Vorlesetag entführt Schüler in spannende Phantasie-Welten

Das Vorleseteam Kristine Zabel, Ingrid Mäusle, Sigrid Karl, Clare Zechel, Martina Helbig mit Lehrerin Vanessa Raschke-Herr (v.li.). Foto: B. Schuchard-Palmert

Fünf Bücher standen den Fünftklässlern am bundesweiten Vorlesetag am vergangenen Freitag zur Auswahl und damit fünf Ausflüge in phantastische Welten.

Die Titel für die neun- und zehnjährigen Jungen und Mädchen hatte die Leiterin der Schulbücherei, Hille Herrmann, ausgesucht und schon im Frühjahr Kristine Zabel zur Verfügung gestellt. Seit Einführung des Vorlesetags an der Gesamtschule vor fast 20 Jahren hilft Zabel im Auftrag des Kulturkreises bei der Organisation. „Anfangs hatten wir bis zu zwölf Vorleser und haben auch die Bücher fürs Vorlesen ausgesucht“, erinnert sie sich. Es sei schwierig, Vorleser für so große Gruppen zu finden. „Die meisten, bei denen ich angefragt habe, wollen lieber in Kindergärten zu jüngeren Kindern und in kleinere Gruppen gehen“, sagt Zabel. Das sei einfacher als 45 Minuten lang die Aufmerksamkeit von 20 bis 25 Kindern zu gewinnen. Mit einem kleinen Trick gelinge das inzwischen recht gut, verrät Lehrerin Vanessa Raschke-Herr: „Die Kinder dürfen während des Vorlesens malen.“ Das helfe ihnen, sich besser zu konzentrieren, hat sie beobachtet.

Noch heute liest Kristine Zabel alle Bücher selbst, bevor sie sie an ihr Vorleseteam verteilt. Dabei suchen sich die Vorleser die Bücher nach ihren Neigungen aus. Seit einigen Jahren dürfen sich auch die Schüler die Bücher aussuchen, in die sie hineinhören möchten. So kommen klassen- und stufenübergreifende Vorleserunden zustande. „Wir versuchen möglichst die Erstwahl, mindestens aber die Zweitwahl der Schüler zu berücksichtigen“, erklärt Raschke-Herr wie die Lesungen organisiert werden. Es gab diesmal fünf Vorleserinnen für den fünften Jahrgang und die jahrgangsübergreifende Hauptschulklasse H5/6.

„Ich lese eigentlich gerne Bücher für Jungen vor, wahrscheinlich, weil ich zwei Söhne habe“, verrät Vorleserin Martina Helbig, die auch schon seit vielen Jahren beim Vorlesetag mitmacht. Dennoch hat sie sich diesmal die geheimnisvolle Geschichte eines 12-jährigen Mädchens ausgesucht. Sophie, Hauptperson in „Keeper of Lost Cities“, ist viel intelligenter als ihre Mitschüler, kann Gedanken lesen und fühlt sich schon ihr ganzes Leben lang als Außenseiterin – bis sie den Jungen Fitz trifft und von ihm erfährt, dass sie zum Volk der Elfen gehört. Doch damit ist die Frage über Sophies seltsame Herkunft noch lange nicht geklärt. „Teil 1, Der Aufbruch“ ist Auftakt zur Jugendbuchserie von Shannon Messenger über Fabelwesen, Magie, Liebe und Freundschaft.

Für Christina Zabels Buch „Die Pferdeflüsterer-Academie“ hatten sich vor allem Mädchen entschieden. Sie hören Mandalas ausmalend zu, wie die 13-jährige Zoe von ihrer Freundin Kim überredet wird, sie zur Aufnahmeprüfung ins legendäre Reitinternat „Snowfields“ zu begleiten und wie sie dort eine Begegnung mit dem Hengst Shaman hat, die ihr ganzes Leben verändert – der Auftakt zur Jugendbuchreihe der deutschen Autorin Gina Mayer.

Vorleserin Sigrid Karl entführt ihr junges Vorlesepublikum in das „Land of Stories“ von Chris Colfer. Die Zwillinge Alex und Conner geraten beim Lesen eines alten Buches in ein magisches Land, in dem es Feen, verwunschene Prinzen und eine böse Königin gibt. Die Begegnung mit dem bösen Wolfsrudel und den Kampf gegen die großen Bestien mit schwarzem Fell und glutroten Augen hat Karl für ihre Vorlesestunde ausgewählt. Dabei begegnen den beiden jungen Helden altbekannte Figuren aus europäischen Märchen wie Rotkäppchen oder Goldlöckchen, die im Laufe der Jahre einige Marotten entwickelt haben.

Mucksmäuschenstill ist es dabei, obwohl Karl nicht besonders laut liest, und am Ende der Stunde wollen die Kinder wissen, welchen Märchenfiguren die beiden Helden als nächstes begegnen. „Ein Turm“ stehe im Mittelpunkt ihres nächsten Abenteuers, lautet die Antwort. Die Frage eines Mädchens, ob die beiden wieder nach Hause kommen, lässt die Vorleserin offen: „Um das zu erfahren, musst du das Buch schon selbst lesen“, erklärt sie lächelnd.

Fünftklässlerin Sirin hat passend zum Märchenwald ein grünes Waldbild gemalt. Ihr Urteil: „Das Buch ist sehr spannend, ich mag sowieso Märchen. Vielleicht leihe ich es mir aus“.

Martina Helbig, die an einigen Tagen der Woche in der Schulbücherei aushilft rechnet diese Woche ohnehin mit größerem Andrang in der Bücherei als sonst. Denn dort liegen die Bücher des Vorlesetags zum Ausleihen bereit.

Clare Zechel erzählt ihrer Gruppe Fünftklässler von der jungen Finn Nachtigall, die per Zufall am stillgelegten Bahnhof von Weidenborstel bei Hamburg in den „Weltenexpress“ gerät und damit in eine Schule voller Magie, außergewöhnlicher Mitschüler und fremdartiger Wesen. Bei Vorleserin Ingrid Mäusle lernen die jungen Zuhörer „Ruby Redfort“ kennen, auf den ersten Blick ein ganz normales Mädchen. Doch dann besteht sie Test für Test, muss merkwürdige Aufträge erledigen und seltsame Rätsel lösen, bis sie im ersten Teil der Buchreihe zur jüngsten Geheimagentin der Welt wird.

Nach der Vorlesestunde trifft sich das Team zur Nachbesprechung mit Lehrerin Vanessa Raschke-Herr. Einig sind sich alle, dass ein schneller Einstieg in die Geschichte wichtig ist, um die Schüler von Anfang an zu fesseln: „Deshalb fangen wir selten chronologisch auf der ersten Seite an, sondern fassen zunächst kurz zusammen, worum es geht und suchen gleich spannende Stellen aus“,sagt Zabel. Sie hat die jungen Zuhörer gefragt, was ihnen lieber ist: eine Geschichte als Hörbuch hören oder wenn jemand liest, der vor ihnen sitzt. „Erstaunlicherweise zieht die Mehrheit das Vorlesen vor“, hat sie erfahren. Sie ist froh, dass es dieses Jahr wieder ohne Einschränkungen durch eine Maske möglich war. Lediglich das Pfeifen der CO2-Ampel erinnerte daran, dass die Klassenräume noch immer regelmäßig gelüftet werden müssen.bpa

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