Lothar Racky ist begeisterter Feuerwehrmann und Fußballfan

Eine Collage erinnert Bayern-München-Fan Lothar Racky an seine Reise über Umwege zum Championsleague-Finale 2013.    Foto: bpa

Den ersten offiziellen Termin des Jahres in Eppstein richtet seit mehr als 25 Jahren die Feuerwehr Ehlhalten am ersten Sonntag nach Neujahr aus. Das war so, bis die Corona-Pandemie diese Tradition unterbrach.

Für den langjährigen Wehrführer Lothar Racky war das Treffen im Feuerwehrhaus ein wichtiger Moment, um inne zu halten. Er ließ das alte Jahr Revue passieren und stimmte sein Team auf das neue ein. Zwanglose Gespräche bei einem kleinen Snack genossen Ehlhaltener und Besucher aus anderen Stadtteilen. Diesen Brauch hätte Racky gern seinem Nachfolger nahtlos übergeben. Nun hofft er auf eine Wiederauflage unter neuer Regie am ersten Januarwochenende 2023.

Wie berichtet trat der langjährige Wehrführer der Feuerwehr Ehlhalten im vorigen Jahr nach fast 25 Jahren nicht mehr zur Wahl an. Auch sein langjähriger Vize Axel Ernst hörte auf. Eigentlich habe er schon bei der Vorstandswahl davor abtreten wollen, sagt Racky, und ist froh, dass nun Peter Schmitt als Wehrführer und Christoph Fernandez als Stellvertreter die Verantwortung übernehmen.

Der 56-jährige Berufsfeuerwehrmann bleibt aber in der Einsatzabteilung. Denn die Feuerwehr ist ein wichtiger Teil seines Lebens. Seit über 43 Jahren gehört er ihr an, wurde 1978 Mitglied in der frisch gegründeten Ehlhaltener Jugendwehr, wechselte in die Einsatzabteilung und wurde 1997 zum Wehrführer gewählt. Von 1997 bis 2017 war er außerdem stellvertretender Stadtbrandinspektor für ganz Eppstein.

Nach dem Schulabschluss an der Freiherr-vom-Stein-Schule machte Racky eine Lehre zum Maler und Lackierer, „Beschichtungstechniker hieß das damals“, erinnert er sich lachend. Nach einigen Jahren folgte er dem Beispiel seines Vaters Herbert Racky, der als Berufsfeuerwehrmann arbeitete, und bewarb sich für die Werksfeuerwehr der damaligen Hoechst AG und gehört ihr seit 1988 an. Auch nach einem schweren Arbeitsunfall vor einigen Jahren kehrte er in die Einsatzabteilung zurück. „Ich trage keine Atemschutzausrüstung mehr und muss auch nicht in vorderster Reihe körperlich schwer arbeiten“, sagt er, „aber es gibt so viele Dinge rund um den eigentlichen Einsatz zu koordinieren“, da sei seine Erfahrung gefragt. Das gilt auch fürs Ehrenamt. Wegen der Corona-Pandemie und ihren Einschränkungen sei es schwierig, Übungen und Treffen der Einsatzabteilung zu organisieren. Dennoch verzeichnen die Aktiven bislang lediglich altersbedingte Austritte. Sein Vorbild wirkt auch bei Sohn Marc. Er bleibe der Ehlhaltener Einsatzabteilung treu, obwohl er inzwischen in Idstein wohnt, freut sich Racky. Ausflüge zur Partnerwehr der Ehlhaltener in Viechtwang in Oberösterreich wurden bei den Rackys deshalb schnell zum Familienausflug. Mit Ehefrau machte er dort auch schon Sommerurlaub.

Impfungen gegen Corona habe der Kreis für die ehrenamtlichen Feuerwehrmitglieder frühzeitig organisiert. Das erleichtere die Organisation. Trotz der Einschränkungen seien sogar einige neue Aktive hinzugekommen. Dass inzwischen auch eine handvoll Frauen zum Team gehören, begrüßt er sehr.

