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Zweigeteilte Herrschaft führte auch zu zwei Religionen

Der Alte Friedhof neben dem Mahnmal in der Burgstraße war die letzte Station auf dem Spaziergang zu den Stätten der Reformation in Eppstein. Fotos: Helga Mischker

Bertold Picard, ehemaliger Stadtarchivar, unternahm vergangenen Sonntag mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Rundgang durch Alt-Eppstein auf den Spuren der Reformation. Um es gleich vorweg zu sagen: Sie schlugen ein, die 95 Lutherschen Thesen von 1517 gegen den Missbrauch des Ablasses.

1529 in der Woche nach Weihnachten wurde auf Betreiben des Landgrafen Philipp von Hessen die Reformation offiziell – das alte Eppstein wurde evangelisch.

Der Reformation vorausgegangen war die reformatorische Bewegung, die auch Geistliche in Eppstein erfasste. Die Auffassung Luthers, dass „nicht durch gute Werke der Mensch Vergebung seiner Sünden erlangt, sondern durch den Glauben an die göttliche Gnade“, beeindruckte sie, berichtete Picard. Über die näheren Umstände der Reformation in Eppstein gebe es keine Belege, nur Indizien: „Man kriegt nur etwas heraus, wenn man in die Archive geht.“

Die Herrschaft über Eppstein war damals zweigeteilt. Philipp von Hessen, dessen Beamte den westlichen Teil der Eppsteiner Burg belegten, handelte „einerseits aus religiöser Überzeugung, andererseits politisch mit dem Ziel, seine Landesherrschaft zu festigen, indem er sie unabhängig von der Kirche und stärker gegenüber dem Kaiser machte“, erklärte Picard. Der Königsteiner Landgraf Eberhard IV, Repräsentant der jüngeren Linie der Eppsteiner Herren, dessen Beamte im Ostteil der Burg ihrer Arbeit nachgingen , dürfte dem Umbruch skeptisch gegenüber gestanden haben. Er blieb katholisch, auch in Anbetracht der vielen Stiftungen seiner Familie, zu denen auch das Antonius-Kloster in Eppstein gehörte.

Vom Antonius-Kloster ist heute nichts mehr übrig. Die Führung begann vor den Toren von Eppstein Foils. Das Antonius-Kloster jedoch lag auf einem Areal am Fischbach, unterhalb der früheren Ölmühle, etwa in Höhe der heutigen Villa Laux am Anfang der Fischbacher Straße. Dort war damals auch ein sogenanntes „Gute-Leute-Haus“ angesiedelt, das Aussätzige aufnahm, die man in der Stadt nicht haben wollte.

Mittelpunkt des religiösen Umbruchs in Eppstein war die Talkirche. Rechts vom Eingang erinnert das ovale Kirchenfenster mit einem Bildnis an Luther. Zur Reformationszeit gab es statt mehrerer Geistlicher nur noch einen Pfarrer, Jacob Probus aus Eschwege.

Das religiöse Leben änderte sich gewaltig. Wurden zuvor an den vier Altären der Talkirche lateinische Messen gehalten, fanden nun Gottesdienste in deutscher Sprache statt, die nicht länger als eine Stunde dauern sollten, so Picard. Erstmals wurden nun in der Talkirche Sitzplätze geschaffen. Die Männer und Chöre bestritten den Gemeindegesang.

Mit Ludwig von Stolberg, der 1535 auf den kinderlosen Eberhard folgte, wurde die doppelte Stadtherrschaft über Eppstein nun einheitlich evangelisch, berichtete Picard. Bis ins 18. Jahrhundert hinein blieb die Hegemonie der evangelischen Kirche in Eppstein erhalten. Nur Protestanten durften ein städtisches Amt bekleiden. Schule und Friedhof waren Einrichtungen der evangelischen Pfarrei. Die Katholiken führten in dieser Zeit ein Leben als Bürger zweiter Klasse.

Das änderte auch die Teilherrschaft von Kurmainz nicht, die sich 1581 durch eine List den stolbergischen Anteil zu Eigen gemacht hatte. Unter dieser Herrschaft zogen zunehmend auch Katholiken nach Eppstein.

Die Eppsteiner trugen die Reformation mit und führten ihren Zehnten nun an den evangelischen Pfarrer ab. Doch einem reformierten Pfarrer wollten sie nicht folgen. Landgraf Moritz von Hessen-Kassel hatte 1609 das strengere reformierte Bekenntnis als Staatsreligion eingeführt. Der nach dem Tod des lutherischen Pfarrers 1620 von ihm eingesetzte reformierte Johann Drösselius löste einen Bildersturm aus, dem das Weihwasserbecken der Talkirche zum Opfer fiel. Nach einem Jahr schon musste er wieder gehen.

Picard machte auch in der Hintergasse beim Gebäudekomplex mit Namen „Im Kloster“ Station. Dort könnte sich der Wohnsitz der drei Geistlichen der Talkirche vor der Reformation befunden haben, möglicherweise auch das Stefanshaus des Mainzer Stefansstiftes. Was mit den sechs Geistlichen geschah, die teilweise in der Talkirche wirkten und nach der Reformation aus Eppstein verschwanden, sei unbekannt, so Picard, ob sie freiwillig gingen oder unter Druck. Einige seien ohnehin Anhänger der Reformation gewesen.

Für eine Überraschung sorgte der Besuch der im Jahr 1628 angelegten Fliednerlaube hinter dem ehemaligen Pfarrhaus. Dort ist eine Platte zu sehen, auf der früher Küchenarbeiten erledigt wurden. Es handelt sich dabei um eine ehemalige Altarplatte, die aus der Burgkapelle oder vom Georgsaltar in der Talkirche stammen könnte.

Den Abschluss der Führung bildete der Besuch des Alten Friedhofs in der Burgstraße, damals außerhalb der Stadtmauer gelegen und bis 1891 in Betrieb. Da Luther nicht ans Fegefeuer glaubte, war die Nachbarschaft der Friedhöfe zur Pfarrkirche nicht mehr zwingend. Schon aus hygienischen Gründen, empfahl Luther, sollten die Städte den Friedhof vor die Stadtmauern verlegen. mi

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