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Wiederaufforstung ist eine Aufgabe für Generationen

Auf dem Kahlschlag wird Douglasie als Vorbaumart gesetzt. Foto: bpa

Eppsteins Wald, seine Berge und Täler sollen einst den Frankfurter Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy zu bekannten Liedern wie „O Täler weit, o Höhen“ und „Wer hat dich, du schöner Wald“ inspiriert haben.

Unabhängig davon, ob die Eppsteiner Überlieferungen zutreffen, hat Mendelssohn den Taunus auf seinen ausgedehnten Wanderungen durchstreift und sich dabei zu einigen seiner schönsten Chorgesänge und Lieder inspirieren lassen.

Spätestens seit Sommer 2019, dem zweiten viel zu trockenen Sommer in Folge, ist vielen Menschen deutlich geworden, dass diese grüne Idylle in Gefahr ist: Massensterben der Fichte, Schädlinge und Pilzkrankheiten an nahezu jeder heimischen Baumart, sind nicht mehr zu übersehen. Selbst die Buche, als die typische Baumart im Taunus, weist zunehmend Trockenschäden auf und stirbt ab. Denn die trockenen Sommer sind nur zwei Extreme der seit vielen Jahren steigenden jährlichen Durchschnittstemperatur und dem anhaltenden Rückgang der Niederschlagsmenge. Selbst die Regenfälle im Laufe des Winters haben dem Wald laut WWF nur eine vorübergehende Erholung beschert.

Massive Schäden verzeichnete Eppsteins Revierförster Peter Lepke, wie berichtet, im Eigenjagdbezirk „Die Mark“ bei Oberjosbach, im Nonnenwald bei Ehlhalten und im Wald oberhalb des Friedhofs in Vockenhausen. Das, so Lepke, seien „die Hotspots“ bei den Verlusten. Aber auch an vielen anderen Standorten mit Fichtenanteilen verzeichnet er Verluste – Tendenz steigend. Rund die Hälfte des gesamten Fichtenbestandes im Stadtwald musste gefällt werden oder wurde durch die Stürme entwurzelt. Mit weiteren Einbußen bei den Fichten sei flächendeckend im Stadtwald zu rechnen.

Am augenfälligsten jedoch ist der Kahlschlag in der Mark. Dort haben die beiden trockenen Sommer, die darauf folgende Borkenkäferplage und die schweren Stürme eine rund 20 Hektar große Fläche nahezu komplett entwaldet, insgesamt sind 40 bis 45 Hektar Wald in Eppstein betroffen. An vielen kleineren Standorten setzt der Förster auf natürliche Entwicklung ohne menschliche Eingriffe. „Wenn wir die großen Fläche sich selbst überlassen würden, wie viele Naturschützer fordern, dann wächst hier fast nur Fichte nach“, führt Lepke aus, und weist auf einige kleine Fichtengruppen hin, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren dort gewachsen sind. Lepke räumt ein, dass diese Fichten-Monokultur eine Folge der Forstwirtschaft seiner Vorvorgänger vor 60 bis 120 Jahren ist. „Damals pflanzte man an dafür geeigneten Flächen nahezu ausschließlich Fichten und in viel dichteren Abständen als wir es heute tun würden“, sagte er bei einem Rundgang mit der Eppsteiner Zeitung über das betroffene Gebiet: Zwischen den Baumstümpfen, traurigen Resten einst stolzer Fichten, ist der Waldboden noch bedeckt mit Ästen und Zweigen.

Angesichts der Klimakapriolen denkt der Forst um: Bis vor ein paar Jahren galt die rund 500 Meter hohe exponierte Lage „Mark“ als der Fichtenstandort schlechthin in Eppstein. Doch jetzt sieht das neue Wiederbewaldungskonzept für den Stadtwald auch auf den bisher von der Fichte dominierten Flächen eine Mischung von Laub- und Nadelbäumen vor.

Schon im vergangenen Jahr hat Lepke deshalb Douglasien für einen sogenannten „Vorwald“ bestellt. Vor einigen Tagen setzten Mitarbeiter einer Baumschule knapp 2500 Schösslinge. „Die Douglasie ist die einzige fremdländische Baumart, die vom Umweltamt für den hessischen Wald zugelassen ist, da sie ausreichend erprobt wurde“, sagt Lepke. Im Eppsteiner Stadtwald beträgt ihr Anteil etwas mehr als 3 Prozent, das entspricht einer Fläche von 18 Hektar, verteilt auf 40 bis 80 Einzelstandorte. Auf bis zu 8 Prozent könnte ihr Anteil erhöht werden. Denn der Verlust des Nadelholzes soll durch punktuelle Pflanzung von Douglasien minimiert werden. Das sei bereits 2012 so festgelegt worden. Die Douglasie gilt als besonders robust und habe auch die beiden trockenen Jahre recht gut überstanden.

