Schulprojekt: Mit dem Blindenstock übers Altstadtpflaster

Dirk Könekamp (l.) begleitet Nele und ihre Mitschülerinnen beim Gehen mit einem Blindenstock.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Dirk Könekamp (l.) begleitet Nele und ihre Mitschülerinnen beim Gehen mit einem Blindenstock.Foto: Beate Schuchard-Palmert

In der letzten Woche vor den Schulferien hatten die Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule Zeit, sich in den unterschiedlichsten Projekten mit dem Thema „Finde deinen Weg“ zu beschäftigen. Auch in der Altstadt waren etliche anzutreffen.

Sie lernten, ihre Heimatstadt mit ganz neuen Augen zu betrachten. Einige waren klassisch in einer Rallye unterwegs und suchten markante und verborgene Punkte.

Ein gutes Dutzend Jugendliche aus den Klassen 7 bis 9 wählten das Projekt von Dirk Könekamp und Bettina Hacker. Sie versuchten, sich wie Menschen mit Handycap in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Mit Blindenstab und Augenbinde oder im Rollstuhl tasteten sich die Jugendlichen von der Schule zum Treffpunkt am Gottfriedplatz in der Altstadt und von dort weiter zum Bahnhof.

Könekamp wies von vornherein darauf hin: „Mal eben rechts und links den Verkehr überblicken und über die Straße laufen ist mit Blindenstock oder Rollstuhl nicht drin!“

Die Jugendlichen stellten schnell fest, dass das Kopfsteinpflaster eine ganz besondere Herausforderung darstellt – sowohl für Blindenleitstöcke als auch für Rolli oder Rollator.

Zuvor übten sie bestimmte Punkte auf dem Schulgelände anhand einer Karte zu finden und Hindernisse wie Treppen oder Türen zu überwinden. „Wichtig ist, dass die Jugendlichen beim Suchen ihres Weges nie ohne Begleitung unterwegs sind, denn auf der Straße herrscht Alltagsbetrieb“, erläuterte Könekamp. So machten sich die Schüler in Zweiergruppen auf den Weg – mindestens ein Schüler zur Absicherung und insgesamt drei Aufsichtspersonen.

Ziel der Übung mit Blinden-Equipment und Rollstuhl sei, so Könekamp, „die Sensibilisierung für andere und auch dafür, wie sehr Menschen mit einem Handycap durch ihre Umgebung behindert werden.“ Auch das Bewusstsein für die eigene Gesundheit und Unversehrtheit sei ein wichtiger Aspekt des Projekts.

Könekamp hatte Kontakte zum VdK und anderen Organisationen geknüpft, um Übungsmaterial zu beschaffen. Da er seinen blinden Vater betreut habe, habe er bereits vor einigen Jahren eine Prüfung als Blindenführer absolviert und stehe in engem Kontakt mit einer Blindenschule. Deshalb achte er bei Straßenarbeiten und anderen Bauarbeiten im öffentlichen Raum immer darauf, ob dabei auch an die Bedürfnisse von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen gedacht werde, sagte Könekamp.

Am Dienstag fuhr die Gruppe nach Frankfurt, um zu testen, ob die Großstadt besser auf Behinderte eingestellt ist als das schon wegen seiner vielen Hügel und steilen und engen Straßen topografisch herausfordernde Eppstein. Als letzte Übung stand ein Orientierungslauf mit Hilfe von Kompass oder GPS auf dem Programm, bevor am heutigen Donnerstag die Ergebnisse der Projekte präsentiert werden. bpa

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