500 000 Kranke, trotzdem kaum bekannt

Die Mediziner Michael Booke und Konrad Reinhart, Projektinitiatorin Marion Pfeiffer sowie der Rettungsdienstleiter Lars Mackel präsentieren den Sepsis-Aufkleber für Rettungswagen.. Foto: Varisano-Klinik Bad Soden

Die Mediziner Michael Booke und Konrad Reinhart, Projektinitiatorin Marion Pfeiffer sowie der Rettungsdienstleiter Lars Mackel präsentieren den Sepsis-Aufkleber für Rettungswagen.. Foto: Varisano-Klinik Bad Soden

Eine rote Linie am Arm ist keine Sepsis. Und auch keine seltene „Blutvergiftung“, die nur ältere Menschen trifft. Sepsis ist ein medizinischer Notfall, bei dem jede Minute zählt. Doch viele wissen das nicht.

Die Vorreiterregion Sepsis Main-Taunus-Kreis (MTK) will das ändern – und zeigt dabei, wie nachhaltige Gesundheitsversorgung funktionieren kann. Dafür ist sie jetzt zum zweiten Mal für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Gesundheit nominiert. Initiiert wurde diese deutschlandweit einzigartige Zusammenarbeit zwischen den Varisano-Kliniken Main-Taunus und der Sepsis-Stiftung von Marion Pfeiffer aus Niederjosbach, deren Mann bis heute unter den Folgen einer nicht erkannten Sepsis leidet. Seitdem hatte Marion Pfeiffer die Vision, dass Sepsis im MTK ebenso rechtzeitig erkannt wird wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Mehr als 500 000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Sepsis, rund 140 000 sterben daran. Viele Überlebende leiden unter gravierenden Langzeitfolgen. Das erklärte Ziel der Vorreiterregion MTK lautet deshalb: „Sepsis früher erkennen, schneller behandeln, schwere Verläufe verhindern – und dadurch Leben retten und knappe Ressourcen im Gesundheitswesen schonen“, erklärt Intensivmediziner Michael Booke vom Varisano Klinikum. Sepsis führe oftmals zu Multiorganversagen, sodass Überlebende vielfach mit lebenslangen Folgen zu kämpfen haben. Ein Beispiel sind laut Booke bleibende Nierenschäden: „Jede verhinderte Dialysepflicht schont Ressourcen, die Betroffene sonst häufig ein Leben lang benötigen würden.“

Die Vorreiterregion setzt deshalb auf Schulungen für medizinisches Personal, Rettungskräfte und Bevölkerung, damit Sepsis früher erkannt und gezielt behandelt wird. Vielen ist nicht bewusst, dass jede Infektion eine Sepsis auslösen kann. Daher helfen Impfungen gegen Grippe, Corona, Herpes etc. enorm bei der Prävention von Sepsis und schweren Krankheitsverläufen.

Die Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises werden am 3. Dezember im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages in Düsseldorf ausgezeichnet.

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