Monika Schäfer: „Ich habe mich auf die Menschen gefreut“

Monika Schäfer (li.) und Nachfolgerin Britta Demirtas.
            Foto: Beate Schuchard-Palmert

Monika Schäfer (li.) und Nachfolgerin Britta Demirtas.

Foto: Beate Schuchard-Palmert

Monika Schäfer hat als Pfarrsekretärin historische Zeiten mit etlichen Umbrüchen, dem Missbrauchsskandal im Bistum Limburg und zuletzt rasant sinkenden Mitgliederzahlen in der katholischen Kirche erlebt: Eingestellt wurde sie zum 1. Oktober 1999 in Bremthal,...

... wo sie in der damals noch eigenständigen Pfarrei St. Margareta mit Pastoralreferent Mathias Wolf zusammenarbeitete. 2007 wechselte sie ins Pfarrhaus St. Laurentius in Eppstein, wo sie zunächst für die vier selbstständigen Kirchengemeinden Ehlhalten, Eppstein, Niederjosbach und Vockenhausen zuständig war – bis 2010 unter dem später des Missbrauchs beschuldigten Pfarrers Fritz B. Die Vorwürfe stammen aus der Zeit bevor B. nach Eppstein kam. Dennoch: „Das hat mich sehr betroffen gemacht und schockiert“, erinnert sie sich.

Unter der Leitung des danach eingesetzten Pfarrverwalters Pater Gaspar Minja Oss erlebte Monika Schäfer 2012 den Zusammenschluss von fünf Kirchengemeinden zur Großpfarrei Eppstein mit Bremthal und Wildsachsen, zusammen mit Kollegin Brigitte Schießer, die ebenfalls in Bremthal wohnt. 2022 wurde Pater Gaspar abberufen, Pfarrer Helmut Gros übernahm die Pfarrei Eppstein, die 2023 zur Großpfarrei mit Hofheim, Kriftel, Eppstein zusammengelegt wurde.

Trotz der vielen Veränderungen in diesen Jahren innerhalb der Pfarrei und der Kirche könne sie sich an keinen Tag erinnern, an dem sie lustlos zur Arbeit gekommen sei, sagt Schäfer: „Ich habe mich immer auf die Arbeit und auf die Menschen gefreut.“ Selbst während der Corona-Pandemie, als sie zeitweise abwechselnd mit Schießer Bürodienst machte, „Damit wir keinen Kontakt hatten“. Später, nach den ersten Lockerungen, führten sie Gottesdienstlisten, damit jeder Kirchenbesuch nachvollziehbar war, legten Hygienevorschriften für jede Kirche aus. Ein enormer organisatorischer Aufwand. Und dennoch bröckelte die Zahl der Katholiken in Eppstein weiter. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sie kontinuierlich abnimmt: 2012 zählten die fünf Eppsteiner Kirchengemeinden noch 5000 Mitglieder, Ende 2024 waren es noch knapp 3500. Die Großpfarrei Hofheim zählt laut Bistum Limburg aktuell rund 13 730 Mitglieder.

Wegen der zunehmenden Digitalisierung der Verwaltung sei die Arbeit immer spannend geblieben, sagt Schäfer: Die Umstellung des Meldewesens oder der Kassenbücher habe die Arbeit vereinfacht. Geblieben seien die Kirchenbücher, die wie seit Jahrhunderten geführt werden: Sämtliche Lebensdaten der Eppsteiner Katholiken, „von der Wiege bis zur Bahre“, sagt Schäfer, werden dort nach wie vor per Hand eingetragen.

Besonders eng war die Zusammenarbeit mit Brigitte Schießer, die vor einem Jahr in Rente ging. Schießer war Schäfers Nachfolgerin 2007 in Bremthal und später ihre Kollegin in Eppstein: „Wir haben uns auf Zuruf verstanden“. Die beiden Bremthalerinnen fuhren jeden Mittwochmorgen um 6.30 Uhr zum Schwimmen nach Wiesbaden und von dort direkt ins Pfarrbüro: Zunächst nach Eppstein und zuletzt nach Hofheim. „Das Schwimmen behalten wir bei“, betont Schäfer.

Gelernt hat Monika Schäfer Bürokauffrau im Hotelfach und kam dafür von Karlsruhe, wo sie aufgewachsen ist, nach Frankfurt. Ihren singenden badischen Dialekt habe sie all die Jahre nicht ganz ablegen können, sagt sie lachend. Später arbeitete sie in England, Luxemburg und in Monte Carlo, bis sie zurück in Frankfurt ihren Mann kennenlernte. 1988 zogen die beiden nach Bremthal, wo ihre beiden Kinder aufgewachsen sind. Neun Jahre habe sie beruflich pausiert und war froh, als sie danach eine Halbtagsstelle im Pfarrbüro fand.

„Wenn ich mich dort am Telefon mit Schäfer in der Schäfergasse meldete, und scherzhaft sagte: Der Name war Voraussetzung für die Einstellung, war das Eis schon gebrochen“, erinnert sie sich lachend. Für die Familie sei ihre Arbeitsstelle am Heimatort ein echter Luxus gewesen. „Ich war ja immer erreichbar“, erinnert sie sich.

Auch für die Gläubigen war sie eine wichtige Anlaufstelle: „Als ich anfing 1999 und weit bis in die 2000er Jahre hinein, waren wir Pfarrsekretärinnen für alles und alle zuständig“, erinnert sich Schäfer. Jede Geburts- und Sterbemeldung in der katholischen Kirche in Eppstein ging über ihren Tisch, aber auch Sternsingersammlung, St. Martins-Umzug und Kommunion-Anmeldung. „Wir kannten noch alle Kinder persönlich. Heute fehle der Gesamtüberblick. Denn vieles läuft über das zentrale Pfarrbüro und die Sekretärinnen sind auf bestimmte Themen spezialisiert.

Auch wenn die Eppsteiner die „kleine Fusion“ der fünf selbstständigen Kirchorte zur Pfarrei Eppstein 2012 erst nach heftigen Diskussionen akzeptierten, stellte Schießer fest, dass das zentrale Pfarrbüro in Alt-Eppstein schnell etabliert war. Das historische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert habe Charme und sei gut mit S-Bahn und Auto zu erreichen.

Seit dem Zusammenschluss zur Pfarrei Hofheim-Kriftel-Eppstein öffnet es nur noch zweimal in der Woche und für Gesprächstermine. Das bleibt auch so. Denn seit 1. Januar ist Britta Demirtas als Pfarrsekretärin für die Eppsteiner Kirchorte zuständig und zweimal pro Woche in Eppstein. Allerdings haben sich die Tage geändert: Sie ist mittwochs und freitags jeweils von 9 bis 12 Uhr im Pfarrhaus in der Burgstraße 31 anzutreffen.

Die 46-jährige gelernte Bankkauffrau stammt aus Langenhain und wohnt mit Ehemann und zwei Töchtern in Lorsbach. Seit August 2023 arbeitet sie im zentralen Pfarrbüro in Hofheim in Teilzeit und ist für den Verwaltungsrat und das Finanzteam zuständig. Jetzt kommen die fünf Eppsteiner Kirchorte hinzu. Sie freue sich darauf, neue Menschen kennenzulernen und auf den Gottesdienst am kommenden Sonntag, 25. Januar, um 9 Uhr in der St. Laurentius-Kirche. Dort wird Britta Demirtas offiziell vorgestellt und Monika Schäfer wird mit anschließendem Sektempfang verabschiedet. bpa

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