioneller Koordination von kontinuierlichem Luftstrom, Lippenmuskulatur und tontrennender Zunge und ließen sich von der Leichtigkeit und Virtuosität darüber täuschen, wie komplex und schwierig diese anspruchsvollen Instrumente tatsächlich sind. Die vier Herren mit Dame hatten ihre „Playlist“ als Programm mitgebracht. „Eine Playlist enthält Werke, die man mag, Lieder, zu denen man gelacht, geweint, geliebt oder gelitten hat“, erklärte Andreas Binder, Hornist des Ensembles und Moderator des Abends. Die Ideen zu den Programmtiteln und der Ausgestaltung des Rahmenprogramms kommen der Truppe bei ihren gemeinsamen Tourneen. Danach lasse Andreas Binder seiner Phantasie freien Lauf, erklärte Thomas Lux.

Auf der Playlist ihres gemeinsamen Lebens stände ganz oben das Rondeau von Jean Joseph Mouret (1682-1738). Mit diesem Stück sei man seinerzeit in die Carnegie Hall eingezogen, verriet Binder und so schritten die Musiker auch in die „Eppo-Hall“ von Eppstein ein. Dann verlas Binder die „Briefe seiner Kollegen“ und stellte sie damit gleichzeitig vor. Trompeterin Elisabeth Fessler hatte an das „liebe Mozartle“ geschrieben und ihm für die „total krasse Zauberflöte“ gedankt. Auf ihrer Trompete intonierte sie die Arie der Königin der Nacht, mit viel Herz und Gefühl in der Interpretation. Musik sei ein Quell der Freude und verantwortlich dafür, dass er mit seinen Kollegen so manch wunderbare Reise erlebt und interessante Menschen getroffen habe. Darauf müsse man anstoßen, fand Binder die Überleitung zu Mozarts Champagner Arie aus Don Giovanni.

Jeder der fünf Musiker hatte seinen Solopart und konnte an dem frenetischen Applaus ersehen, dass er sich in die Herzen der Zuhörer gespielt hatte. Aus den Trompeten, Hörnern, Tuben und der Posaune perlten, purzelten und hüpften spritzige Tonfolgen, mal fröhlich, mal seufzend, aber immer präzise mit viel Herz und Witz gespielt.

Neben den zahlreichen Konzerten gibt das Münchner Quintett als Dozententeam in Workshops seine Erfahrung weiter. Für das Goethe-Institut ist Harmonic Brass seit dem Jahr 2000 kultureller Botschafter in aller Welt. Besonders liegt dem Quintett ihr Brass Projekt South Africa am Herzen, bei dem sozial benachteiligte Kinder in Südafrika mit Blechblasinstrumenten versorgt werden.ffg

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