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Die Stadt spielerisch neu denken

Gabriele Erschens-Walldorf, Dorothea Lindenberg und Stadtdenkerin Turit Fröbe (v.li.) auf Entdeckungstour in der Altstadt. Fotos: Beate Palmert-Adorff

Die Urbanistin Turit Fröbe stellte am Dienstagabend im Bürgerhaus ihr Projekt „Stadtdenkerei“ vor, mit dem sie seit einigen Jahren in deutschen Städten Station macht, mit dem Ziel, die Wahrnehmung der Menschen zu schärfen und Vertrautes anders zu sehen.

„Wir schicken die Bewohner auf eine Reise in den eigenen Alltagsraum und helfen ihnen spielerisch, ihre Stadt neu zu erfahren“, führte Turit Fröbe aus. Am Nachmittag machte sie mit Gabi Erschens-Walldorf und Dorothea Lindenberg, den beiden Initiatorinnen der Bürgerintiative Zukunft Altstadt Eppstein, einen Rundgang durch die historischen Gassen.

Ihren Blick lenkte sie dabei bewusst auf die großen und kleinen Bausünden, entdeckte liebenswerte Ecken und kuriose Aneinanderreihungen unterschiedlichster Dachformen mit Anbauten und winzigen Balkonen, originelle Gauben und unterschiedlichste Fassaden. Zugemauerte Fenster, ein außenliegendes überdachtes Treppenhaus und zahlreiche Versuche, Mülltonnen in die Fassadengestaltung zu integrieren, fielen ihr besonders ins Auge. „Wichtig ist, die Dinge mit einem liebevollen Blick zu betrachten“, lautet einer ihrer Grundsätze, die sie in ihrem Vortrag im Bürgerhaus vorstellte.

Der Abend unter dem Titel „Eppstein neu gedacht“ sollte Anregungen geben, wie Eppsteiner miteinander ins Gespräch kommen können, um kreative Ideen zu entwickeln. Rund 140 Zuhörer folgten der Einladung. „Eigentlich entwickle ich Aktivierungsstrategien, die scheinen Sie in Eppstein nicht zu brauchen“, sagte Turit Fröbe beeindruckt von der großen Besucherzahl.

Die Architekturhistorikerin aus Berlin stellte die spielerische Herangehensweise ihrer Stadtdenkerei vor und die zum Teil durchaus skurrilen Ergebnisse. Ihr Team arbeitet bewusst mit zum Teil absurden Techniken, erforscht Schandflecke und hässliche Plätze, und entdeckt darin verborgene Schönheit. Gerade die Beschäftigung mit den vordergründig hässlichen Seiten einer Stadt, die Suche nach dem Potenzial, das auch in den Bausünden steckt, schaffe eine neue Identität mit der Stadt, führte Fröbe aus. Wenn das gelinge, so die Urbanistin, entwickelten die Bewohner auch neue Ideen für ihre Stadt: „Denn neu denken müssen Sie selbst!“, gab sie den Zuhörern mit auf den Weg.

Aber sie sprach auch die Grenzen ihrer Methode an: „Wenn wir eine Woche lang intensiv in einer Stadt leben, dann brauchen wir die zufällige Begegnung mit den Menschen auf der Straße.“ Die traf sie auf ihrem Rundgang am Dienstag jedoch nicht an.

Berliner Urbanistin vermittelt Denkanstöße für die Altstadt

Auch wenn Eppsteins Zentrum möglicherweise zu klein für ein Stadtdenker-Projekt ist, werteten Lindenberg, Erschens-Walldorf und Bürgermeister Alexander Simon, der Turit Fröbe eingeladen hatte, den Abend trotzdem als Erfolg. Simon fasste seine Beobachtung zusammen: Etwa ein Drittel der Besucher sei von dem Vortrag enttäuscht, ein Drittel begeistert und das dritte Drittel werde am nächsten Tag feststellen, dass Turit Fröbe viele Denkansätze vermittelt habe.

Dorothea Lindenberg sieht die Bürgerinitiative auf einem guten Weg. Rund 50 Menschen arbeiten inzwischen in sechs Arbeitsgruppen mit und denken über Möglichkeiten nach, die Stadt zu beleben, sei es durch neue Geschäfte oder eine verkehrsberuhigte Burgstraße. „Vielleicht erreichen wir diese Ziele nie, aber möglicherweise entdecken wir auf dem Weg völlig neue Möglichkeiten, die Altstadt zu beleben“, sagte sie.

Ihre Mitstreiterin Gabriele Erschens-Walldorf will möglichst viele Anregungen der Stadtdenkerei aufgreifen und im für den 8. Februar geplanten Workshop der Bürgerinitiative weiterentwickeln. Die Idee, Stadtführungen mal anders aufzuziehen, Lieblingsplätze aufzusuchen oder Bausünden mit anderen Augen zu betrachten, würde sie gern aufgreifen.bpa

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