Ling Wang-Hohmann: Mit Kunst kulturelle Grenzen überwinden

Galeristin Ling Wang-Hohmann in einem ihrer Ausstellungsräume.

So unterschiedlich Herkunft und Technik ihrer Künstler sein mögen. Galeristin Ling Wang-Hohmann findet dennoch das Allgemeingültige und über alle kulturellen Grenzen hinweg Verbindende in ihren Werken.

Seit rund 20 Jahren vermittelt sie jungen zeitgenössischen Künstlern aus Ostasien Ausstellungsmöglichkeiten in Europa. Meist wählt sie Künstler aus, die sich nicht nur mit den traditionell östlichen, sondern auch mit westlichen Techniken, Motiven und Symbolen beschäftigen. 2012 gründete sie ihre eigene Galerie für zeitgenössische ostasiatische Kunst in der Wiesbadener Nerostraße. Vor zwei Jahren zog sie mit der Galerie ins eigene Haus in der Kurfürstenstraße in Niederjosbach um.

Drei bis vier Ausstellungen pro Jahr sind eigentlich die Regel. Nicht so im Corona-Jahr. 2020 wurde zunächst im Frühjahr die Kunstmesse in Köln abgesagt, wo sie eigentlich mit einem Messestand teilnehmen wollte. Als Entschädigung erhielt Ling Wang-Hohmann jetzt das Angebot für einen Stand auf der „discovery art fair“, einer Messe für zeitgenössische Kunst in den Frankfurter Messehallen. Vom 29. Oktober bis zum 1. November präsentierte sie dort Werke von fünf Künstlern aus Ostasien.

Am Tag darauf eröffnete sie eine Ausstellung mit Werken von vier Künstlern in den eigenen Galerieräumen in der Kurfürstenstraße in Niederjosbach. Die erste in diesem Jahr. Sie ist noch bis zum 12. Dezember zu sehen. Mit Bedauern stellt die Galeristin fest, dass nur wenige Besucher der Einladung zu Messe oder zur Vernissage gefolgt sind. Die Auswirkung der Corona-Pandemie ist auch im Kunstbetrieb zu spüren. Wer die Ausstellung besichtigen will, findet Kontaktdaten auf der Internetseite www.galerie-wanghohmann.com oder meldet sich unter info[at]galerie-wanghohmann[dot]com.

Ein Schild „Galerie WangHohmann contemporary east asian art“ begrüßt den Besucher am Eingang von Ling Wang-Hohmanns Galerie. Drinnen fällt der Blick auf eigenwillige Collagen aus einer dünnen Metallschicht mit Hanfpapier, farbigen Pigmenten und tierischem Leim. Die Technik stammt aus Japan. Der Künstler Takafumi Ohba schichtet, türmt und verschiebt die unterschiedlichen Materialien, so dass schemenhafte Figuren, Landschaften oder bizarre Silhouetten entstehen und sofort wieder verschwimmen.

Chin Mengh Hsuan aus Taiwan, Studentin an der Akademie der Bildenden Künste in München, öffnet tiefe Einblicke durch Türen, auf Treppen und Fenster. Sie malt in Öl und verwendet eine breite Farbpalette: Violett, Braun, Blau, Gelb, gemischt und abgestuft, flächig aufgetragen verleihen sie den Gegenständen schemenhafte und sanfte Konturen.

Der koreanische Künstler Ukn Lee malt Gruppen: badende Menschen, Menschen im Grünen mit fast impressionistischer Lichtwirkung, Menschen auf einem Lichtband. Er malt in Öl, verwendet aber statt Leinwand Seidengewebe und erzielt durch die unterschiedliche Aufnahmefähigkeit von Seide im Vergleich zur Leinwand eine ungewohnte Farbigkeit.

