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Neues Bauen – Pionierarbeit bei Wohnraumförderung und Design

Das Wohnhaus Am Heiligenwald 2 wurde vom Künstler und Architekten Robert Michel 1935 entworfen.Foto: Detlef Bömelburg

Mit dem Bauhaus in Weimar und seinem Einfluss auf die Architektur beschäftigt sich der Band „Kulturelle Entdeckungen“ der Sparkassen-Kulturstiftung über „Neues Bauen in Hessen“.

Anlass für das Buch ist das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“, Thema sind die vielfältigen Einflüsse der Bauhaus-Künstler auf die Architektur und das moderne Leben. Gezeigt werden sie anhand von zahlreichen Gebäuden in Hessen.

Dabei zeigen die Autoren den Einfluss der Bauhaus-Schule auf zeitgemäßes und modernes Bauen von der Gründung der staatlichen Kunstschule 1919 bis 1970. Entsprechend vielfältig sind die Beispiele, die die Herausgeber des Buches ausgewählt haben: Die Schwalbacher Limesstadt, Modellstadt der 1960er Jahre, steht demnach genauso in der Tradition der 1920er Jahre wie die halbrunde Portiersloge der ehemaligen Sarotti-Werke in Hattersheim von 1952. Ausgewählt wurden 155 Gebäude unterschiedlicher Architekturgattungen in ganz Hessen, darunter Verwaltungs- und Fabrikgebäude, Sportstätten, Sakralbauten, unkonventionelle Gartenhütten und Privathäuser. Dabei wurde auch der ländliche Raum einbezogen.

Die Begriffskombination „Neues Bauen“ wurde bereits nach dem Ersten Weltkrieg für den modernen Wiederaufbau benutzt und steht für die Entwicklung von neuem Design, die Verwendung neuer Materialien und das Streben nach Zweckmäßigkeit: Die Form soll sich idealerweise aus der Funktion entwickeln.

Viele Gebäude in dem über 200 Seiten starken Taschenbuch sind Beispiele für Reformprogramme nach den beiden großen Weltkriegen. Die erste anthroposophische Frauensiedlung Loheland, die in den 1920er Jahren in Künzell-Dirlos bei Fulda gegründet wurde, ist Beispiel für eine europäische Lebensreformbewegung. In Frankfurt wird „Das neue Frankfurt“ als erstes städtebauliches Reformprogramm in Hessen gegründet. Der damalige Siedlungsdezernent Ernst May entwickelte es als soziales Projekt zur Wohnraumförderung. In nur fünf Jahren entstehen rund 15 000 Wohnungen, unter anderem in der Frankfurter Römerstadt, aber auch einige bemerkenswerte Einzelgebäude.

Die Vertreter des Neuen Frankfurt leisteten Pionierarbeit auf verschiedensten Gebieten: Produkt- und Grafikdesign, Musik und Darstellende Kunst, Literatur, Radio und bildende Kunst – die tiefgreifende Reformbewegung zog Menschen aus ganz Europa an, die an dieser neuen Großstadtkultur mitwirken wollten.

Zu diesen Menschen zählt auch das Eppsteiner Künstlerpaar Ella Bergmann-Michel und Robert Michel. Beide waren bei der Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar, zogen sich aber schon 1920 auf die ehemalige Schmelzmühle in Vockenhausen zurück. Die alte Mühle entwickelte sich schon bald zu einem Treffpunkt der Avantgarde und zog viele bekannte Künstler an. Die beiden Michels arbeiteten als freie Künstler. Robert Michel war Werbegrafiker, Reklamegestalter, Typograph und Architekt für Auftraggeber in Frankfurt und wirkte beim Modernisierungsprojekt „Das neue Frankfurt“ mit. Auch in Eppstein und Vockenhausen war Michel als Architekt tätig.

In dem Buch über das „Neue Bauen“ beschreibt der Eppsteiner Historiker Dr. Bertold Picard das Wohnhaus Am Heiligenwald 2 in Vockenhausen von 1935, das Robert Michel zusammen mit einem Kollegen und den Bauherren, dem Gerbereifachmann Waldemar Steingötter und dessen Frau Herta, konzipierte. Sein funktionaler Stil hob sich deutlich von den älteren Fachwerkhäusern und neueren Ziegelsteinhäusern in der Nachbarschaft ab. Auffallend sind das Flachdach und die großen, horizontal liegenden Fenster mit Holzrollläden. Der Balkon hat ein modernes, relingartiges Geländer aus Stahlrohr und zieht sich um eine Hausecke herum.

Zu beziehen ist das Buch im Buchhandel unter ISBN 978-3-7954-3402-1 und über die Sparkassen-Kulturstiftung.bpa

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