Kraft und Konzentration reichten einfach nicht mehr aus. Am 15. Juli ist sie im Alter von 79 Jahren gestorben.
Schon 2012 zwang die schleichende Erkrankung sie dazu, ihr Atelier in der Waldallee aufzulösen. Vorher zeigte sie in einem über mehrere Ausstellungen reichenden Rückblick noch einmal die enorme Fülle und Vielfalt ihres Werkes: Zeichnungen, Malerei, Druckgrafik und Fotografie, Fotobücher, Arbeiten auf und mit Papier und etliche Objekte, darunter auch ihr im Jahr 2000 fertiggestellter Bilderzyklus „Reading Beckett“. Dem britischen Autor verdanke sie ihr Lebensmotto, sagte Quack damals und zitierte: „Try again. Fail again. Fail better. Fail worse – Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern. Schlimmer scheitern“ .
Kreativität und Kunst sind seit ihrer Kindheit Teil ihres Lebens. In einem undatierten Blatt mit dem Titel „Versuch über mich. Wie ich wurde wer ich bin“ spürt sie den Anfängen ihrer künstlerischen Arbeit nach, berichtet von den ersten kreativen Erfahrungen, „mit Hammer und Zange gerüstet, Nägel in Holzbretter geschlagen und wieder herausgezogen“, und den musikalischen Versuchen mit Blockflöte und Gitarre. Mit dem Akkordeon habe sie schließlich ihr fehlendes musikalische Gehör kompensieren können, weil sie die Tasten nach Noten drücken konnte, schreibt sie. Mit 14 Jahren verdiente sie sich mit Auftritten in der Kapelle ihres Onkels sogar ein bisschen Geld, wechselte dann aber zum Formulieren von Texten, erfand Geschichten und Gedichte. Lob und Bewunderung erhielt sie für die Portrait-Zeichnungen von Mitschülern und Familienmitgliedern. Mit 12, 13 Jahren bekam sie ihre erste kleine Holzstaffelei und Ölfarben samt Pinsel, malte mutig drauflos und träumte später von einem Kunststudium. Nach einer gescheiterten Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie studierte sie Germanistik und Anglistik in Göttingen.
Als Stipendiatin setzte sie ihr Studium in Santa Barbara in Kalifornien fort und nutzte dort die zahlreichen Möglichkeiten, die sich ihr neben dem Amerikanistik-Studium boten: anthropologisches Zeichnen und Töpfern. Auch Kurse in Design, Siebdruck und Filmemachen belegte sie. In dieser Zeit lernte sie ihren späteren Ehemann Jochen kennen. Sie heirateten noch in den USA. Tochter Irja kam dort zur Welt. Rita Quack erinnert sich daran, dass sie nähte, häkelte, strickte und stickte, ihre eigene Schafswolle spann und webte – alles rund ums textile Gestalten – und ihre Liebe zum Patchwork entdeckte. Vor allem aber entwickelte sie, sagte sie, in diesen Jahren eine immense Lust am Zeichnen.
„Jedes Blatt Papier ist eine Herausforderung, etwas Neues zu schaffen“, formulierte die Künstlerin einmal am Rande einer Ausstellung treffend, was sie immer wieder, trotz schwerer Krankheitsschübe, dazu antrieb, etwas Neues zu schaffen und auf neue Techniken auszuweichen: Als grazile Feinarbeit nicht mehr möglich war, griff sie zur Schere und lebte ihre Leidenschaft für Sprache und Wortspiele aus.
Sie sehe sich „gefangen im Zwischenraum“, sagte sie etwa 2011 bei der Vorstellung ihres Buch-Projekts „Roter Mohn und leere Seiten“. 2014 entstand ihr Buch „Tatort Kunst: Bekenntnis oder Camouflage“ und seit 2016 ihre in Tagebuchform zusammengestellten „all-täglichen Fundstücke“ – Collagen aus Buchstaben und Wörtern, die sie aus ihrer Tageszeitung herausschnitt und unter dem Titel „WortArt“ in neue Zusammenhänge gebracht hat. So entstanden auf verblüffend einfache Weise poetische, suggestive, oft absurde und surrealistische, manchmal komische oder provozierende Texte und Gedichte.
Dem Heimat- und Geschichtsverein Bremthal schenkte Quack 2012 Zeichnungen, Fotos und Aquarelle, die sie zur 800-Jahr-Feier Bremthals 2004 von ihrem Heimatort angefertigt hat. Denn dort zog die Familie 1978 ins eigene Haus. Rita Quack liebte den Blick aus dem Fenster auf die St. Margareta-Kirche und hat den Anblick zu allen Jahreszeiten und mit unterschiedlichen Techniken festgehalten.
1980 schloss sie sich dem neu gegründeten Kulturkreis Eppstein an und gab etliche kreative Kurse. Die Sommermalkurse im Freien waren besonders beliebt. Im Patchworkkurs entstand ein Quilt mit den fünf Stadtteilwappen, der im Stadtarchiv aufbewahrt wird. 1990 folgte ihre erste Ausstellung „Aller Anfang ist“ im eigenen Haus. Dreimal wurden ihre Werke beim Künstlerwettbewerb des Kulturkreises prämiert. Eine Japanreise und die japanische Zen-Kalligrafie inspirierten sie zu Tusche-Arbeiten. Fundstücke regten sie zum Gestalten an: So schuf sie 2003, kurz nach der Währungsumstellung, aus geschredderten D-Mark-Scheinen Objekte für eine ganze Ausstellung: federleichte Schalen, Kugeln, Täschchen und Geldbörsen. 2005 gestaltete sie die ersten Adventsfenster in der Nordmauer der Burg.
Einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte war 2024 bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Eppsteiner Zeitung. Zusammen mit Ehemann Jochen bewältigte sie den holperigen Burghof und feierte mit uns im Juchhe-Bau der Burgschauspieler. Auch in unserem Verlagshaus hinterlässt sie Spuren. Auf ihr Aquarell „Wer?Wo?Was?Warum?-Puzzle für die EZ“ fällt der Blick beim Betreten der Redaktion, und beim Verlassen des Gebäudes auf ihre besondere „Klavia Tour“ in unserem Treppenhaus. Rita Quack schuf die Installation aus den wunderschönen, längst schon historischen Holzlettern, die wir ihr als kreative Anregung für neue Objekte schenkten.
Die innere Bereitschaft, „mich von meinen Werken zu trennen“, sei eine Haltung, „die eigentlich immer vorhanden war“, schreibt Rita Quack 2021 in ihrem „Versuch einer Einordnung“. Damals vermachte sie ihr Lebenswerk – alle Werke, die nach den Verkäufen übrig geblieben waren – dem Stadtarchiv, in der Hoffnung, „dass sich irgendwann die Gelegenheit zu einer kleinen Dokumentation ergibt“, so Quack in ihrer „Einordnung“ dessen, was sie als Hinzugezogene mit der Stadt und der Region verbinde. Weit über 900 Originale, nach Themen, Ausstellungen und Werkgruppen sortiert und Ordner mit Dokumentationen, werden seitdem im Archiv aufbewahrt und warten darauf, so die Künstlerin, dass sie „vielleicht eines Tages wieder zum Leben erweckt“ werden. Denn im Archiv, so Quacks bescheidene Hoffnung, „werden besondere Blätter gesucht und gefunden“.
Die Trauerfeier für Rita Quack ist am Montag, 17. August, um 14.30 Uhr in der Emmausgemeinde Bremthal.bpa

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