Spielerisch auf das eigene Bauchgefühl achten lernen

Coach Matthias Hummel übergibt Leo Pfefferle (8) die Mappe mit den Hausaufgaben Foto: Caren Christiane Lewinsky

Der Förderverein der Burg-Schule organisierte am vergangenen Samstag für Dritt- und Viertklässler Halbtagesseminare mit Matthias Hummel. Der 54-jährige Systemische Familientherapeut ist selbst Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern, außerdem Präventions- und Mobbingberater.

Hummel traf sich mit zwei kleinen Gruppen in zwei aufeinander folgenden Kursen. Zunächst kamen die Drittklässler, drei Jungen und zehn Mädchen, und danach ein Junge und neun Mädchen aus den vierten Klassen. Die Gruppengröße mit rund einem Dutzend Teilnehmern sei optimal, um auf alle Kinder eingehen zu können, sagte Hummel.

In der kurzen Vorstellungsrunde, bei der Hummel auch die Frage stellte, wozu er an diesem Tag da sei, vermuteten einige Kinder: „Dass wir ,Stopp’, sagen!“, „Meine Eltern haben gesagt, dass wir lernen, uns zu verteidigen.“ Hummels klärte sie schnell auf: „Heute lernt ihr keinen Sprung-Kick wie in einem Selbstverteidigungskurs. Ich zeige Kindern und jungen Erwachsenen wie sie stärker werden.“

Als er ihnen erklärte, dass er ihnen Hausaufgaben für ihre Eltern mitgeben wolle, bei deren Erledigung bis zum folgenden Samstag sie ihren Eltern helfen sollten“, mussten die Kinder lachen und schon waren sie mit Freude dabei, lernten aufmerksam in unterschiedlichen Spielen, die eigenen Verhaltensweisen spielerisch zu verändern: zum Beispiel das Gegenüber mit dem Wort „Stopp“, einer erhobenen Hand oder einer roten Karte auf Abstand zu halten. So wurde die Wahrnehmung des Bauchgefühls jedes Einzelnen gestärkt. „Wenn man darüber nachdenkt, der Kopf sich einschaltet, kann man nicht mehr fühlen“, ermutigte der Therapeut die Kinder, auf ihr Gefühl zu vertrauen.

Hummel sprach mit den Kindern über die Kinderrechte, die von nahezu allen Ländern der Erde unterschrieben wurden. Er ermutigte sie darin, dass jedes Kind selbst entscheidet, ob es berührt werden möchte, dass man mit Vertrauenspersonen über ungute Gefühle sprechen und im Notfall, wenn keine Hilfe in der Nähe sei, die ,3-L-Regel’ anwenden solle: Lärm, Licht, Leute.

Wer vor einem Auto flüchtet, sollte gegen die Fahrtrichtung laufen, „dann muss es erst wenden…“, erklärte Hummel geduldig. Immer wieder wurde über die negativen Gefühle gesprochen, die die Kinder als „komisch“, „Bauchkribbeln“, oder „Ziehen“ beschrieben und auch getestet, wie viel sie schon gelernt hatten: „Und weil ich dir das jetzt erklärt habe, darf ich dich berühren?“, sagte Hummel und kam der zehnjährigen Julia beim „Monsterspiel“ immer näher. Die reagierte prompt mit einem lauten „Nein!“.

Der Coach: „Selbst wenn man etwas zunächst erlaubt hat, darf man seine Meinung auch ändern. Das muss man nicht begründen.“ Hummel, der sich zu Beginn des Kurses vorstellte, war eigentlich erfolgreicher Diplom-Wirtschaftsinformatiker. Den Wendepunkt in seinem Leben führte seine damals zweieinhalb Jahre alte Tochter mit den Worten „Papa, ich weiß gar nicht, wer du bist“, herbei. Er tauschte mit seiner Frau die Rollen und ging in Elternzeit. Damals begann er seine Kurse zu entwickeln, angeregt durch die Erlebnisse seiner Kinder in Kindergarten und Schule.

Er entwickelte ein Gewaltpräventionskonzept für Kinder und Eltern und gründete den gemeinnützigen Verein „Cool Strong Kids“ für Gewalt- und Kriminalprävention, mit dem Ziel, Kinder vor Gewalt zu schützen.

Nach dem Kurs erhielt jedes Kind eine Mappe mit Arbeitsblättern, die mit den Eltern bis zum nächsten Treffen am Samstag ausgefüllt werden sollen. Dabei wiederholen die Kinder die Themen des Kurses: Beispielsweise worin sich gute von schlechte Geheimnissen unterscheiden. Alle verabschiedeten sich lächelnd und rufend mit viel Abstand und voller Vorfreude auf das nächste Treffen.ccl

Weitere Artikelbilder:

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
1 + 1 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.


X