Die Pflanzer haben viel Platz zwischen den einzelnen Stecklingen gelassen. Rund 60 Prozent der Freifläche sollen locker mit Douglasie bepflanzt werden, damit sich dazwischen Brombeergestrüpp und schnell wachsende Pionierbäume wie Linde, Zitterpappel, Eberesche, Birke ansiedeln. Lindenschösslinge hat Lepke bereits in kleinen Gruppen in dem Kahlschlag gesetzt. Sie verbessern später einmal durch ihr Laub den Waldboden und schaffen mit ihren Kronen den Halbschatten, ohne den Buchen gar nicht wachsen würden. Lepke geht davon aus, dass sich Lärchen und Kiefern, aber auch Buchen auf natürliche Weise ansiedeln.

Und wenn sich dort Eichen aussäen sollten, wird bei den Pflegearbeiten darauf geachtet, dass ihre Kronen genug Licht bekommen. Denn junge Eichen brauchen im Gegensatz zur Buche Platz und Licht, um zu gedeihen, und sie müssen, so Lepke, „besonders geschützt werden“. Sie gelten bei Wildschweinen und Rehen als Leckerbissen. Deshalb sei eine Eichenschonung sehr arbeitsaufwendig und teuer: Die Pflanzung von einem Hektar Eichenwald kostet knapp 10 000 Euro und mindestens 6000 Euro für die Umzäunung, rechnet der Förster vor.

Nach 15 bis 20 Jahren wird die Douglasie zurückgeschnitten und falls notwendig Buche gepflanzt, damit auf der Mark ein nadelholzreicher Mischwald mit einem hohen Buchenanteil entsteht. Das ist dann schon eine Aufgabe für seinen Nachfolger. Einen Wald mit stattlichen Bäumen erleben dort vielleicht dessen Kinder. Wie die kahle Fläche in 15 Jahren aussehen kann, zeigt Lepke in einem angrenzenden Waldstück: Dort schlug Sturm Kyrill 2007 eine breite Schneise. Inzwischen wachsen neben einzelnen jungen Douglasien Lärchen, Buchen und dichtes Unterholz – „ein ideales Rückzugsgebiet für das Wild“, so Lepke.

Das Wiederbewaldungskonzept betrachtet die gesamte rund 614 Hektar große Waldfläche und teilt sie in unterschiedliche Parzellen ein. Denn für jeden Standort gelten, so Lepke, andere Ausgangsbedingungen. Grundsätzlich ist der Stadtwald durch Laubholz geprägt: 73 Prozent der Bäume sind Laubbäume, 27 Prozent Nadelhölzer. Durch das Fichtensterben wird der Anteil weiter gesenkt. Als forstwirtschaftliches Ziel, so Lepke, habe man sich Mischbestände mit mindestens drei standortgerechten, möglichst heimischen Baumarten gesetzt.

Rund zehn Prozent des Eppsteiner Waldes ist „Wald außer regelmäßigem Betrieb“. Das ist ein recht großer Anteil an naturnahen Flächen. Dieser „W.a.r.B.“ wird mindestens für einen Zeitraum von zehn Jahren nur in Einzelfällen bewirtschaftet. Laut Forstgesetz müssen Hessens Waldbesitzer im Zehnjahresrhythmus eine Inventur vornehmen und Grundlagen der Waldnutzung und Ziele für die folgenden zehn Jahren festlegen. Diese Einstufung einzelner Waldflächen als W.a.r.B. wird im nächsten für 2022 geplanten Forsteinrichtungswerk überprüft und wieder für zehn Jahre festgelegt – „und wahrscheinlich auch weiterhin nicht geändert“, vermutet Lepke.

Denn in Eppstein gibt es viele schwer zugängliche und kleine private Waldparzellen, in denen sich der Holzeinschlag unter wirtschaftlichen Aspekten gar nicht lohnen würde. Deshalb gibt es dort kaum Rückegassen und höchstens Pflegeeinschläge, um benachbarte Flächen zu schützen oder nicht standortgerechte Arten zu beseitigen. bpa

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Kommentare

Nichts dazu gelernt...

