20 Jahre Hospizverein werden erst im nächsten Jahr gefeiert

Franka Welle und Adriana Langeler berichten über 20 Jahre Hospizarbeit in Hofheim, Kriftel und Eppstein. Foto: B. Schuchard-Palmert

Ihre Arbeit nennen sie Sterbebegleitung, „denn wir können nicht helfen, nur begleiten“, fasst Franka Welle die Aufgaben des Hospizvereins Horizonte und seiner ehrenamtlichen Helfer zusammen.

Die gelernte Palliativfachkraft ist Mitgründerin des Vereins und blickt Anfang Oktober auf das 20-jährige Bestehen zurück. Eigentlich war für den Internationalen Hospiztag, 9. Oktober, eine große Feier mit Empfang im Hofheimer Rathaus geplant. Aus Angst vor steigender Corona-Ansteckung wurden die Besucherzahlen so niedrig gehalten, „dass wir die Feier lieber aufs nächste Jahr verschieben“, sagt Welle. Aber sie traf sich mit der Eppsteiner Zeitung, um gemeinsam mit der Vereinsvorsitzenden Adriana Langeler auf 20 Jahre Hospizarbeit zurückzublicken. Langeler ist wie Welle Fachkraft für Palliativpflege und Hospizhelferin und seit 2005 bei Horizonte aktiv.

Der Verein hat rund 360 Mitglieder. Die meisten kommen aus Hofheim, Kriftel und Eppstein. Von Anfang an beschränkte sich der Hofheimer Verein nicht auf die Kreisstadt, sondern suchte Kontakte in Eppstein und Kriftel, nahm Anfragen für Sterbebegleitung aus den drei Orten an. Dafür setzte sich damals auch Sieglinde Klotzsche ein, Hospizhelferin der ersten Stunde aus Bremthal. „Etwa ein Drittel der ehrenamtlichen Sterbebegleiter ist aus Eppstein“, berichtet Welle, ähnlich hoch sei auch der Anteil der Betreuten. Zur Zeit stehen dem Verein etwa 35 ehrenamtliche Sterbebegleiter zur Verfügung. Die meisten haben ihre Ausbildung im Verein gemacht. Manche sind schon seit Jahren dabei, andere bleiben nur kurze Zeit. Die Teilnahme an den Seminaren verpflichte die Teilnehmer nicht, im Hospizverein aktiv zu werden. „Das entscheidet am Ende des Kurses jeder für sich ganz persönlich“, betont Welle.

Der Einsatz der Hospizhelfer ist für die Betroffenen kostenlos. Sie kommen auf Wunsch nach Hause oder gehen in Pflegeheime und Kliniken, sofern die Corona-Regeln das zulassen. Sie schenken Schwerstkranken und Angehörigen Zeit, hören zu und unterstützen sie.

Feste finanzielle Unterstützung erhält der Verein aus Hofheim – 5000 Euro pro Jahr und mietfreie Büroräume im Kellereigebäude – und 1500 Euro aus Kriftel und einen Zuschuss vom Main-Taunus-Kreis. Die Unterstützung aus dem Eppsteiner Rathaus beschränkt sich auf die Kursgebühren für Ehrenamtliche aus Eppstein. „Das hilft uns nicht wirklich weiter“, meint Welle. Dankbar ist sie der Bürgerstiftung Eppstein, „die immer ein offenes Ohr für uns hat“. Für konkrete Projekte, etwa beim Kauf eines neuen Fahrzeuges oder die Büroausstattung, gibt es Zuschüsse von der Stiftung. Inzwischen zahlen Krankenkassen pauschale Beträge. Der Verein finanziert sich vor allem aus Spenden.

Obwohl die Unabhängigkeit ihren Preis hat, ist der Verein bis heute weder einer Kirche noch einer Klinik angeschlossen und will auch weiterhin autark bleiben. Gute Kontakte habe man zur Hofheimer Nachbarschaftshilfe, die sich damals sehr für die Vereinsgründung einsetzte und den ersten Büroraum zur Verfügung stellte. Gut sei auch die Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum der Talkirchen-Gemeinde. Welle: „Wir können hoffentlich endlich wieder gemeinsame Projekte organisieren.“

„Stationäre Hospize sind wichtig“, so Welle weiter und erklärt den Unterschied: „Aber unsere Arbeit setzt viel früher an.“ Die Sterbebegleiter gehen zu den Menschen, um beispielsweise mit Schwerstkranken oder Sterbenden und deren Angehörigen über den letzten Aufenthaltsort zu sprechen, sei es Klinik, Hospiz oder doch das eigene Zuhause. „Corona hat diese Entscheidung noch schwieriger gemacht“, hat Welle beobachtet. Viele Menschen scheuten sich davor, ins Krankenhaus oder in ein Pflegeheim zu gehen, aus Angst, dass Besuche der Angehörigen reglementiert oder gar verwehrt werden, wie zu den schlimmsten Lockdown-Zeiten.

Dabei hat sie durchaus Verständnis für Pflegeheime und Krankenhäuser. Jeder Besuch eines Außenstehenden birgt das Risiko neuer Infektionen. Jedes Pflegeheim gehe unterschiedlich mit den Corona-Regeln um. Das erschwere die Arbeit des Hospizvereins. Die Zahl der Begleitungen, insbesondere in Pflegeheimen oder Kliniken nahm während der Pandemie drastisch ab. Deshalb ist auch der Verein neue Wege gegangen, hat Telefonberatung für Angehörige angeboten und sogar telefonische Sterbebegleitung.

„In den ersten Monaten des Lockdowns haben viele Menschen angerufen, weil sie nicht zu ihren sterbenden Angehörigen durften“, erinnert sich Welle und führt aus, warum sie sich so dafür einsetzt, dass Menschen im Sterbeprozess nicht allein gelassen werden: „Für uns steht der einzelne Mensch im Mittelpunkt, denn der Sterbeprozess ist unumkehrbar, ist für Sterbende und Angehörige eine gemeinsame Zeit, die nie wieder nachgeholt werden kann“.

Gerade hat ein neuer Kurs für Sterbebegleiter begonnen. Er ist ausgebucht und dauert etwa ein Jahr, in dem die Teilnehmer sich in Wochenendseminaren, Abend- und Tageskursen fortbilden. Auch im Corona-Jahr wurden sechs Sterbebegleiter ausgebildet, „obwohl wir uns nur an zwei Wochenenden in Präsenz treffen durften“, berichtet Welle und fügt hinzu: „Und alle Sechs wollen bei uns bleiben“.

Der Verein freut sich über Spenden auf seinem Konto bei der Taunus-Sparkasse: DE25 5125 0000 0002 2150 71. Weitere Infos unter: www.horizonte-hospizverein.de. bpa

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