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125 Jahre Kaisertempel

Immer wieder beeindruckt der Blick von der Plattform des Kaisertempels die Besucher.

Als der Kaisertempel am 2. September 1894 eingeweiht wurde, verbuchte der Kassierer 6000 Eintrittskarten. Rund 40 Vereine waren vertreten.

Vor 25 Jahren, beim 100. Jubiläum 1994 begrüßte die damalige Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Marga Weber, immerhin rund 1000 Besucher auf dem Felsvorsprung am Staufen. Mehrere hundert pilgerten am vergangenen Sonntag zum 125-jährigen Bestehen des Aussichtstempels, obwohl der VVE-Vorstand um Claudie Piontke Anfang der Woche entschieden hatte, das geplante Musikfeuerwerk abzusagen.

„Das sollte eigentlich unser Geburtstagsgeschenk an die Stadt sein“, sagte Piontke. Das Risiko, dass eine der Raketen den ausgetrockneten Waldboden in Flammen setzt, war dem Vorstand jedoch zu hoch. Trotz der Absage der Hauptattraktion erklommen viele Besucher die kurvige Straße im Laufe des Nachmittags zu Fuß, noch mehr nutzten den Shuttle-Service mit Kleinbussen der Malteser und des DRK und genossen, oben angekommen, Wildschweinbratwurst, Apfelwein oder Prosecco und die Köstlichkeiten des Kuchenbuffets.

Die inzwischen 92-jährige Marga Weber erinnerte sich noch gut daran, wie der VVE unter ihrer Regie das Kaisertempelfest 1991 zur Erinnerung an die Einweihung am ersten Septemberwochenende ins Leben rief, und erzählte den aufmerksam lauschenden Gästen aus dem Stegreif im Plauderton, dass der Kaisertempel ursprünglich unmittelbar vor der Martinswand errichtet werden sollte: „Weithin sichtbar sollte er sein, um möglichst viele Touristen anzuziehen“, sagte sie. Deshalb sollte er im Stil eines griechischen Tempels mit hohen weißen Säulen und mit Sandstein gefasstem weißem Tympanon mitten im Wald aufragen. Doch der erste Anlauf scheiterte.

Tempel mit Aussicht – einzigartiges Ausflugsziel in der Region

Die damaligen Honoratioren, darunter auch der Gründer des VVE, Josef Heinrich Flach, versammelten sich am Bahnhof, um die Wirkung des in Originalgröße errichteten Holzmodells am Hang des Staufens zu betrachten. In diesem Moment wurde es von einer Windböe erfasst und ins Tal geschleudert. Die Eppsteiner ließen sich nicht entmutigen, flickten das Modell und brachten es über den damals noch nicht ausgebauten Weg wieder auf den Berg und entschieden sich für den heutigen, laut Marga Weber, „viel besser geeigneten Standort“ unterhalb der Martinswand.

„Unser Jubiläumsprogramm war leider ganz auf das Feuerwerk ausgerichtet“, sagte VVE-Vorsitzende Claudia Piontke. Einziger Programmpunkt waren deshalb am Sonntag die jungen Sängerinnen und Sänger der Schwalbacher International School. Stufenleiter Marc Rindert hatte sie angerufen und gefragt, ob seine Schüler mit ihrem Chor beim Kaisertempelfest auftreten dürften. „Wir haben uns gefreut, dass die jungen Musiker auf uns zugekommen sind“, sagte Piontke. So schmetterten die Jugendlichen Schlager, Chansons, Pop-Songs und Evergreens ins Mikrofon.

Einige Eppsteiner Gäste tuschelten neugierig, sie hatten Eiskunstläuferin Marika Kilius unter den Zuhörern entdeckt. Kilius und ihr Eiskunstlaufpartner Hans-Jürgen Bäumler galten als das Traumpaar auf dem Eis. Zwischen 1958 und 1964 wurden sie mehrfache deutsche, Europa-und Weltmeister. Später folgten Auftritte in Eisrevues wie „Holiday on Ice“. Die 77-Jährige ist gebürtige Frankfurterin und kam tatsächlich zusammen mit ihrer Tochter Melanie zum Kaisertempelfest, weil Enkelin Lilli zu den jungen Sängerinnen gehörte.

Der Eppsteiner Recep Uzun überzeugte zwei wandernde Frankfurterinnen, dass sich der Aufstieg zum Kaisertempel lohnen werde. Er versprach ihnen nicht zu viel. Die beiden waren begeistert vom Kaisertempel und dem Blick der sich vor ihnen auftat, als sie durch die Tür zur Vorhalle traten.

Der Kaisertempel ist auch politisches Zeugnis der Kaiserzeit: Gewidmet ist er „den Einigern Deutschlands“, wie die Tafel über der Tür verrät, Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. Die Kosten in Höhe von 3300 Goldmark übernahm zum größten Teil der Verschönerungsverein und Josef Heinrich Flach, der Besitzer der Stanniolfabrik. 800 Euro steuerte die Gemeinde bei, heißt es in der Chronik von 2003.

Tatsächlich blühte der Fremdenverkehr in Eppstein nach dem Bau des Kaisertempels auf. Das lag vor allem am neuen Eisenbahnanschluss. Das in der Region einzigartige Ausflugsziel wurde eingebunden in ein Netz von Wander- und Fahrwegen, Aussichtspunkten und Einkehrmöglichkeiten. Das Kaisertempel-Hotel wurde 1897 eingeweiht. bpa

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