Drittklässler auf den Spuren der Eppsteiner Geschichte

Bevor es in die Burg hinein geht, erklärt Burgführer Ralf Großkopf (li.) der Klasse 3c der Burg-Schule Besonderheiten der Altstadt wie den Toilettenerker an der unverputzten Fachwerkfassade von Burgstraße 51, gut sichtbar von dem Rondell am westlichen Burgaufgang. Foto: Caren Lewinsky

Bevor es in die Burg hinein geht, erklärt Burgführer Ralf Großkopf (li.) der Klasse 3c der Burg-Schule Besonderheiten der Altstadt wie den Toilettenerker an der unverputzten Fachwerkfassade von Burgstraße 51, gut sichtbar von dem Rondell am westlichen Burgaufgang. Foto: Caren Lewinsky

Zwei dritte Klassen der Burg-Schule machten sich in der vergangenen Woche auf die Suche nach Spuren der Vergangenheit.

Während die 3c am vergangenen Dienstag mit Burgführer Ralf Großkopf die Burg erkundete, luden die Jungen und Mädchen der 3b unter der Leitung ihrer Lehrerin Theresa Strahlendorf am Samstag zu einer „Mittelalterlichen Stadtführung“ ein, für die die Acht- bis Neunjährigen mit einer Anzeige in der Eppsteiner Zeitung geworben hatten. Mit Erfolg: Gegen 10 Uhr füllte sich der Platz vor dem Burg-Café mit Neugierigen. Neben Eltern und Großeltern fanden sich auch interessierte Eppsteiner ein, darunter Bürgermeister Alexander Simon mit seinen beiden Töchtern und der frühere Stadtarchivar Dr. Bertold Picard. Geduldig und mit Interesse lauschten die Besucher den Ausführungen der jungen Stadtführer. Zur Illustration hatten die Kinder Plakate vorbereitet mit Fotos und den wichtigsten Fakten zu den insgesamt sechs Stationen rund um den Wernerplatz. So befassten sich Leander, Lucian und Johannes sehr akribisch mit der Geschichte der mittelalterlichen Talkirche. Margareta und Theodor berichteten über die drei großen Pestwellen im Mittelalter und ihre Auswirkungen auf die Menschen rund um Eppstein.

Lea hatte ihr Plakat auf dem Pflaster vor dem Theodor-Fliedner-Haus ausgelegt und beantwortete Fragen zu Fachwerkhäusern. Helena, Greta, Sophia und Ida hingegen hatten sich mit der Geschichte des heutigen Restaurants „Pflasterschisser“ beschäftigt im ältesten Fachwerkgebäude im Main-Taunus-Kreis. Dank seiner exponierten Lage genau in der Flucht der Burgstraße ist es eines der bekanntesten Gebäude der Eppsteiner Altstadt.

Über den Bahnhof und seine Baugeschichte hatten sich Amelie und Maximilian informiert und stellten ihr Plakat vor dem Burg-Café vor, Manuel und Luiz hingegen waren vom mittelalterlichen Gerichtswesen fasziniert und berichteten unterhalb des Westaufgangs über Foltermethoden und drakonische Strafen im Mittelalter. Dazu inspiriert habe sie eine Burgführung. Als historisch verbürgten Kern ihrer Ausführungen wiesen sie auf die Kratzspuren im Bettelbub hin, die bei früheren Ausgrabungen als vergebliche Ausbruchsversuche gewertet wurden. Beeindruckt hatte sie auch der Backofen und die Ernährung der Burgbewohner.

Burgführer Ralf Großkopf wechselte an diesem Vormittag die Seiten und ließ sich von den Kindern das Leben im Mittelalter erklären. Er war von den selbstständigen Recherchen der Kinder beeindruckt und von ihrem aufgeweckten Interesse für die Geschichte. Lehrerin Theresa Strahlendorf hatte noch am Morgen die restlichen Plakate aus der Schule abgeholt, die einige ihrer Referenten dort vergessen hatten und freute sich über das große Besucher-Interesse an der Aktion ihrer Schüler. Sie nutzte die Gelegenheit, um Bertold Picard zu bitten, als Historiker in der Klasse über seine wissenschaftlichen Methoden der Quellenforschung zu berichten.

Die Idee für die Führung vor Ort hatten die Jungen und Mädchen selbst, ebenso wie für die öffentliche Einladung über die Zeitungsannonce. Auch bei den Recherchen und der Präsentation habe sie kaum eingegriffen, sagt Strahlendorf. Die Kinder sollten lernen, mit Suchmaschinen im Internet nach verlässlichen Quellen zu suchen – „vor allem, wenn es wie beim Thema Mittelalter, keine Zeitzeugen mehr gibt, die sie fragen könnten“, führte Strahlendorf aus.

Das Mittelalter war auch Unterrichtsthema der Klasse 3c und ihres Ausflugs zur Burg. Burgführer Ralf Großkopf, selbst ein Alt-Eppsteiner, spannte den Bogen vom Bau der Burg im frühen Mittelalter über den Alltag auf einer Burg mit ihren 20 bis 30 Bewohnern bis hin zur mittelalterlichen Gerichtsstätte auf Hof Häusel und dem „Bettebub“ genannten Schuldturm für Steuersünder. Das Verlies, in das sie durch ein Loch im Boden des kleinen Seitenturms gucken durften, beeindruckte die Kinder ganz besonders. Die Geräusch-Installation mit rasselnden Ketten, Seufzen und Scharren am Mauerwerk ließ einige an ein Schlossgespenst denken.

Viele Kinder waren gut informiert und wussten, dass der Knochen über dem inneren Burgtor von einem Wal stammt. Andere hatten schon gehört, dass das Mehl früher gesiebt wurde, um die Maden auszusortieren, bevor daraus Brot geknetet wurde. Von der Kinderarbeit auf dem Feld oder beim Hüten der Tiere erzählte ihnen der Burgführer und zeigte ihnen die Exponate im Museum.

Zum Abschluss machten sich die Jungen und Mädchen an den Aufstieg auf den Bergfried – für einige mit Höhenangst eine besondere Herausforderung. Gut, dass Klassenkameraden ein ermutigendes Wort oder eine helfende Hand anboten.
Das Pausenbrot schmeckte nach der Anstrengung doppelt so gut. Viele Kinder nahmen sich vor, demnächst wieder auf die Burg zukommen und Freunden und Familie das „Schlossgespenst“ im Verlies zu zeigen.              bpa/ccl

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