Zeitreise mit Eppo und Berta in die Gründungszeit der Burg

Ritter erwarteten die Besucher am Tor zum Innenhof.

Fotos: Helga Mischker

Das Jubiläum der ersten Erwähnung der Eppsteiner Burg vor 900 Jahren lieferte Museumsleiterin Monika Rohde-Reith den Stoff für den mit 60 Teilnehmern ausgebuchten Ostermontagsspaziergang: Die Burg wurde im Jahr 1122 erstmals urkundlich erwähnt.

„Plötzlich trat Eppstein aus dem Dunkel der Geschichte heraus“, freute sich Rohde-Reith, das Jubiläum gelte aber nur so lange, bis Historiker eine ältere Urkunde mit „Ebbensten“ finden.

„Heute ist Fantasie und Vorstellungskraft gefragt“, sagte sie, „bis auf einen Stein gibt es keine Hinterlassenschaften aus dieser Zeit“. Der Treffpunkt am Stadtbahnhof war früher eine morastige Senke, am Jähenberg führte der alte römische Weg von Hofheim durch steile Wälder zum Hof Häusel, damals eine Gerichtsstätte, weiter Richtung Limes zum Kastell Alteburg bei Heftrich.

Damals gehörte Eppstein zu dem von den Franken geschaffenen Verwaltungsbezirk Königssundragau, auch Königssondergau genannt, der vom Limes bis zum Rhein reichte und im Osten vom Schwarzbach begrenzt wurde. Deshalb liege die Vermutung nahe, dass die Burg im 10. Jahrhundert als Reichsburg von Königssundragau-Graf Eberhard III. gegründet wurde, Bruder des deutschen Königs Konrad. Die in der Urkunde von 1122 aufgeführte „Ebbensten“ als Besitz des Königssundragau-Grafen Udalrich III. von Idstein-Eppstein deute darauf hin, dass Udalrich ein Nachfahre von Eberhard gewesen sein könnte.

Der Name lässt an die Sage von Eppo und der schönen Berta denken, die sich um die Gründung der Burg rankt. Danach soll Ritter Eppo die Burg dort erbaut haben, wo er die schöne Berta von Bremthal aus den Händen eines Riesen befreite. Die Burgschauspieler hatten vor den staunenden Augen der Ostermontagsspaziergänger ihren ersten Einsatz am Kriegsdenkmal. Erhard Waldmann schlüpfte in die Rolle des Eppo, Linda Kratz spielte Berta. Die beiden stritten über den Standort der Burg: Während Berta ihren Geburtsort Bremthal favorisiert, will Eppo den Felsen bebauen, auf dem er Berta dem Riesen entriss. Rohde-Reith schmunzelte: „Diese Sage hat möglicherweise einen wahren Kern, aber so hat sich die Gründung der Burg sicher nicht abgespielt.“

Der Spaziergang führte weiter zur St. Laurentius-Kirche über Gottfriedplatz und Ostaufgang zur Burg hinauf. Die Museumsleiterin schilderte lebendig das harte Leben der „Hörigen“ innerhalb feudaler und kirchlicher Machtstrukturen, das die Burgschauspieler an verschiedenen Stationen in Szene setzten. Das Städtchen am Fuße der Burg wurde zwar erst 1299 erstmalig in Dokumenten erwähnt, aber es gilt als gesichert, dass sich mit dem Bau der Burg dort auch Menschen ansiedelten, unfreie Besitzlose und Handwerker. Diese Hörigen produzierten Nahrung, Kleidung, Heiz- und Baustoffe für Kirche und Adel. „Die Menschen mussten den Zehnten an die Pfarrkirche und Abgaben an den Landesherrn zahlen“, berichtete Rohde-Reith, „und zwar ‚Fixkosten’, selbst wenn Hagel oder Heuschrecken die Ernte vernichteten.“

„Eppstein und Bremthal sind von den Burgherrn gegründet worden“, erzählte Rohde-Reith, „als befestigter Grenzort zu den Grafen von Nassau“. Niederjosbach, Ehlhalten und ein Teil Vockenhausens dagegen seien Gründungen, die von der kirchlichen Obrigkeit ausgingen. Die Pfarrkirche, im 10. Jahrhundert gegründet auf Initiative des Mainzer Erzbischofs, war damals in Schloßborn angesiedelt, einstmals die bedeutendste Siedlung im westlichen Taunus.

Auf der Burg wurden die Osterspaziergänger von Rittern empfangen, die sich ein Scharmützel lieferten. Ein Stein, der nachweislich aus der Zeit um 1122 stammt, war im Ostzwinger zu begutachten.

„Die Burg sah damals wesentlich anders aus als heute“, erklärte Rohde-Reith, „der Bergfried fehlte, es gab ein steinernes Haus anstelle des Palas, außerdem verdichten sich Hinweise auf einen Wohnturm im östlichen Teil durch Grabungsfunde und das Anschneiden älterer Mauern mit einem Laser-Verfahren.“ Bisher habe Burgenforscher Joachim Zeune einen solchen Wohnturm auf der Burg vermisst, da mehrgeschossige, quadratische Wohntürme als Status- und Machtsymbole und bauliches Leitmotiv damaliger Dynastien galten, zu denen auch die Herren von Eppstein der ersten Linie zählten.

„Udalrich war der letzte Königssundragau-Graf“, berichtete Rohde-Reith weiter, „da er keinen Sohn hatte, übergab er seinem Vetter, dem Erzbischof Adalbert von Mainz die Burg Eppstein sowie das Gericht Mechthildshausen.“ Damit endete die erste Linie der Eppsteiner Herren. Das Erzstift Mainz vergab dann im Jahr 1158 Gottfried von Hainhausen Burg und Gericht als Lehen. Er begründete damit das Adelsgeschlecht der Eppsteiner, das die Geschicke der Region über mehr als drei Jahrhunderte entscheidend prägte.

Die Burg wurde nur ausnahmsweise für die Ostermontagsspaziergänger geöffnet. Der Bergfried ist nach wie vor eingerüstet und soll noch eine Mauerkrone erhalten.

Noch hofft Rohde-Reith, dass die Burg am 15. Mai zur Eröffnung der Ausstellung des Burgmuseums unter dem Titel „Das ist das alte Schloss und Thal Eppstein!“ für die Öffentlichkeit wieder geöffnet wird.mi

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