Die Gemeinde, derzeit noch eingebettet in „paradiesische“ Verhältnisse, stehe vor der Frage, wie es weitergehe nach der Pensionierung von Pfarrerin Heike Schuffenhauer im Zuge der Zusammenarbeit oder gar Fusion mit den Kelkheimer Gemeinden.
Rund 40 Gemeindemitglieder beteiligten sich teils lebhaft an dieser Diskussion im Anschluss an den Gottesdienst am vergangenen Sonntag. Die Stimmungslage war gemischt: Einige schauen nach vorne und wollen Kirche neu denken, andere brachten in Anbetracht der immensen Aufgaben eher Skepsis zum Ausdruck.
Die Chance, bald eine Nachfolge für die Pfarrerin zu finden, schätzt der Kirchenvorstand als gering ein, denn der Nachwuchs fehle. Schuffenhauer berichtete, sie habe das Gemeindeleben so organisiert, dass viele Angebote wie die Konzerte in der Talkirche, um die sie sich auch in Zukunft gemeinsam mit Philip Sladdin kümmert, oder das Familienzentrum bestehen bleiben. Die festen Gruppen könnten auch ohne ihre Unterstützung weitermachen: der Hinterbliebenenkreis, der Diakoniekreis oder das Männer-Forum. Die Gottesdienste und die seelsorgerische Arbeit übernehmen bis zum Jahresende hilfsbereite Menschen, doch weitere Helfer werden benötigt, solange für Schuffenhauer kein Ersatz gefunden ist.
„Wer hätte Lust an alternativen Gottesdiensten mitzuwirken“, fragte sie in die Runde. Fünf Interessenten meldeten sich, die eine aktive Rolle übernehmen können und wollen. Mehrere Gemeindemitglieder machten den Vorschlag, keine Perfektion zu erwarten und Kirche neu zu denken. „Wir können in anderer Form zusammenkommen“, sagte eine Teilnehmerin, „es liegt an jedem von uns, Kirche lebendig zu machen und die Gemeinschaft zu erhalten“. Es könne auch ein Kirchencafé oder Mitmachangebote geben. Wieder andere möchten solche „Events“ als Ergänzung zum Gottesdienst verstanden wissen.
Auf eigene ausgebildete Prädikanten bzw. Laienprediger kann die Gemeinde derzeit nicht zurückgreifen. Auch die Kelkheimer Gemeinden werden keinen Pfarrer schicken können, da die Kapazitäten nach dem Wechsel von Pfarrerin Elisabeth Paulmann zu gering sind. Dennoch werde es für die Kasualien wie Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen eine Vertretung geben.
Derzeit wird eine „Pfarrperson für eine ganze Stelle“ gesucht, die sowohl Eppstein als auch eine Gemeinde in Kelkheim abdeckt. Denkbar ist auch eine 50 Prozent-Stelle nur für Eppstein. Dass diese Position künftig nur noch halb besetzt wird, liegt an den abnehmenden Mitgliederzahlen. Zu Beginn der Tätigkeit von Schuffenhauer vor 33 Jahren lag sie bei etwa 2000 Mitgliedern, 2024 waren es nur noch 1446.
In welcher Form die Bildung des Nachbarschaftsraumes mit den Kelkheimer Gemeinden vollzogen wird, so war der Diskussion zu entnehmen, werde derzeit verhandelt. Drei Rechtsformen sind möglich: die Fusion aller ehemaligen Kirchengemeinden, eine Gesamtkirchengemeinde oder das Modell der Arbeitsgemeinschaft. Die Talkirchengemeinde hat die Möglichkeit, die Verträge mitzugestalten. Bis Ende März kann der Kirchenvorstand den entsprechenden Satzungsentwurf für die Zusammenarbeit bei der EKHN einreichen bevor er die Instanzen durchläuft.
„Was passiert mit dem Kapital der Stiftung Talkirche“, fragte ein Teilnehmer. „Das Kapital ist zweck- und ortsgebunden“, versicherte Boris Mirow, Mitglied des Kirchenvorstandes, auch wenn noch nicht sicher sei, welche Rechtsform die Talkirchengemeinde eingeht. Eine andere Frage bezog sich auf die für 2027 geplante Übernahme von Kindergarten und Kinderkrippe in eine Gemeindeübergreifende Trägerschaft, kurz GüT. Mirow erklärte, dass viele Gemeinden nicht mehr in der Lage seien, sich um Leitung und Verwaltung der Einrichtungen selbst zu kümmern. Die Abgabe der Aufgaben schlage sich nieder auf die Zuweisung von Mitteln.
„Bleibt das Pfarrhaus samt Gemeindebüro erhalten?“ lautete eine weitere Frage. Schuffenhauer erklärte, dass die Assistenzkraft in jedem Fall weiterbeschäftigt werde. Die EKHN werde aber Renovierungsmaßnahmen des Gemeindebüros nicht mehr mitfinanzieren und die Sanierung der Wohnräumlichkeiten in den oberen Stockwerken vermutlich nur noch einmal.
Die scheidende Pfarrerin machte den Anwesenden Mut: „Jetzt kann etwas Neues wachsen und wir müssen erzählen, wie gut es hier ist.“ Diese Begeisterung zu teilen, könne nicht nur Aufgabe des Pfarrers sein. Alle seien gefragt, Leute anzusprechen und vor allem die Jugend ins Boot zu holen. Eltern sehen die Bindung ihrer Kinder an die Gemeinde eher zwiespältig: Für die Jugend sei sie nicht abstoßend, aber bisher auch nicht so einladend.
Christiane Uhlendorf, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand, machte immer wieder deutlich, wie wichtig es sei, dass sich die Gemeindemitglieder beteiligen und den Kirchenvorstand in all seinen Aufgaben unterstützen. Dies betreffe auch die Frage, wer künftig zum Beispiel die Texte zur Ankündigung von Treffen und Veranstaltungen der Gruppen redigiere.mi


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