Instrument Stimme: Mit Abstand gemeinsam singen

Eine Chorprobe unter Corona-Bedingungen, Birgit Schmickler singt wieder mit ihrem Kinder- und Jugendchor „Instrument Stimme“. Foto: Simone Pawlitzky

Der Nebeneingang der Niederjosbacher Kirche St. Michael ist weit geöffnet und frische Luft weht herein. Schön klingt es, als acht Mädchen „Gott malt mit bunten Farben und liebevoller Hand seinen Regenbogen über unser Land“ singen. Begleitet werden sie von Birgit Schmickler am Klavier.

Anfang September hat der Kinder- und Jugendchor „Instrument Stimme“ seine Proben wieder aufgenommen. Und die Freude nach monatelanger Pause ohne gemeinsame Proben und Auftritte war umso größer als Birgit Schmickler wieder zur ersten „echten“ Chorprobe in der Kirche einlud.

„Den Kontakt haben wir in den vergangenen Monaten gehalten“, erklärte die Chorleiterin. An ihre Chorkinder verschickte sie regelmäßig Nachrichten, versendete selbst gedrehte Videos mit Liedern zum Mit- und Nachsingen und lud zur Online-Chorprobe ein. Ein erstes Wiedersehen vor den Sommerferien beim Open-Air-Singen mit viel Abstand in ihrem Garten machte schließlich Hoffnung auf mehr.

„Ich hoffe sehr, dass wir uns unter den besonderen Bedingungen trotzdem richtig wohl fühlen“, schrieb sie ihren kleinen und großen Sängerinnen und Sängern, denn natürlich hat sich die Chorprobe verändert. So wurde sie als erstes vom Gemeindezentrum in die Kirche verlegt. Hier sind für die Gottesdienstbesucher bereits Plätze mit Abstand ausgemessen und markiert. „Drei Meter Abstand in alle Richtungen ist die Vorgabe vom Bistum Limburg zur Wiederaufnahme von Chorproben“, erzählte Birgit Schmickler.

„Damit wir aber trotz des Abstandes eine gewisse Nähe haben“, teilte sie die Gruppe mit den Kindern bis zur dritten Klasse in zwei Probengruppen und maximal acht Kindern auf. „Bei mehr als acht Kindern sind einige einfach zu weit weg“, stellte sie fest.

Für ausreichend Desinfektionsmittel ist gesorgt. „Ich hole die Kinder zum Stundenbeginn am Kirchenhaupteingang ab, dort können sie die Hände desinfizieren und gehen mit Maske zum Platz.“ Hier legen die Kinder dann ihre Masken zum Singen ab. Bevor die nächste Probe startet, wird gelüftet „und die hohe Raumhöhe ist absolut von Vorteil“ weiß Birgit Schmickler. Außerdem gibt es keinen Gegenverkehr, denn die Kinder betreten die Kirche durch den Haupteingang und verlassen sie durch den Nebenausgang.

Die Mädchen und Jungen selbst haben sich schnell an das Prozedere gewöhnt, denn schließlich geht es ums gemeinsame Singen. Für die dritte Chorgruppe, die Großen ab der vierten Klasse, werde es nicht jede Woche eine Probe geben. „Mit ihnen möchte ich gerne immer wieder projektweise proben“, erklärte Birgit Schmickler. Schon bald könne sie sich vorstellen, dass drei oder vier Sängerinnen und Sänger beispielsweise einen Gottesdienst mitgestalten, denn dort dürfe die Gemeinde weiterhin nicht gemeinsam singen.

Durch die neuen Bedingungen habe sich auch ihre Arbeit zeitlich ausgedehnt, erklärte Birgit Schmickler. Nicht nur, dass sie mittlerweile zweimal wöchentlich Musikunterricht in der Comenius-Schule gebe, auch in der Dom-Singschule in Frankfurt gehe ihre Arbeit weiter, durch die Abstandsregeln jedoch viel mit Einzel-Stimmbildung, was früher in der Gruppe absolviert wurde.

Die Kinder in der Niederjosbacher Kirche genießen den hohen Raum der Kirche und ihre Akustik. Durch ihre früheren Auftritte sind die meisten mit der Kirche vertraut und „können sich mit ihrer Stimme ausbreiten“. Und sie trauen sich, auch mal Stimmübungen und Zeilen einer Strophe alleine zu singen.

Als Birgit Schmickler nach einer halben Stunde das vertraute Lied „Fertig, fertig, Schluss und aus…“ anstimmte, kam es gleich enttäuscht aus den Reihen „Was, jetzt schon?“. Anita, Christina und Emma waren sich einig, dass dreißig Minuten eigentlich zu wenig sind. Sie würden gerne noch mehr singen und freuen sich schon auf die nächste Chorprobe.pw

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