Die japanische Malerin Keiko Kimoto schafft mit wenigen Linien und Pinselstrichen Bilder von heiterer Leichtigkeit: Eine Mutter, die ihr Kind auf traditionelle japanische Weise auf dem Rücken trägt, eine zarte Tänzerin, eine dunkle Sonne, die dennoch zu leuchten scheint, und im spärlich möblierten Raum ein wandfüllendes, märchenhaftes Gemälde mit Seerosenblättern auf dunkelblauem und grünem Grund.

Gemeinsam ist allen vier Künstlern, dass sie ihre Techniken virtuos beherrschen und damit spielen. „Kunst ist das, was von Zeitgeist und Kultur bleibt“, sagt Ling Wang und bedauert, dass es für Künstler immer schwieriger wird, sich auf dem Markt zu behaupten. Nur ganz wenigen gelinge es, von ihrer Kunst zu leben.

Wie der Name verrät, stammt auch die 55-Jährige aus Asien. Aufgewachsen ist sie in China, studierte in den 1980er Jahren Archäologie und Kunstgeschichte in Peking, erlebte die Unruhen dieser Jahre mit, die in der Besetzung des Tian’anmen Platzes am Tor des Himmlischen Friedens und der Niederschlagung der Protestbewegung am 3. und 4. Juni 1989 gipfelten. Ling Wang reiste mit einem Studienstipendium genau am 9. November 1989 über Moskau in Berlin nach Deutschland ein. „Ich erhielt noch jeweils einen Stempel an der DDR-Grenze und bei der Einreise in die BRD“, erinnert sie sich.

Als am Abend desselben Tages die Berliner Mauer fiel, war sie schon nach Frankfurt weitergereist, wo sie Tocharisch lernen wollte, eine seltene ausgestorbene indogermanische Sprache, die im zweiten Jahrhundert vor Christus in einem chinesischen Siedlungsgebiet an der späteren Seidenstraße gesprochen wurde und für die es weltweit nur wenige Experten gibt. Einer davon lehrte damals in Frankfurt.

In Frankfurt lernte sie ihren späteren Mann kennen, Uwe Hohmann. Der begeisterte Judoka wollte nach einem Wirtschaftsstudium eigentlich Japanologie studieren, nahm dann aber das Angebot einer Bank an. Ling Wang kam Anfang der 1990er Jahre endgültig nach Deutschland, zunächst, um in Bonn zu promovieren. Nach dem Tod ihres Professors gab sie diesen Plan auf und heiratete 1995 Uwe Hohmann. 2001 zog die Familie nach Niederjosbach. Drei Töchter wuchsen in Eppstein auf. Die beiden älteren studieren, die jüngste, die elfjährige Pia, ist talentierte Trampolinspringerin und trainiert in Frankfurt im Hessenkader.

Kein Wunder, auch ihre Eltern sind ambitionierte Sportler: Uwe Hohmann war Mitglied einer Judo-Auswahl der deutschen Junioren und ist heute Trainer bei den Mattenfüchsen in Ehlhalten. Ling Wang ist erfolgreiche Tischtennisspielerin und spielt für die TSG Ehlhalten. Einmal im Jahr besuchen sie Ling Wangs Familie in China, die im Großraum von Nanking lebt. Der Kontakt sei trotz der Entfernung sehr eng, sagt Wang-Hohmann. Ihre Töchter sind zweisprachig aufgewachsen und eigentlich war für dieses Jahr eine große Fernostreise geplant, die nun wegen der Corona-Pandemie verschoben werden muss.

In den 1990er Jahren waren Ling Wang und Uwe Hohmann viel in Frankfurts Künstlerszene unterwegs. „Ich hatte Kontakte zu Künstlern in Asien. So entwickelte sich im Lauf der Zeit die Idee, Ausstellungen mit asiatischen Künstlern in Europa zu organisieren“, erinnert sich Ling Wang-Hohmann. Dabei ist ihr wichtig, Künstler zu fördern, denen es gelingt ihre kulturelle Eigenart zu bewahren und dennoch zwischen den Welten zu vermitteln. bpa

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