Bürgerstiftung plant Markt der Möglichkeiten und Jugendpreis

Therese Heidenreich, Karin Pritsch und Anke Jurk (v.re.) diskutierten über die unterschiedlichen Geschmacksnoten der Weine. Foto: Beate Schuchard-Palmert

Die veränderte Situation in der Finanzwelt spiegelt sich auch in den Finanzen der Bürgerstiftung wieder: Steigende Zinsen und Auswirkungen der Wirtschaftssituation auf Aktienfonds führten im vorigen Jahr erstmals seit Gründung der Stiftung dazu, dass die Bilanzsumme niedriger ausfiel als im Vorjahr: Am Jahresende 2022 betrug sie mit 578 343 Euro, rund 50 000 Euro weniger als Ende 2021 mit 635 970 Euro.

Kassenwart Thomas Giese wies in seiner Bilanzrede vor rund 40 Besuchern der Stifterversammlung im Blauen Saal im Rathaus Vockenhausen darauf hin, dass andererseits die Kursschwankungen auf dem Aktienmarkt in den Vorjahren dazu geführt hatten, dass die Stiftung dem Stiftungskapital satte Zugewinne hinzufügen konnte.

275 000 Euro beträgt der Anteil der Treuhandstiftung Eppstein Fonds zur Förderung bedürftiger Kinder und Jugendlicher am Kapital der Bürgerstiftung. Aus dieser von Jürgen und Gertrud Löns gegründeten Stiftung wurden im vergangenen Jahr rund 6000 Euro für Stiftungszwecke eingesetzt: Dazu gehören Zuschüsse für den Unterricht an der Musikschule, Nachhilfeunterricht für einzelne Schüler und Mittel für besonders bedürftige Schüler fürs Schulessen oder Beihilfen fürs Studium.

Die Bürgerstiftung hat im vergangen Jahr knapp 9200 Euro für verschiedene Hilfsprojekte ausgegeben: je 1000 Euro für den Jugendpreis und fürs Car-Sharing-Angebot, Mittel für die Stadtbücherei, weitere 1000 Euro wurden zur Unterstützung des Künstlerwettbewerbs gewährt. 4300 Euro wurden über die Weihnachtshilfe gesammelt und über die Stadt an Bedürftige weitergegeben.

Hinzu kamen etliche kleinere Summen, beispielsweise für eine Autorenlesung an der Comenius-Schule, das Sprach-Café im Familienzentrum oder für den Hospizverein Horizonte.

Sehr gut etabliert habe sich der Berufsfindungstag, den die Bürgerstiftung seit vielen Jahren mit der Freiherr-vom-Stein-Schule für die Jahrgänge 8 und 9 organisiert. „Wir haben viele Unternehmen, die schon wieder in den Startlöchern stehen, darunter auch etliche neue Interessenten“, sagte Martin Pritsch, der die Organisation koordiniert.

Gute Nachrichten auch für den Jugendpreis der Stiftung: „Obwohl wir den Preis noch gar nicht ausgeschrieben haben, haben wir schon die ersten Bewerbungen“, freute sich Stiftungsvorsitzende Christina Cantzler.

Giese räumte ein, dass die Spendensumme im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedriger ausfalle. Damals setzte die Stiftung insgesamt über 32 000 Euro an direkten Spendengeldern und Zinsen für die verschiedenen Projekte ein. Das größte Einzelprojekt 2021 war die erfolgreiche Aktion „1000 Bäume für den Stadtwald“. Am Ende wurden mehrere tausend Bäume gepflanzt und Geld für Nachpflanzungen und die künftige Pflege dieser Schonungen zurückgelegt.

Große Hoffnung setzt Cantzler auf die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Organisationen wie Miteinander-Füreinander, Asylkreis oder Familienzentrum. „Wir haben alle ähnliche Probleme“, sagte Cantzler und nannte vorrangig das Problem, jüngere Menschen für eine kontinuierliche Mitarbeit zu gewinnen. So plane der Arbeitskreis möglicherweise noch im Herbst einen „Markt der Möglichkeiten“ als erste gemeinsame Aktion.

Wenn es nicht gelingt, in den kommenden Jahren einen jüngeren Vorstand aufzustellen, „müssen wir Vorsorge treffen und die Satzung entsprechend vorbereiten“, kündigte Cantzler an. Auch der Internetauftritt sei für viele Vereine und Organisationen ein Problem. Eine professionelle Gestaltung könnten sich ehrenamtlich arbeitenden Gruppen kaum leisten. „Möglicherweise finden wir gemeinsam eine Lösung“, sagte sie. Neuestes Stiftungs-Projekt ist die künstlerische Gestaltung der Stromverteilerkästen der Syna. Dafür wurden in allen Stadtteilen je zwei Kästen ausgewählt, die von Eppsteiner Künstlern verschönert werden.

Einen künstlerischen Beitrag zur Stifterversammlung lieferte die Bremthaler Künstlerin Rita Quack. Sie hatte der Bürgerstiftung etliche Drucke und Zeichnungen überlassen. Die Kunstwerke lagen im Blauen Saal zur Ansicht aus und wurden gegen eine Spende zugunsten der Stiftung abgegeben.

Um neue Stifter zu gewinnen, plant der Stiftungsvorstand um Christina Cantzler eine grundsätzliche Änderung: Er will die Höhe der Zustiftung von 1000 Euro auf 250 herabsetzen, um einen Anreiz für jüngere Menschen zu bieten, Stifter zu werden und damit stimmberechtigtes Mitglied in der Stifterversammlung. bpa

Baumpflanzaktionen 2023

Zusätzlich zu den rund 6000 Eichen, die schon 2021 dank der Spendenaktion der Bürgerstiftung auf einer Schonung bei Niederjosbach gepflanzt wurden, hat Eppsteins Revierförster Peter Lepke im Nonnenwald und in der Mark bei Oberjosbach größere Flächen aufgeforstet, die durch Dürre und Stürme stark verwüstet wurden. Auch im Frühjahr 2023 wurden die Pflanzaktionen, so Lepke fortgesetzt: Im Nonnenwald, nordwestlich von Ehlhalten und in der Mark wurden 2850 Douglasien, 8000 Kiefern, 3300 Buchen, 7000 Eichen und 1000 Hainbuchen gesetzt. Für diese Pflanzungen hofft die Stadt auf Fördergeld der Landesregierung.

Laut Revierförster Peter Lepke haben sich die Eichen in Niederjosbach gut entwickelt, obwohl ein Sturm gleich im ersten Jahr einen Baum auf den Schutzzaun umstürzen ließ. Im Herbst werde er einige Bäume nachpflanzen, sagte Lepke, mit Ausfällen bei Jungpflanzen müsse man immer rechnen.

Wie berichtet, hat Ehlhaltens Kerbegesellschaft eine stattliche Summe aus den Einnahmen bei ihrer Kerb gestiftet und kam im Frühjahr mit über 50 Helfern zur Pflanzaktion. Auch Eppsteiner Schüler spendeten mehrere hundert Euro und pflanzten einen Vormittag lang junge Bäume.

Weitere Artikelbilder:

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
1 + 0 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.


X