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Stadtbücherei: Trotz geringerer Mittel steigende Ausleihzahlen

Heidelinde van Krüchten, Maria Augustin (vorn v.li.), Ute Giese, Ursula Falk, Christina Cantzler, Monika Dambacher und Christel Berggötz (hinten v.li.) gehören dem Büchereiteam an.Foto: bpa

2018 war ein gutes Jahr für die Stadtbücherei. „Zumindest bei den Ausleihen gibt es eine leicht positive Tendenz“, fasst die Leiterin der Stadtbibliothek, Christina Cantzler, zusammen. Rund 19 700 Medien wurden insgesamt ausgeliehen, das sind etwa 500 mehr als im Jahr zuvor.

Bei einem Bestand von gut 16 000 Medien bedeutet das statistisch gesehen, dass jedes Medium mindestens einmal ausgeliehen wurde. „Das ist ein gutes Zeugnis“, sagt Cantzler, „es zeigt, dass wir trotz des eingeschränkten Platzangebots eine gute Auswahl an Büchern präsentieren.“

Auch die Zahl der Entleiher ist leicht auf 2363 gestiegen, obwohl die Zahl der Besucher um zehn auf 4171 gesunken ist. Dabei waren Kinder- und Jugendbücher mit Abstand am meisten gefragt: Gut 8700 Bücher aus den Abteilungen Bilderbücher, Bücher für Grundschüler und Jugendliche wurden 2018 ausgeliehen. Wobei der Anteil der Jugendlichen über 14 Jahren an der Ausleihe seit Jahren erschreckend niedrig sei, sagt Cantzler. Dafür beobachtet sie, dass viele junge Mütter mit Kleinkindern und Grundschülern kommen und sich mit Büchern und Hörbüchern ausstatten.

Mit knapp 4800 ist die Zahl der ausgeliehenen Hörbücher deutlich gestiegen und inzwischen fast so hoch wie der Anteil an der Belletristik-Ausleihe (knapp 5000).

Finanziell war 2018 ein schlechtes Jahr. Wäre da nicht die 1000-Euro-Spende der Bürgerstiftung hätten der Bücherei nicht einmal 4000 Euro zur Verfügung gestanden. Wegen der Haushaltssperre habe sie nur 3856 Euro vom städtischen Bugdet ausgegeben und die restlichen knapp 3000 Euro nicht mehr abgerufen, die ursprünglich im Haushalt bereit standen, sagt Cantzler. Trotz des finanziellen Engpasses habe sie die wichtigsten Neuerscheinungen angeschafft und auch Leserwünsche erfüllt. „Wir haben eine treue Stammleserschaft, die sich für politische, historische oder gesellschaftliche Themen interessiert“, sagt Cantzler. Für die kauft die Bücherei auch druckfrische Sachbücher, unter anderem aktuelle Biografien.

Für 2019 soll der Etat wieder höher ausfallen. Wie viel im Haushalt der Stadt vorgesehen ist, weiß Cantzler noch nicht. Sie hofft, mindestens rund 8000 Euro wie bisher, möglicherweise auch mehr, da die SPD sich für eine Aufstockung um 3000 Euro eingesetzt hatte und unter anderem deshalb dem Etat zustimmte. Allerdings steht die Genehmigung des Haushalts durch die Kommunalaufsicht noch aus.

Um Zuschüsse auswärtiger Institutionen zu beantragen ist die Bücherei zu klein. Voraussetzung für Zuschüsse der Stiftung Lesen beispielsweise wären eine hauptamtliche Leitung, ein städtischer Zuschuss von mindestens einem Euro pro Einwohner und eine größere Regalfläche. Das Büchereiteam arbeitet jedoch ehrenamtlich und mit nicht einmal 90 Quadratmetern ist die Bücherei mit Abstand die kleinste im Main-Taunus-Kreis.

Ausleihgebühren wären ein weiteres Mittel, um die Einnahmen zu erhöhen, allerdings keines, das sich aus Cantzlers Sicht lohnt. „Wir hätten einen enormen Zeitaufwand, der in keinem Verhältnis zu den möglichen Einnahmen oder unseren Leistungen stünde“, sagt Cantzler. Wichtiger ist ihr, dass ihre 15 Helferinnen gern lesen und Empfehlungen geben.

Trotz der verhältnismäßig kleinen Medienauswahl ist die Zahl der Nutzer konstant. Das vergangene Jahr hat das Bibliotheksteam genutzt, um kräftig auszumisten und Platz für neue Medien zu schaffen. Über 1100 alte Bücher, vor allem Sachbücher hat Cantzler aus den Regalen geholt: Unter anderem wurden Kochbücher und Reiseführer ausgelistet und zum Mitnehmen in eine Kiste vor der Tür deponiert oder zum Altpapier gebracht.

Weil die Bücherei im gleichen Zeitraum nur 633 neue Bücher und Hörbücher anschaffen konnte, schrumpfte der Bestand der Bücherei von über 17 000 auf 16 069 Medien. Cantzler mistet aus, was seit Jahren ungelesen in den Regalen verstaubt oder älter als zehn Jahre ist, mit Ausnahme einiger Klassiker wie Goethe, Tolstoi oder Shakespeare, von denen die Bücherei aber selten die Gesamtausgaben vorhält: „Wir sind eine Bücherei für Freizeitleser und deshalb gut ausgestattet mit den Büchern der aktuellen Bestsellerlisten.“

Bei den Kinderbüchern gibt es Klassiker, die immer wieder gelesen werden, aber auch viele neue Autoren. Agentengeschichten und Survival-Storys sind bei den Jungen im Trend, Mädchen lesen Pferde- und Tiergeschichten, aber auch moderne Internatsgeschichten. Für Jugendliche, sagt sie, „müsste es mehr Klassiker wie die Harry Potter-Reihe geben“, um junge Leser zu binden.

Gern nimmt sie Bücherspenden an, aktuelle und gut erhaltene Taschenbücher als leichte Urlaubslektüre sind gefragt, alte Schwarten aus Haushaltsauflösungen dagegen weniger. „Der Flur vor der Bibliothek ist kein Altpapierlager“, bittet sie ihre Leser, dort keine Bücherkartons ohne Absprache abzustellen. bpa

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