Abschied mit Regenintermezzo

Die Absolventen der Realschulklasse 10a mit ihrer Klassenlehrerin Vanessa Herr (r.).Fotos: bpa

Ein heftiger Regenguss überraschte die Abschlussklassen der Freiherr-vom-Stein-Schule am Freitagnachmittag auf dem Schulhof genau in dem Moment, als sich die R10b als letzte von drei Abschlussklassen zur feierlichen Zeugnisübergabe versammeln wollte.

Schülerinnen und Schüler der R10a waren noch mit ihren Eltern auf dem Schulhof, wo sie sich an den von der achten Klasse mit Kreidezeichnungen geschmückten „Familientreffpunkten“ versammelt hatten, und flüchteten sich unter Dachvorsprünge und Zelte, bis der ärgste Schauer nachgelassen hatte.

Alle, ob Haupt- oder Realschüler, hatten sich in Schale geworfen: Die Mädchen trugen zarte Chiffonkleider, die Jungen hatten zumindest ein Hemd übergestreift, der ein oder andere kam auch im Anzug. Nach heftigem Regenintermezzo erhielten schließlich auch die Schüler der dritten Abschlussklasse ihre Zeugnisse auf dem Schulhof.

Die 17 Hauptschulabsolventen nahmen dagegen ihre Zeugnisse noch bei strahlendem Sonnenschein entgegen und verabschiedeten sich herzlich von ihrer Lehrerin Cansu Arslan. Arslan, die auch Geschichte lehrt, war sichtlich bewegt und gestand: „Ich habe meine ganze Abschiedsrede vergessen.“ So riet sie ihnen schlicht: „Behaltet euren Humor, bleibt euch selbst treu und so fair zu anderen, wie ihr es für euch selbst wünscht.“ Soleana Estifanos, mit 1,6 Klassenbeste, erinnerte sich in ihrem Schlusswort: „Ob in der Schulküche, beim Sportunterricht oder bei der Aufklärung in Biologie – wir hatten eine tolle gemeinsame Zeit“.

Vor allem das letzte Jahr sei für alle sehr emotional gewesen, sagte Soleana: „Wir haben viele Witze mit den Lehrern gemacht und waren fast wie eine Familie.“ Soleana will im nächsten Jahr ihren Realschulabschluss machen und anschließend zurück an die Freiherr-vom-Stein-Schule gehen, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Ihre Freundin Berivan Ülgey, die Lehrer André Roselt zusammen mit Amer Hackovic für ihr soziales Engagement ehrte, strebt ebenfalls einen Realschulabschluss an und möchte danach Krankenschwester werden.

Von den 17 Hauptschulabgängern haben elf einen qualifizierenden und zwei einen Hauptschulabschluss erlangt, zweimal wurde ein berufsorientierter Abschluss gemacht, zwei Schüler scheiden ohne Abschluss von der Schule. 13 Jugendliche wollen eine weiterführende Schule besuchen, ein Schüler besucht eine Praxisklasse, drei haben einen Ausbildungsplatz.

39 Realschüler nahmen am Freitag ihr Abschlusszeugnis entgegen. Als Jahrgangsbeste mit einer Durchschnittsnote von 1,7 ehrte Klassenlehrer Kay Tschirpke Nikola Ambryszewska aus der R10b, Klassenlehrerin Vanessa Herr lobte Kevin Menke mit der Note 1,8 als Klassenbester der R10a. Für besondere soziale Leistungen wurden Tim Morgenstern (R10a) und Lena Wendel (R10b) geehrt.

Schulabschluss: Ein wichtiges Zwischenziel ist erreicht

Die stellvertretende Schulleiterin Iris Matheyka erinnerte an ein ungewöhnliches Schuljahr: „Ihr wart die Ersten, die in die ansonsten leere Schule zurückkehrten und dürft heute stolz auf euch sein“. Mit dem Schulabschluss sei eine wichtige Zwischenstation „auf dem Weg zu eurem individuellen Ziel“ erreicht.

13 Schüler haben einen Realschulabschluss und 24 sogar einen qualifizierenden Realschulabschluss geschafft, zwei Schüler verlassen die Freiherr-vom-Stein-Schule ohne Abschluss. Immerhin 14 Jugendliche wollen eine Ausbildung beginnen. Zu ihnen zählt Jan Pfeiffer aus der R10a. Der junge Bremthaler beginnt im Sommer eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Er empfand das Abschlussjahr als sehr anstrengend und bedauert, dass die Klasse keine Abschlussfahrt machen konnte. Seine Klassenkameradin Christine Ernst hatte als Option die Höhere Handelsschule, entschied sich dann aber doch für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem großen Hotel in Bad Homburg. Noch einmal Schule unter Corona-Bedingungen will sie nicht erleben und hofft nun, dass sie ihre Ausbildung im Hotelgewerbe ohne allzu große Einschränkungen machen kann.

Von den Realschülern wechseln drei an die Gymnasiale Oberstufe und drei an ein berufliches Gymnasium, 15 haben einen Platz an der Fachoberschule. Viele von ihnen treffen sich nach den Sommerferien an der Brühlwiesenschule in Hofheim oder an der Konrad-Adenauer-Schule in Kriftel wieder. Dazu gehören auch Vanessa Schaaf und Clara Haschem-Agha. Sie wollen an der Brühlwiesenschule ihr Sozialassistenten-Jahr für eine spätere Erzieherausbildung absolvieren. Vanessa Schaaf hat beobachtet, dass sich die Klassengemeinschaft durch die Corona-Krise verbessert habe: „Wir haben sehr viel mehr Zeit miteinander verbracht, als sonst“, sagt sie, das habe die Gemeinschaft gestärkt. Es habe zwar keine Abschlussfahrt gegeben, bedauern auch die beiden, „aber wir haben immerhin noch zwei Ausflüge in den vergangenen Wochen gemacht.“

Die drei Gymnasialklassen mit insgesamt 59 Schülerinnen und Schülern werden am letzten Schultag feierlich verabschiedet. bpa

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