Der neue Bürgerwein ist fruchtig mit „mineralischer Note“

Kilian Dambacher kredenzt die ausgewählten Rieslingweine für die Wahl des Bürgerweins.

Seit Jahren verbindet die Bürgerstiftung ihre Stifterversammlung mit den Rechenschaftsberichten über die finanzielle Lage und die aktuellen Projekte mit einer Weinprobe und der Wahl des neuen Bürgerweins.

In diesem Jahr stellte Mundschenk Ramon Olivella sechs Rieslingweine aus fünf deutschen Anbaugebieten vor.

Zeit fürs Riechen und Schmecken blieb während der Vorträge der Vorstandsvorsitzenden Christina Cantzler, von Schatzmeister Thomas Giese (siehe unten) und der Einführung des Mundschenks über eine der bekanntesten Rebsorten in Deutschland. Die erste schriftliche Erwähnung des Rieslings in Deutschland stamme aus dem Jahr 1402 in Worms, die nächste aus einer Rüsselsheimer Rechnung von 1435. Außer im Rheintal finden sich auch an der Mosel Dokumente aus dem 15. Jahrhundert, in denen der Riesling erwähnt wird. Historische Bezeichnungen wie Rüssling, Klingelberger oder Welschriesling weisen auf das Alter der Rebsorte hin, die, so Olivella, vermutlich aus einer heimischen, wildwachsenden Art und eingekreuzten Rebsorten entstanden ist.

Olivella, Betreiber des Weinhandels Weinpresse in der Burgstraße, erklärte außerdem, warum die Rieslingrebe schon seit so vielen Jahrhunderten angebaut werde, obwohl sie verhältnismäßig lang am Stock reifen muss: Sie vertrage im Gegensatz zu anderen Traubenarten auch kalte Nächte und sogar Frost.

Die berühmtesten und teuersten Eisweine würden aus der Rieslingtraube gekeltert, berichtete Olivella. Allerdings könne sich das angesichts zunehmend warmer Winter und trockener Sommer ändern. Dennoch: Aktuell war die Auswahl an Riesling-Weinen groß und Olivella suchte Riesling Qualitätsweine aus je einem Anbaugebiet an der Mosel und der Nahe, aus Rheinhessen, dem Rheingau, und zwei Rieslingweine aus der Pfalz aus.

Am Ende hatte nach der Abstimmung der etwa 35 Weinverkoster der „Tonmergel Riesling trocken“ von 2020 des Weinguts J. Trautwein in Rheinhessen die Nase vorn und wurde zum neuen Bürgerwein 2022 gekürt. Auch Bürgermeister Alexander Simon und Kulturkreis-Chef Horst Winterer nahmen an der Weinverkostung teil – „schließlich verschenkt die Stadt den Bürgerwein gern als Präsent, da ist die Weinprobe ein guter Einstieg“, sagte Simon, der Kraft Amtes Mitglied im Stiftungsvorstand ist.

Olivella hatte den Siegerwein zuvor als „klassisch eleganten Riesling mit feinem Zitrus- Bouquet und mineralischer Note mit einem Alkoholgehalt von 12,5 Prozent“ vorgestellt. Der über 100 Jahre alte Familienbetrieb bewirtschafte seine von Kalk und Ton geprägten Böden in der Region um Lonsheim nachhaltig und fülle den Wein aus den besten Lagen der Umgebung in die Flasche. Bei der Weinbereitung werde auf „kontrolliertes Nichtstun“ gesetzt, um den Charakter der Region bestmöglich einzufangen, so Olivella.

Der Weinhändler hofft, dass die erste Lieferung bis Freitag eintrifft und er den Bürgerwein beim Wochenmarkt vorstellen kann. Eine Flasche kostet zehn Euro, von denen ein Euro als Spende an die Bürgerstiftung geht. bpa

Kultur, Umwelt und Soziales gefördert

Die Finanzlage der Bürgerstiftung Eppstein habe sich trotz der aktuellen Zinspolitik gut entwickelt, zog Schatzmeister Thomas Giese in seinem Rechenschaftsbericht vor der Stifterversammlung in der vorigen Woche Bilanz.

Dank Dividenden und einiger Veräußerungsgewinne betrug das Stiftungskapital der Bürgerstiftung Ende 2021 über 214 000 Euro. Inklusive Finanzanlagen betrug das Stiftungsvermögen knapp 251 000 Euro. Kapitalertragssteuer über 13 300 Euro und Guthaben in Höhe von knapp 57 000 Euro ergeben zusammen mit dem treuhänderisch verwalteten Stiftungsvermögen des „Eppstein Fonds“ Ende 2021 ein Gesamtvermögen von knapp 636 000 Euro. Der von Gertrud und Jürgen Löns „zur Förderung bedürftiger Kinder und Jugendlicher“ eingerichtete Fonds ist im vorigen Jahr um fast 25 000 Euro auf 315 000 Euro angewachsen, Da das Stiftungskapital nicht angetastet werden darf, nur Zinsen und Dividenden für die jährlichen Projekte verwendet werden, diese zur Zeit aber nicht sonderlich hoch sind, sind beide Stiftungen auf Spenden angewiesen.

Im vergangenen Jahr kamen rund 15 300 Euro an Spenden aufs Konto der Bürgerstiftung. Insgesamt gab die Bürgerstiftung 32 600 Euro für Projekte in Eppstein aus. Gefördert wurden Kunst und Kultur, Soziales und der Landschaftsschutz. Einige Projekte, wie die Unterstützung für die Trockenschäden im Stadtwald, wurden bereits 2020 begonnen und 2021 abgeschlossen: Für die Weihnachtshilfe für Bedürftige spendeten Eppsteiner Firmen und Privatpersonen und die Stiftung insgesamt 6125 Euro. Die Sammlung für die Gestaltung des historischen Bahntunnelportals spendeten die Eppsteiner 1800 Euro. Das stockte die Stiftung auf 3780 Euro auf. Weitere 2400 Euro spendeten die Eppsteiner für die bereits 2020 mit über 11 300 Euro an Spendengeldern finanzierte Aktion „1000 Bäume für den Stadtwald“. Jeweils 1000 Euro gab die Stiftung für die Organisation des Holzbildhauersymposiums im vergangenen Jahr und die Jugendhilfe oder den Kauf einer Holzkegelbahn für die Seniorenresidenz.

Aus den Rücklagen des Eppstein Fonds wurden im vorigen Jahr knapp 10 000 Euro entnommen, um bedürftige Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Zuschüsse gab es beispielsweise für Unterricht an der Musikschule, Ferienaktivitäten von Jugendlichen, ein privates Studienstipendium, für eine Autorenlesung an der Comenius-Schule und für den Kauf von Tablets für Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule.bpa

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