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Beißattacke in Bremthal – Zahl der Hunde deutlich gestiegen

Die zweijährige Mischlingshündin Elsa wurde von einem anderen Hund schwer verletzt.

Zwei frei laufende Hunde gerieten am Samstag vor einer Woche im Bremthaler Feld so heftig aneinander, dass beide Tiere ärztlich versorgt werden mussten. Die Strecke im Seyenbachtal ist eine beliebte Auslaufstrecke für Hundebesitzer. Trotzdem waren beide Hunde nicht angeleint.

Der Bremthaler Thomas Gronenthal, der Besitzer des kleineren Hundes, eines etwa acht Kilo schweren Mischlings, schilderte der Eppsteiner Zeitung, wie sich ein deutlich schwererer und größerer Staffordshire-Mischling anscheinend ohne Grund auf den kleinen Mischling stürzte. Der Kampf der beiden Hunde habe sich über eine Strecke von rund 300 Metern hingezogen. Erst als er sich einmischte und den fremden Hund in den Würgegriff nahm, habe dieser von seiner zweijährigen Hündin Elsa abgelassen, berichtete Gronenthal.

Elsa kam laut Gronenthal nur knapp mit dem Leben davon: In der Tierklinik in Hofheim attestierte ihr der Arzt einen gebrochenen Halswirbel und zahlreiche Bisswunden. Außerdem hat der Hund seit dem Angriff ein Angsttrauma. Dabei sei der kleine Mischling bei den Kindern rund um Hessenring und Kantstraße beliebt und stehe auch mit allen anderen Hunden im Viertel auf „bester Pfote“, sagte Gronenthal.

Der knapp zwei Jahre alte Hund lebe seit gut einem Jahr bei der Familie. „Wir haben Elsa während eines Urlaubs bei der Familie meiner Frau in Russland kennengelernt und uns wegen ihres sonnigen Wesens sofort in sie verliebt“, erzählte der Familienvater.

Der Führer des anderen Hundes habe zu keiner Zeit den Staffordshire im Griff gehabt, sagte Gronenthal. Wie sich herausstellte, handelte es sich um den Freund der Hundebesitzerin. Den Staffordshire hat sie erst im vorigen Herbst aus dem Tierheim geholt.

Den Wesenstest, den er benötigt, wenn er ohne Leine laufen soll, habe er aber gut bestanden, sagt sie. Sie könne sich nicht vorstellen, dass ihr Hund ohne Grund so aggressiv geworden sei. Es tue ihr sehr leid, was an diesem Tag geschehen ist. Wie es dazu kam, „das wissen nur die beiden Hunde“, sagte sie. Auch ihr Hund sei gebissen worden und musste vom Arzt versorgt werden.

Eine Verständigung sei jedoch bislang nicht möglich, sagte die Besitzerin. Ihr Freund habe Name und Adresse genannt, der andere Hundebesitzer habe sich jedoch geweigert, ihm seine Kontaktdaten zu geben. Sie wusste zunächst auch nicht, wie schwer der andere Hund verletzt wurde.

Seinen Namen und Telefonnummer habe er nicht genannt, weil der Führer des Staffordshire-Mischlings seine Familie bedroht habe, berichtete der Familienvater und sagte: „Kaum auszudenken, wenn in dieser Situation tatsächlich ein Kleinkind anwesend gewesen wäre.“

Staffordshire-Terrier und deren Mischlinge zählen in Hessen zu den sogenannten Listenhunden, Gronenthal spricht von „Kampfhunden“, das ist jedoch keine offizielle Bezeichnung, sondern geht auf die in Deutschland längst verbotene Zucht spezieller Hunderassen für Tierkämpfe zurück. Deshalb fragte sich Gronenthal, warum der Hund überhaupt ohne Leine unterwegs war. Er erstattete gleich am darauffolgenden Montag beim Ordnungsamt eine Anzeige. Das Anhörungsverfahren sei eingeleitet, bestätigte die zuständige Mitarbeiterin Manuela Schneider-Melis.

Das ist nicht der erste bekannte Vorfall in Eppstein, bei dem ein Hund einen anderen anscheinend ohne Grund angefallen hat. Vor vier Jahren, wenige Tage nach Weihnachten 2014, stürzte sich ein Schäferhund mitten in Bremthal aus einem offenen Hoftor auf einen viel kleineren Chihuahua und schnappte zu. Die schwer verletzte „Coco“ starb kurz darauf beim Tierarzt.

In Eppstein sind aktuell 798 Hunde gemeldet, das sind fast 150 Tiere mehr als noch vor vier Jahren und entspricht einer Zunahme während dieser Zeit von über 20 Prozent. Nur 13 der gemeldeten Hunde sind sogenannte Listenhunde, die außerhalb des eigenen Grundstücks an der Leine gehen müssen, es sei denn, sie legen einen positiven Wesenstest ab.

In Hessen gibt es zwar eine Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden, aber keinen Leinenzwang. Die Verordnung legt jedoch fest, welche Hundearten als besonders gefährlich eingestuft werden. Auf dieser Liste stehen unter anderem Kangal, Bullterrier und Staffordshire-Terrier und deren Mischlinge. In Eppstein müssen Halter solcher als gefährlich eingestufter Hunde 624 Euro Hundesteuer pro Jahr bezahlen. Für andere Hunde beträgt sie 72 Euro.

Grundsätzlich dürfe die Ordnungsbehörde auch bei einer positiven Wesensprüfung für jeden Hund das Führen an der Leine oder das Tragen eines Maulkorbs anordnen, wenn es Gründe dafür gibt, sagte die zuständige Dezernentin, Erste Stadträtin Sabine Bergold. Eine Anhörung dient unter anderem dazu, dies festzustellen.

Die offizielle Beißstatistik für Hessen zeigt, dass 2016 und 2017 jeweils rund 300 Hunde von anderen Hunden gebissen wurden. 2016 wurden 36 Vierbeiner von ihren Artgenossen zu Tode gebissen, 2017 waren es 26. Die hessische Beißstatistik führen übrigens mit Abstand die Schäferhunde und Schäferhundmischlinge an, die nicht als Listenhunde geführt werden.

Deutschlandweit gibt es Kritik an den sogenannten Rasselisten und Forderungen, die Fähigkeit zur Hundehaltung, unabhängig von sogenannten Rasselisten nachzuweisen. Grundsätzlich, so die Ansicht vieler Experten, könne jeder Hund gefährlich werden. Das sei eine Frage der Erziehung. Beim Hundeführerschein werden deshalb auch die Fähigkeiten des Hundehalters getestet.

Die Schweiz beispielsweise schreibt für Menschen, die erstmals einen Hund halten wollen, die Teilnahme an einem Theoriekurs vor. Einige deutsche Städte haben zusätzliche Anreize geschaffen: Sie erlassen Hundehaltern, die einen Hundeführerschein vorweisen, die Hundesteuer ganz oder teilweise. bpa

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