Wieder geht es um Frauenrechte: 29 Fotolaborantinnen aus Gelsenkirchen kämpften 1978 für die Durchsetzung des Prinzips „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Die sogenannten „Heinze-Frauen“ sind die Vorbilder für Wiechmanns zweiten Roman. Sie klagten gegen ihren Arbeitgeber, das Fotolabor Heinze, weil dieser den männlichen Kollegen übertarifliche Zulagen zahlte und sie den gleichen Lohn forderten.
Wie Deike Wiechmann in ihrem Nachwort betont, sind sämtliche Figuren in ihrem Buch erfunden, auch das Fotolabor „Blitzlicht“ gibt es nicht. Einzige historische Person im Roman ist die Aktivistin Fasia Jansen, die die Frauen bei ihrem Kampf um gleiche Löhne mit ihren Protestliedern unterstützte.
Die Geschichte, die Wiechmann in ihrem Buch erzählt, ist von der wahren Geschichte der 29 „Heinze-Frauen“ inspiriert. So findet im Roman die junge Henni nach der Arbeit einen Lohnzettel ihres Kollegen Tommi und stellt fest, dass dieser, obwohl er erst seit einem Jahr in der Firma ist und von ihr an den Maschinen angelernt wurde, 1,50 Mark mehr pro Stunde verdient – eine stattliche Summe. Ein Viertel ihres Tariflohns von 6 Euro. Henni ist empört und zeigt den Zettel ihren Kolleginnen. Der Betriebsrat wird informiert, Versammlungen mit der Gewerkschaft organisiert und schließlich ziehen die 29, die sich trotz des Gegenwinds aus der Betriebsleitung nicht beirren lassen, vor Gericht.
Wie sich Henni nicht nur gegen Vorgesetzte oder Kollegen durchsetzt, sondern auch ihrem Mann gegenüber an Selbstbewusstsein gewinnt, erzählt Wiechmann spannend und kurzweilig mit viel Lokalkolorit: In der Konditorei Pabst, die es heute noch gibt, gönnen die Frauen sich zur Feier des Tages Prinz-Heinrich-Torte, Domspitzen und Baumkuchen. Henni kocht für ihren Mann „Blindhühnchen“, ein westfälischer Eintopf mit Bohnen, Kartoffeln und Speck, aber ohne Huhn.
Sie hören Fleetwood Macs damals neuen Song „Don‘t stop thinking about tomorrow“, tanzen zu „Daddy Cool“ von Boney M. und trinken in der Disco „Gin Fizz“. Im Kino läuft 1979 der neue James Bond-Film „Moonraker“. Ganz nebenbei flicht Wiechmann ein, dass erst 1977, also ein Jahr bevor der Roman beginnt, das Ehe- und Familienrecht reformiert wurde. Bis 1977 durfte eine Frau in Westdeutschland nur dann berufstätig sein, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war“. Bestimmt wurde das vom Ehemann.
Wiechmann schildert den jahrelangen Kampf der 29 Frauen gegen ihren Arbeitgeber und beschreibt das große Echo, das ihr Kampf in der Frauenbewegung und in den Gewerkschaften fand. Über ihren Kampf wurde in Tageszeitungen ebenso wie im Time Magazin berichtet. Und auch in der Frauenzeitschrift „Brigitte“ sind sie Thema. Aus der ganzen Bundesrepublik erhielten die Frauen Solidaritätsadressen.
Ihre wichtigste Erfahrung, die sie im Laufe ihres Protests gemacht habe, sei, so Hennis Kollegin Ina zu einer Journalistin: „Die Gemeinschaft. Ohne Solidarität wäre es nicht gegangen. Wie auch immer der Prozess endet – eine Frau allein hätte das nicht geschafft.“
Für ihr Buch hat Wiechmann sich mit zwei Augenzeuginnen unterhalten: Gerda Florian hat den Kampf selbst im Betrieb erlebt, die andere, Marianne Kaiser, begleitete die Frauen damals als Ehrenamtliche in der gewerkschaftlichen Frauenarbeit und wurde so zur Chronistin der Prozesse.
Sie sei häufiger gefragt worden, ob es zu den „Unbeirrbaren“ eine Fortsetzung geben werde. Das habe sie immer verneint, sagt Wiechmann. In ihrem Roman „Die Unbeirrbaren“ über die SPD-Abgeordnete Elisabeth Selbert, eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“, schreibt sie, was eine einzelne Frau bewirken kann, in ihrem neuen Buch „Weil wir gleich sind“, was Frauen gemeinsam erreichen können, wenn sie zusammenhalten.
Ohne den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz wäre der Kampf der Frauen aus Gelsenkirchen so gar nicht möglich gewesen. Insofern ist Wiechmanns neues Buch doch irgendwie eine Fortsetzung…
Wie mühsam Frauenrechte bis heute erkämpft werden und wie aktuell der Kampf der Heinze-Frauen noch immer ist, zeigt ein Blick auf den Gender Pay Gap für Deutschland: Der unbereinigte Wert für 2025 in den westlichen Bundesländern liegt bei 17 Prozent, im Osten bei 5. Der bereinigte Wert liegt seit Jahren bei 6 Prozent. Dieser Wert zeigt, was Frauen weniger verdienen, obwohl sie ähnliche Positionen wie Männer innehaben.
Deike Wiechmanns „Weil wir gleich sind“ ist der dritte Teil einer neuen Serie „Sternstunden der Frauen“ im Berliner Aufbau-Verlag und kostet 15 Euro.
In den kommenden Monaten plant die Autorin mehrere Lesungen: Am 10. September in der Stadtbücherei Hofheim und mit dem Kulturkreis am 2. Oktober um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Niederjosbach.bpa


Kommentare