Zinnsoldaten und Puppenstuben

Spielesammlung im Heimatmuseum Bremthal.Foto: Jonas Schönian

Spiele und Spielsachen erfreuen sich zwar noch immer großer Beliebtheit, verlieren jedoch zunehmend durch Videospiele mit ihrer erweiterten Realität gerade bei jungen Menschen an Bedeutung. Alte Spiele und Spielsachen landen auf dem Speicher, auf dem Flohmarkt – oder beim Sammler.

So wie die über 150 Exponate, die ein Eppsteiner Sammler, der namentlich nicht genannt werden möchte, für die neue Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins zur Verfügung gestellt hat. Seit dem Wochenende zeigt er sie im Heimatmuseum in der alten Schulstraße.

Viele kleine und große Objekte – von der winzigen Bakelitfigur, eine Beigabe zur Margarine um 1910, bis zum Kinderfahrrad aus der Zeit um 1900 hat der Sammler aus Eppstein Spielsachen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre hinein zusammengetragen.

Neben ersten Legoprospekten aus den 1960er Jahren, in denen Fahrzeuge noch für eine Mark aufgelistet sind, und den dazugehörigen frühen Legoprodukten, steht nur wenige Zentimeter daneben ein aktuelles Legoauto. Der Vereinsvorsitzende Helmut Kleindienst hat es von seinem Enkel ausgeliehen, um die Entwicklung zu verdeutlichen. Auch ein altes Schachspiel findet sich neben einem elektronischen Schachcomputer.

Besonders anschaulich wird die Geschichte des Spielzeugs, wenn der Sammler erzählt, was es mit Exponaten wie der „Schummelmünze“ oder „Schummelkarten“ auf sich hat. Auch über die Gesellschaft verraten die Spielzeuge eine Menge. Zinnsoldaten aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg als Spielzeug für Jungs und Puppen für Mädchen zeigen, wie die Kinder auf ihre späteren Rollen vorbereitet wurden. Zu den Besonderheiten gehören auch ein amerikanischer Flipperkasten aus den 1930er Jahren, aus Holz gefertigte Tischfußball-Figuren von 1934 oder eine handgefertigte Puppenstube aus den 1950er Jahren.

30 Jahre lang hat der Sammler diese Zeitdokumente zusammengetragen. „Als unser Sohn klein war, wollte ich ihm zeigen, dass auch alte Spiele Spaß machen können, so fing ich also an diese Dinge zu sammeln. Und wie das immer so ist: Wenn Freunde und Familie mitbekommen, dass man an so etwas Gefallen findet, bringen sie dir hie und da was vorbei“, schilderte der Sammler die Ursprünge der Ausstellung. Sein Sohn beispielsweise habe Schachspielen mit dem dem Schach verwandten „Bunkerspiel“ gelernt, einer Rarität aus den 1940er Jahren.

Seine Augen leuchten geradezu, wenn er begeistert erläutert, wie die Münze mit der gleichen Zahl auf beiden Seiten verwendet wurde, wenn beim Fußballspiel die Seiten ausgelost wurden. Auch bei den Besuchern kommen diese Schmankerl gut an: „Viele sind wirklich interessiert! Sie sind erstaunt und stellen Fragen zu den Exponaten oder sie unterhalten sich darüber, womit sie selbst früher gespielt haben“, erzählt der Sammler. Manche wie die 21-jährige Leah aus Bremthal, waren begeistert, weil sie eine völlig neue Welt entdeckten: „Es ist einfach spannend, womit früher gespielt wurde“, so die junge Frau.

Die zweite Vorsitzende des Heimat und Geschichtsvereins, Annemarie Kleindienst, hätte sich zur Eröffnung mehr Besucher gewünscht. Der Sammler selbst sah das anders und lobte das Team des Museums: „Jedes Exponat wurde schön in Szene gesetzt.“ Auch das Gesamtbild der Ausstellung sei sehr ansprechend.

Wer diese spielerische Zeitreise erleben möchte, kann dies voraussichtlich bis März jeweils am letzten Sonntag eines Monats von 14 bis 17 Uhr tun. Nächster Öffnungstag ist am 27. November, danach wegen der Feiertage schon am 18. Dezember. Der Eintritt für die Ausstellung ist kostenlos, der Verein freut sich über Spenden.

Am kommenden Sonntag findet zudem das Handkäs‘ Essen in der Alten Schule statt.js

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