Aus „1000 Bäumen für den Stadtwald“ werden 6500 Eichen

Eichen-Pflanzung im Wald an der Verlängerung der Obergasse.

Auf eine publikumsträchtige Pflanzaktion mit ehrenamtlichen Helfern haben Stadt und Bürgerstiftung angesichts der ungebrochen hohen Pandemie-Zahlen verzichtet.

Stattdessen arbeiten sich rund ein Dutzend Pflanzer dieser Tage Reihe für Reihe durch eine knapp ein Hektar große Freifläche im Wald an der Verlängerung der Obergasse in Niederjosbach und setzen 6500 Eichensetzlinge.

Bis zum vorigen Jahr wuchsen dort hauptsächlich Fichten. Sie konnten jedoch, wie rund 60 Prozent der anderen Fichten im Stadtwald, Trockenheit und Borkenkäfer nicht trotzen und starben ab. Wie berichtet hatte der Aufruf der Bürgerstiftung zur Spendenaktion „1000 Bäume für den Stadtwald“ angesichts der offensichtlichen Waldschäden eine enorme Resonanz: Fast 13 000 Euro haben die Eppsteiner inzwischen gespendet. Stiftungsvorsitzende Christina Cantzler und Bürgermeister Alexander Simon stellten das Pflanzprojekt zusammen mit Revierförster Peter Lepke beim virtuellen Neujahrsempfang vor.

Rund 18 800 Euro kosten Einzäunung und Pflanzung des neuen Eichenhains. Davon sind die Setzlinge mit 11 000 Euro nur ein Kostenpunkt. Lepke hat außerdem Fördermittel beim Land beantragt, sodass am Ende möglicherweise noch Spendengeld für weitere Pflanzungen übrig bleibt. Gesetzt werden Traubeneichen. „Das ist die für Mittelgebirge typische Eichenart, Stileichen benötigen feuchten Boden und wachsen eher in der Ebene“, führt Lepke aus. Die zwei bis drei Jahre alten Stecklinge werden etwa alle 50 Zentimeter in langen Reihen mit einem Abstand von zwei Metern gepflanzt. Das Pflanzen ist Knochenarbeit. Mit einem Hohlspaten graben die Männer tiefe Löcher, müssen oft genug neu ansetzen, weil schon wieder ein Stein im Weg liegt. Denn der Taunusschiefer ist rund um Eppstein mit Quarzblöcken durchsetzt. Ist das Pflanzloch tief genug, wird der Eichenschößling gut 20 Zentimeter tief eingesetzt und mit der ausgestochenen Erde wieder aufgefüllt.

Trotz der festen Abstände wirkt das Pflanzgitter nicht akkurat, weil der Waldgrund uneben ist und auch nicht komplett abgeräumt wurde. Lediglich Stämme, Kronen und größere Äste wurden vor der Pflanzung beseitigt. „So schützen kleine Äste, Gestrüpp und der Nadelteppich der Fichten den Boden vor dem Austrocknen“, führt Forst-Anwärterin Marie Hennemann aus. Vor allem im Zentrum der Fläche wuchern Sträucher und kleine Bäumchen, die sich von selbst ausgesät haben. „Die Brombeeren müssen wir vielleicht in einigen Jahren ausdünnen, damit sie die jungen Eichen nicht verdrängen“, sagt Revierförster Peter Lepke. Überhauptseien die ersten Jahre besonders pflegeintensiv.

Bevor die Pflanzer mit ihrer Arbeit begonnen haben, zäunten sie in der vorigen Woche das Gelände mit einem rund 400 Meter langen Zaun aus Drahtgeflecht ein – das kostet bereits1500 Euro. Er soll Wildschweine und andere größere Wildtiere abhalten, bis die jungen Eichen nach etwa acht bis zehn Jahren ausreichend verwurzelt sind. Mindestens genauso viel Sorgen wie über die großen Baumschädlinge macht der Förster sich über die kleinen, die er nicht durch einen Zaun abhalten kann, wie Mäuse und Rüsselkäfer. Die Schermaus, eine große Wühlmausart, frisst gern die feinen Wurzeln ab, Rüsselkäfer mögen die Baumrinde.

Selbst bei optimaler Witterung werden nicht alle der frisch gepflanzten Zöglinge anwachsen. Solange der Ausfall unter zehn Prozent bleibt, sei das normal, sagt Lepke. Notfalls muss nachgepflanzt werden. Da die Eiche eine Lichtbaumart ist, sei es wichtig, dass sie in den ersten Jahren nicht von schneller wachsenden Baumarten in den Schatten gestellt wird. Aber auch die Eiche wächst schnell. Erst mit 30 bis 40 Jahren verlangsamt sich das Wachstum der Eichen. Dann werden sogenannte Zukunftsbäume mit dem Zeichen „Z“ markiert und zunehmend freigestellt, damit einzelne Bäume Platz zum Wachsen haben.

„Wenn die Eichen gut anwachsen, stehen von den jetzt gepflanzten 6500 Bäumen in 200 Jahren nur noch 80“, sagt Lepke. Die anderen wurden davor geerntet – falls alles planmäßig wächst. Je größer die einzelnen Bäume werden, desto mehr Platz benötigen sie. Junge Bäume erhalten etwa einen Quadratmeter zum Wachsen, erklärt Lepke, in 200 Jahren beträgt der Abstand zwischen den Baumriesen rund 15 Meter.

Die jetzt gepflanzten Traubeneichen stammen aus dem Weserbergland und aus dem hessischen Bergland, aus Wuchsgebieten mit ähnlichen Höhen- und Bodenverhältnissen wie der Vordertaunus. Das Forstvermehrungsgesetz regelt, welche Wuchsgebiete zueinander passen. In zwei bis drei Jahren hat Eppstein wahrscheinlich die Möglichkeit, Eichen aus eigenen Wäldern zu pflanzen. Denn im vorigen Herbst wurden etliche Säcke mit Eicheln im Eppsteiner Forst gesammelt und zur Anzucht in eine zertifizierte Baumschule gebracht.

Noch vor Ostern sollen die jungen Eichen in der Erde sitzen. Dann hat Lepke schon den nächsten Auftrag: Auf der Freifläche „Mark“ bei Oberjosbach müssen die Douglasien und Linden kontrolliert werden, die im vergangenen Jahr gesetzt wurden und durch neue Pflanzen ergänzt werden. Lepke hofft auf die für nach Ostern angesagten kühleren Temperaturen. Denn eigentlich sei es zurzeit viel zu warm für Baumpflanzungen. Und ausgiebige Frühlingsregen benötigt der Wald ohnehin. bpa

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