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Die zwei Neuen sollen Jugendarbeit aus der Sackgasse holen

Kay Zaric und Sebastian Carls, das neue Team der städtischen Jugendarbeit, wählte den Basketballplatz in Vockenhausen fürs Pressefoto. Foto:bpa

Zwei neue Gesichter stellte Erste Stadträtin Sabine Bergold am vergangenen Montag im Rathaus vor: Anfang April bezogen die Sozialarbeiterin Kay Zaric und ihr Kollege Sebastian Carls das Büro der städtischen Jugendarbeit. Beide sind Mitarbeiter des Frankfurter Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe JJ.

Die 28-jährige Sozialarbeiterin Kay Zaric übernimmt die halbe Stelle für aufsuchende Jugendarbeit, der 29-jährige Soziologe Carls hat als städtischer Jugendarbeiter den Auftrag, in den kommenden Monaten eine Sozialraumanalyse und daraus ein neues Konzept für die städtische Jugendarbeit zu erstellen. Das Projekt sei auf zwei Jahre angelegt. „Danach entscheiden die Stadtverordneten, wie das Konzept umgesetzt wird“, sagte Bergold.

Mittelfristiges Ziel ist, die Ferienbetreuung neu aufzustellen. Da eine frühzeitige Planung mangels Mitarbeiter nicht möglich war, gibt es auch in diesem Sommer nur ein eingeschränktes Angebot, das vom Lions Club finanziell unterstützt wird (wir berichteten).

Noch wichtiger ist der Stadträtin, dass die grundsätzliche Ausrichtung der städtischen Jugendarbeit geklärt wird: Beispielsweise ob der klassische Jugendraum mit festen Öffnungszeiten noch zeitgemäß ist. Auch die Frage, wie der ideale Jugendraum gestaltet sein und wo er idealerweise liegen sollte, müsse gestellt werden, ob die Mehrheit kleinere Jugendräume in den Ortsteilen bevorzugt oder Platz für Projekte und Jugendveranstaltungen in wechselnden Räumen wünscht.

Auch ein neues Kinder- und Jugendparlament könnte Bergold sich vorstellen: „Die Jugend ist sehr viel politischer als viele Erwachsene glauben“, ist sie überzeugt und weist auf den Zulauf der „Fridays for Future“-Initiative europäischer Schüler hin. In Eppsteins Grundschulen gebe es längst eine Politik AG, darauf lasse sich bei den Jugendlichen aufbauen.

Seit eineinhalb Jahren ist die städtische Jugendarbeit vakant, obwohl die Stadt die Stelle mehrfach ausgeschrieben hat. Vor einigen Monaten kündigte auch die Mitarbeiterin der mobilen Jugendarbeit. Das ehemalige Jugendcafé unterhalb der Burg-Schule ist geschlossen. Die Räume werden seit vorigem Sommer von der Betreuung der Burg-Schule genutzt. Aus dieser Sackgasse sollen die beiden Neuen die städtische Jugendarbeit herausholen und dazu die Kinder und Jugendlichen selbst, aber auch die zahlreichen Helfer in Vereinen, Kirchen und anderen Institutionen und die Schulen mit ins Boot holen.

Das Ziel ist ambitioniert, da beide zunächst Eppstein kennenlernen und dann neue Netzwerke aufbauen müssen. Zaric ist in Frankfurt aufgewachsen und wohnt in Egelsbach bei Offenbach, Carls stammt „vom Dorf“, wie er sagt, ist in Norden an der Nordsee aufgewachsen und lebt heute in Frankfurt.

Da viele Eppsteiner Jugendliche nach der Grundschule an auswärtige Schulen in Hofheim, Höchst, Wiesbaden oder Königstein wechseln, sei er gerade dabei, Kontakte zu diesen Schulen zu knüpfen, sagte Carls. Denn häufig verbringen Jugendliche ihre Freizeit auch dort, wo sie zur Schule gehen. Dank des Schülertickets seien Jugendliche viel mobiler als noch vor einigen Jahren, hat Bergold beobachtet.

Auf den Skaterplätzen in Eppstein habe sie sich auch schon umgesehen und Jugendliche angesprochen, die mit ihren Boards unterwegs waren, berichtete Kay Zaric. Da sie selbst Skateboard fährt, war der Kontakt schnell geknüpft. Genauso schnell stand auch fest, dass die Eppsteiner Bahnen nicht mit denen in Frankfurt konkurrieren können – „aber vielleicht lässt sich ein Projekt initiieren, bei dem erfahrene Skater den Anfängern helfen“, sagt sie. Denn für Neulinge eigneten sich die Parcours gut. Im Mädchencafé in Bremthal habe sie sich schon vorgestellt, und zu den beiden noch verbliebenen selbstverwalteten Jugendtreffs in Ehlhalten und Niederjosbach will sie bald Kontakt aufnehmen. Sie sucht die Jugendlichen auf Bolz- und Spielplätzen und den wechselnden Treffpunkten in den Stadtteilen auf. Eine der ersten Adressen ist der Platz vor dem Rathaus I in der Ortsmitte Vockenhausen, wo sich abends Familien und später Jugendliche treffen.

Auch in Bremthal sei sie schon angesprochen worden und helfe gerade einem 17-Jährigen dabei, sich beruflich zu orientieren. Einzelberatung gehöre auch zu ihren Aufgaben, sagte Zaric.

Wichtig sei, die Ideen der Jugendlichen aufzugreifen, auch wenn diese nicht immer einfach umzusetzen sind. Bergold erinnerte sich nur zu gut an die jungen Mountainbiker, die vor einigen Jahren von einer eigenen Piste in Eppstein träumten. In Kelkheim sei eine Bahn für Biker im Wald verwirklicht worden. In Eppstein scheiterte das Projekt an zu vielen Hindernissen. „Vielleicht ein Hinweis für uns, auch in der Jugendarbeit noch stärker auf Kooperationen mit den Nachbarstädten zu setzen“, sagte Bergold.

Aber auch in Eppstein sollen Jugendliche Freiräume erhalten und Ideen umsetzen. Soziale Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Ideen, so die beiden Sozialarbeiter, gebe es für die Jugendarbeit viele. Entscheidend sei aber, was die Jugendlichen wollen. Deshalb arbeitet Carls gerade an einem auf Eppsteiner Verhältnisse abgestimmten Fragebogen, der die Theorien mit den tatsächlichen Bedürfnissen unterfüttern soll. Sobald die Fragen feststehen, wird er an alle verteilt, die mit Jugendlichen arbeiten und natürlich an die Kinder und Jugendlichen selbst.

Die Erste Stadträtin sieht die Fragebogenaktion als ersten Schritt, um „ein möglichst breites Argumentationsspektrum zu erhalten“. Zurzeit erhalte sie viel Kritik von Einzelnen über Jugendclub-Schließung, das fehlende Ferienspielangebot oder zu teure Schulbetreuung. Deshalb freue sie sich auf ein „fundiertes, von vielen Stimmen unterfüttertes Ergebnis“.bpa

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