Gertrud Löns will Eppstein-Fonds bekannter machen

Ehrenbürgerin Gertrud Löns möchte junge Menschen mit ihrer Stiftung unterstützen. Eine gute Bildung liegt der ehemaligen Diplom-Handelslehrerin besonders am Herzen. Foto: Beate Schuchard-Palmert

Bürgerstiftung, die beiden kirchlichen Stiftungen der Emmaus- und der Talkirchengemeinde sowie der sozial engagierte Lions Club sind in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut worden.

Jede dieser Organisationen hat auf ihre Weise neue Impulse in Eppstein gesetzt, Veranstaltungen initiiert und Gutes bewirkt. In jüngster Zeit ist dabei der Eppstein-Fonds fast in Vergessenheit geraten, eine Stiftung, die das Ehepaar Gertrud und Jürgen Löns 2010 ins Leben gerufen hat.

Da beide auch Gründungsmitglieder der Bürgerstiftung sind, haben sie den Eppstein-Fonds als Treuhandstiftung der Bürgerstiftung angegliedert. Das Startkapital aus einer Erbschaft in Höhe von 205 000 Euro ist inzwischen auf 300 000 Euro angewachsen. Mit den Zinsen unterstützt diese Stiftung Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre aus finanzschwachen Familien, damit sie Bildungsangebote wie Musikunterricht, Sportförderung, Studienstipendien und Förderunterricht erhalten, an Klassenfahrten oder Mittagessen in der Schulbetreuung teilnehmen können. Rund 5 000 Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung.

Voraussetzung für eine Unterstützung ist ein Bezug der Bedürftigen zu Eppstein: Die Geförderten müssen entweder in Eppstein wohnen oder eine Schule, einen Verein oder eine andere Einrichtung in Eppstein besuchen, für die sie eine Förderung benötigen. Solche Einzelfallhilfen wurden in den vergangenen Jahren zunehmend weniger angefragt. „Selbst von der Musikschule kamen weniger Anfragen“, bestätigt Christina Cantzler, die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, über deren Schreibtisch sämtliche Anträge laufen.

Die Idee für die Stiftung entstand durch Gertrud Löns’ ehrenamtliche Tätigkeit zunächst bei der Hausaufgabenhilfe an der Grundschule, später als Nachhilfelehrerin für Kinder mit sprachlichen Schwierigkeiten. Die ehemalige Diplom-Handelslehrerin hatte dabei immer das Wohl ihrer Zöglinge im Blick. Nachhilfe gab sie auch noch nach dem Tod ihres Mannes 2019. Doch seit Corona ist es ruhig geworden in Gertrud Löns’ Haus. Nur noch zwei Jungen aus Eppstein kommen regelmäßig zur Hausaufgabenhilfe.

Gertrud Löns erinnert sich gern an die vielen jungen Menschen, die früher bei ihr ein und aus gingen. Eine junge Türkin habe sie darin bestärkt, nach der Realschule das Abitur zu machen. Sie ist inzwischen Lehrerin, im April ist Hochzeit. Zwei andere junge Männer, die sie noch während des Studiums unterstützte, sind Lehrer und Diplom-Ingenieur geworden.

Die Bürgerstiftung will nun über Öffentlichkeitsarbeit verstärkt auf den Eppstein-Fonds für Kinder und Jugendliche aufmerksam machen. „Wichtig ist, dass sich Schulen, Vereine, Jugendarbeit oder die Familien an uns wenden, wenn sie sehen, dass junge Menschen finanzielle Förderung benötigen“, sagt Cantzler. Sie ist für Interessenten erreichbar per E-Mail unter christina.cantzler[at]gmx[dot]de

Sie will auch am runden Tisch der sozial Engagierten in Eppstein für den Fonds werben. Die Bedürftigkeit müsse nachweisbar sein, allerdings seien keine bürokratischen Anträge nötig. So habe die Musikschule früher einen festen Betrag erhalten, den sie für Kinder und Jugendliche aufwenden konnte, entweder für Musikunterricht oder ein Instrument.

Cantzler bedauert, dass es inzwischen so wenig Resonanz auf den Eppstein-Fonds gibt. Dabei ist das Lebenswerk von Jürgen und Gertrud Löns beeindruckend: 2017 ernannte die Stadt die Eheleute wegen ihres vielfältigen sozialen und gesellschaftlichen Engagements zu Ehrenbürgern, den ersten seit Gründung der neuen Stadt Eppstein 1977. In Bürger- und Talkirchenstiftung waren Gertrud und Jürgen Löns Gründungsstifter und gründeten 2010 ihre eigene Treuhandstiftung „Eppstein-Fonds“. Außerdem gehören die beiden zu den Gründern der Musikschule 1972, des Kulturkreises 1980, des Vereins Miteinander-Füreinander 1998 und des Burgvereins 1974, den Jürgen Löns fast zehn Jahre lang leitete.

Ihren Wahlspruch „Wer anderen Gutes tut, tut sich selbst etwas Gutes“ hat Gertrud Löns von ihrer Großmutter Bertha Froelich übernommen, die sich auch schon um bedürftige Eppsteiner Familien gekümmert hat. Darüber hinaus waren beide jahrzehntelang politisch in der SPD aktiv: Jürgen als Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender, Gertrud als Stadtverordnete und als Ortsbeiratsmitglied.

Zweimal wurde Gertrud Löns nach Berlin eingeladen: 2011 erhielt sie für ihr Lebenswerk den Deutschen Bürgerpreis, die höchste Auszeichnung der Sparkassen-Finanzgruppe, der von der damaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan im ZDF-Hauptstadtstudio überreicht wurde. 2013 verlieh Bundespräsident Joachim Gauck Gertrud Löns in Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. bpa

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