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Risse im Boden beweisen: Auch der Winter war viel zu trocken

Der Boden im Bremthaler Seyenbachtal zeigt jetzt schon Trockenheitsrisse. Foto: J. Palmert

Die Bäume in Eppsteins Wäldern stehen in voller Blüte, die Blätter leuchten in saftigem Grün. Auf den Feldern blüht der Raps, reckt das Getreide die Ährenansätze der Sonne entgegen.

Ortslandwirt Holger Ickstadt aus Bremthal hat dieses Jahr Hafer gesät, in der Hoffnung, dass er trotz des relativ trockenen Bodens recht gute Erträge bringt.

Obwohl es grünt und blüht, sind Förster, Landwirte und Wassermeister nicht zufrieden. Der Dürre im vorigen Sommer folgte ein warmer und niederschlagsarmer Winter. Der April war der 13. zu warme Monat in Folge, als durchschnittliche Regenmenge fielen hessenweit 30 Liter Wasser pro Quadratmeter. Üblich fürs Frühjahr sind 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter oder – anders gesagt – vier Wochen stetiger Landregen, damit der Boden aufweicht und das Wasser überhaupt in tiefere Bodenschichten eindringen kann.

Aber die Monate November bis April haben nicht die erhofften Regenmengen für die Grundwasserneubildung gebracht. Hessenweit beobachtet das Landesamt für Umwelt und Naturschutz, dass die Grundwasserstände deutlich niedriger sind als noch vor einem Jahr. Nur noch an einem Drittel der Messstellen werden durchschnittliche Werte registriert. Hessenweit hat es im Winterhalbjahr zehn Prozent weniger geregnet als im langjährigen Mittel. Im Sommerhalbjahr steigt die Verdunstung und die Pflanzen benötigen das Oberflächenwasser. Deshalb, so das Umweltamt, sei es unwahrscheinlich, dass sich jetzt neues Grundwasser bildet.

Mit Sorge betrachtet auch Eppsteins Wassermeister Harald Mager die Entwicklung, obwohl es derzeit in den Eppsteiner Brunnen keinen Mangel an Trinkwasser gibt. Sie liegen meist im Tal, wo sich das Wasser sammelt. Die Pegelstände sind laut Mager stabil, aber eigentlich sollten sie in den Wintermonaten leicht ansteigen. Doch es gibt noch andere Hinweise: So beobachtet Mager, der selbst einige Weiden bewirtschaftet: „Frisch ausgesäte Wiesensaat geht nicht auf, weil der Boden zu trocken ist.“ Wiesen, denen jetzt im Frühjahr die Feuchtigkeit fehlt, um Morgentau zu bilden, die selbst im Winter trockenen Moosteppiche und die zahlreichen abgestorbenen Bäume im Wald sind Indizien für den grundlegenden Feuchtigkeitsmangel.

Ein kleiner Lichtblick ist das Amphibienbiotop des NABU unterhalb der Streuobstwiesen im Seyenbachtal.Mitglied Bernd van Krüchten kontrolliert es regelmäßig und berichtet: „Die Folie, die wir dort vor einigen Jahren eingezogen haben ist stabil und hielt auch im vorigen Sommer Wasser zurück.“ Jetzt im Frühjahr strotzen Tümpel und Wäldchen nur so vor Leben: Das Gewässer ist schwarz vom Laich der Grasfrösche und Lurche, Vögel nisten, Insekten surren. Die für Rehe und Hunde zugängliche Wasserstelle bot den Tieren selbst im Sommer Erfrischung.

Das trockene Frühlingswetter könnte die bereits geschwächten Bäume weiter schädigen. Jeder Regentag ist deshalb ein Segen für die Natur. Die üppige Baumblüte im Wald war laut Hessenforst eine Folge des Trockenstresses im vergangenen Jahr. Um den Fortbestand ihrer Art zu sichern, bilden die Bäume verstärkt Samen aus, damit viele Nachkommen entstehen können. Einerseits schwächt das die Bäume zusätzlich, andererseits bietet die große Menge an Samen die Chance, dass sich der Wald aus eigener Kraft verjüngt.

Dort, wo die Förster mit Neupflanzungen nachhelfen, setzen sie auf Mischbestände mit unterschiedlichen Laub- und Nadelhölzern und Baumarten, die mit Hitze und Dürre besser klarkommen als einige heimische Arten: Die Douglasie gilt als klimarobuste Ergänzung zur Fichte. Wie berichtet, leiden die Fichtenbestände auch im Eppsteiner Wald besonders stark unter den Folgen der Dürre und durch den Borkenkäferbefall.

Laut Revierförster Peter Lepke ist dieser Befall so stark, dass den Förstern nur ein Weg bleibt: Das befallene Holz muss gefällt und so schnell wie möglich aus dem Wald geholt werden. Wichtiger als Käferfallen und -Lockstoffe ist Wasser, dann hilft sich die Natur selbst: „Fällt ausreichend Regen, damit die Wurzeln versorgt werden, sind die Bäume stark genug, um sich gegen Schädlinge zu wehren“, sagt Lepke. Er sieht dem Sommer mit Sorge entgegen: Die wenigen Regentage liefern gerade genug Feuchtigkeit für die jetzt besonders aktive Vegetation. Im Wald werde das ganze Ausmaß der Trockenheit erst im Laufe der nächsten Jahre sichtbar, ist Lepke überzeugt.

In der Landwirtschaft ist das anders: „Unsere Früchte wachsen schneller und sind stärker vom Oberflächenwasser abhängig“, sagt Ickstadt, „deshalb versuchen wir uns bei der Aussaat möglichst der Witterung anzupassen.“ Aber schon jetzt sei der Boden „staubtrocken“, wie er beim Befahren mit dem Traktor feststellt. In der verdichteten Oberfläche der Feldwege zeichnen sich zarte Trockenheitsrisse ab.

Der Bremthaler ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen. Schon die Urgroßeltern haben den Hof bewirtschaftet. Die Scheune in der Bremthaler Ortsmitte wurde 1902 errichtet, das Wohnhaus 1903. Seine Großeltern erzählten ihm, als der 51-Jährige noch ein Kind war, von früheren Dürrejahren in Folge. Das sei in den 1930er Jahren gewesen, lange vor Beginn der wissenschaftlichen Temperaturaufzeichnung.

Ickstadt warnt deshalb vor vorschnellen Schlüssen: „Trockene Jahre gab es schon immer, ebenso extrem nasse Jahre.“ Allerdings räumt auch er ein, dass die Klima-Extreme offensichtlich zunehmen. Darauf müsse sich der Mensch einstellen – zum Beispiel durch den sorgsamen Umgang mit dem Trinkwasser. Ob der Sommer wieder extrem trocken wird, kann niemand vorhersagen. Selbst Meteorologen müssen passen: Länger als drei Tage im Voraus lassen sich keine zuverlässigen Aussagen zum Wetter machen. bpa

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