Lukas Müllerleile ist dort Assistenzarzt in der Anästhesie und Notarzt und kam direkt im Anschluss an seinen Nachtdienst in die Schule, wo er ein aufmerksames und wissbegieriges Publikum traf. Er kam in Vertretung von Chefarzt Professor Michael Booke, dem Sepsis-Forscher und Projektleiter im Team der Vorreiterregion Sepsis MTK. Ziel der Kampagne, auch an Schulen, so Müllerleile, sei es möglichst viele Menschen über die Gefahr der Sepsis aufzuklären. Lehrerin Heike Sandberg, die für Themen rund um „gesunde Schule“ zuständig ist, hatte den Vormittag in der Aula vorbereitet.
Die landläufig Blutvergiftung genannte Infektion sei in Deutschland nach Herzinfarkt und Schlaganfall eine der häufigsten Todesursachen: Rund 250 000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an einer Sepsis, mehr als ein Drittel von ihnen stirbt daran, viele leiden ein Leben lang unter den Folgen, weil die Sepsis zu spät erkannt wurde. „Ohne medizinische Hilfe“, machten Sandberg und Müllerleile deutlich, „verläuft eine Sepsis immer tödlich!“
Deshalb sei es wichtig, schnell zu handeln, wenn der Verdacht auf Sepsis bestehe. Auftreten kann sie nach einer Verletzung oder Operationen. Ausgelöst werde sie durch eine Infektion. Ihre Symptome ähneln der einer Erkältung oder Grippe, sind also meistens nicht eindeutig. Besonders gefährdet sind kleine Kinder und ältere Menschen. Aber auch junge und gesunde Menschen können eine Sepsis entwickeln. Im Zweifel sei es immer richtig, zu einem Arzt zu gehen oder den Notarzt zu rufen, betonte Müllerleile.
Nach ausführlichem Theorie-Teil sollten die Neuntklässler Wiederbelebungsmaßnahmen üben. Zwei Reanimationspuppen hatte Müllerleile mitgebracht, Sandberg stellte die zwölf schuleigenen Puppen zur Verfügung, damit die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen die Abläufe üben konnten. Seit zwei Jahren werden Erste Hilfe und Wiederbelebung in den 7. Klassen im Rahmen des Unterrichts geübt. In der 9. Klasse ist eine Wiederholung vorgesehen. Die stand nun im Rahmen der Sepsis-Schulung auf dem Stundenplan.
Für die Schulsanitäter, die ebenfalls aus den Reihen der Neuntklässler kommen, waren die Übungen schon Routine. Auch über Sepsis seien sie informiert, „aber jede Wiederholung ist gut, denn jeder erklärt die Situationen etwas anders“, hat etwa Ida beobachtet. Und Hannes, der in seiner Freizeit bei der Jugendfeuerwehr aktiv ist, hat selbst schon nach einer Verletzung erlebt, wie wichtig ein funktionierendes Rettungssystem ist. Ihn habe dieses Erlebnis darin bestärkt, in seiner Freizeit „etwas fürs Leben zu lernen und sich in einer tollen Gemeinschaft zu engagieren“.
Am Ende sei es wichtig, dass man in Notfällen wie Sepsis oder Atemstillstand wisse, was zu tun ist, sagte Sandberg, „Nichtstun ist das Schlimmste in beiden Fällen“. bpa


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