Racky blickt auf langjährige Berufserfahrung und unzählige Hilfseinsätzen zurück. Er hat dabei auch viel Leid gesehen: Tödliche Unfälle, zerstörerische Brände, schwierige technische Hilfseinsätze. Den „schlimmsten“ Einsatz gebe es nicht für ihn. Jede Notsituation sei anders und erfordere individuelles Handeln. Das Wichtigste aus seiner Sicht sei, „dass man sich auf den Nebenmann oder die Nebenfrau verlassen kann – und, dass man das richtige Werkzeug zur Hand hat“, fasst er zusammen.

Dass die Feuerwehren inzwischen sehr gut mit Hilfsmitteln und Werkzeugen ausgestattet sind, sei eine entscheidende Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten. Nichts sei schlimmer, als an einem Unfallort oder vor einem brennenden Haus zu stehen und nicht helfen zu können, weil ein Spreizer, eine Rettungsschere oder eine Leiter fehlen.

Die Eindrücke vor allem nach einem Einsatz mit Toten verarbeite jeder anders. Wichtig seien anschließende Gespräche in der Einsatzgruppe und, dass man das eigene Handeln reflektiert. Sein persönliches Motto „immer den Blick nach vorn richten“, helfe ihm, mit den Erlebnissen nach einigen Tagen abschließen zu können.

Lothar Racky ist Ehlhaltener durch und durch. Eine Luftaufnahme seines Heimatdorfs, die er sich hat vergrößern lassen, hängt über dem Treppenabgang und fällt sofort im Flur seines Hauses in Ehlhalten auf. Seine beiden älteren Brüder besuchten noch die Dorfschule in der Langstraße, die Anfang der 1960er Jahre geschlossen wurde. Lothar ging bereits in Vockenhausen auf die heutige Burg-Schule.

Er war dabei, als die Kerbegesellschaft „Die Kohlestibbel“ 1995 gegründet wurde, ist Mitglied bei MSC, TSG und CDU, spielte bei den „Silberbachrecken“ Fußball. Racky war im Vereinsring aktiv, organisierte Feuerwehrjubiläen und half bei jedem größeren Fest in Ehlhalten mit: Bei der 775-Jahr-Feier des Ortes 2008 saß er im historischen Leiterwagen eines Ochsengespanns, half bei der Planung des Mittelaltermarktes zum Stadtjubiläum 2018. Beim Wettbewerb „Dolles Dorf“ 2014 war ohnehin fast das ganze Dorf dabei.

Aber auch bei den ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen der „Ehlhaltener Wochen“ war der gelernte Maler gefragt: Er strich die Fassade der Trauerhalle an und half beim Innenanstrich der Dattenbachhalle mit. Die Wände im Feuerwehrhaus hat er schon mehrfach überstrichen. „Dank meines Schichtdienstes habe ich oft mehrere Tage Zeitausgleich. Da kann ich einiges erledigen“, meint er bescheiden. Der Einsatz für die Gemeinschaft ist für ihn selbstverständlich.

Abgesehen davon, dass er bei den Sportfreunden Vockenhausen und später beim TuS Niederjosbach selbst Fußball gespielt hat, ist er seit seiner Jugend Bayern-München-Fan, reiste seiner Lieblingsmannschaft 2013 sogar über Umwege zum Europa Championsleague-Finale gegen Dortmund bis nach London nach. „Meine Frau und ich hatten Eintrittskarten fürs Spiel, aber es gab keinen Direktflug mehr“, erinnert er sich, dass er kurzerhand einen Flug über Oslo buchte, um den 2:1-Sieg seiner Bayern live im Wembley-Stadion mitzuerleben.

Eine Collage darüber aus persönlichen Fotos und Zeitungsausschnitten hat bis heute einen Ehrenplatz in seinem Haus. bpa

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