Wenn ich den Artikel über die Wiederaufforstung des Stadtwaldes so lese, fällt mir dazu nur eines ein: nichts dazu gelernt.
Was man vor 60-120 Jahren, wie Peter Lepke sagt, mit der Fichte gemacht hat, wiederholt sich nun mit der Douglasie. Die schnell wachsenden Hölzer rechnen sich wirtschaftlich, ökologisch sind sie vollkommen sinnfrei. Ich finde es schade, dass die Eppsteiner Zeitung in ihrem Artikel weitgehend unkritisch in den allgemeinen Jubel einstimmt. Auch die Augenwischerei der Bürgerstiftung einfach zu übernehmen, erschließt sich mir nicht: die Bürger stiften nicht für die Wiederaufforstung des Stadtforstes, der eben nicht Wald ist, sie stiften schlicht und ergreifend für die Stadt, die sich diesen Posten im Etat sparen kann und nachher die Gewinne einfährt. Ich sehe darin keinen Grund, dies als Erfolg zu feiern.
Vielleicht zwingt uns ja die derzeitige Corona-Krise unser Handeln einmal tatsächlich nachhaltig zu überdenken,
im Hinblick auf den Eppsteiner „Wald“ kann dies die Zukunft nicht sein.
 
Klaus Sparwasser, Eppstein

Anmerkung: Die Redaktion hat diesen Leserbrief von Klaus Sparwasser als Kommentar an den Bericht zur Aufforstung eingestellt.

Douglasie dient als Vorkultur

Wer unseren Bericht aufmerksam durchliest, kann feststellen, das wir in keinen Jubel einstimmen und die Bürgerstiftung nicht die Wiederaufforstung mit Douglasie unterstützt.
Das Spendengeld bleibt, wie berichtet, vorerst in der Kasse der Bügerstiftung, eben weil zurzeit keine öffentliche Diskussion über die Verwendung der Spenden geführt werden kann.
Einige Beispiele für die Verwendung nenne ich in meinem Bericht. 
In vielen Waldparzellen setzt das Forstamt jedoch auf Naturverjüngung statt auf Nachpflanzung.
 
Die Mark ist aber das am schwersten geschädigte Waldstück im Stadtwald. Bei einem Spaziergang kann man sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass dort schlicht und einfach nichts mehr steht, wodurch sich der Wald verjüngen könnte.
Wenn dort nichts gepflanzt wird, wachsen dort vor allem Fichten nach.
 
An dieser Stelle wird auch keine Douglasienmonokultur angebaut analog der vorherigen Fichtenkultur, sondern die Douglasienschößlinge wurden mit großem Abstand zwischen den einzelnen Bäumen gesetzt. Die Douglasie dient als Vorkultur für dann hoffentlich sich selbst ansiedelnde Pionierbäume und die Buche. 
 
Die Idee, die Forstwirtschaft grundsätzlich zu überdenken ist gut, war aber nicht Thema meines Berichts. Denn es gibt einen verbindlichen Forstwirtschaftsplan für jeweils zehn Jahre, auch das steht im Bericht. Über Sinn und Ziele dieses Planes wird die Eppsteiner Zeitung berichten, sobald der neue diskutiert wird:  Der nächste ist, wie berichtet, 2022 fällig und wird spätestens nächstes Jahr vorbereitet. 
Darüber wird die EZ ebenfalls berichten. Ohne Jubel, sondern sachlich mit Augenmerk auf die unterschiedlichsten Aspekte.
Ich fände es sehr gut, wenn dann die Öffentlichkeit noch genauso aufmerksam ist wie jetzt und auf breiter Ebene Vorschläge macht, wie sie sich den Wald der Zukunft vorstellt – und wieviel die Menschen bereit sind, dafür zu geben. 
Wenn Forstwirtschaft und die Einnahmen daraus wegfallen, muss Verkehrssicherungspflicht und Waldpflege aus Steuergeldern finanziert werden. Auch Rückepferde brauchen Futter und einen Stall. 
 
Beate Palmert-Adorff
EPPSTEINER ZEITUNG

Stabilität versprechen vor allem natürliche Wälder

Ich habe den Artikel aufmerksam gelesen und nun zum zweiten Mal.
 
Um das ökologisch mal ein bisschen zu vertiefen, geht es im Kern um Folgendes:
 
Die nun beklagten Schäden z.B. auf der Mark sind ein deutliches Beispiel einer seit vielen Jahrzehnten rein auf Gewinn orientierten Forst-Philosophie, dafür können weder Klima noch der so gerne angeführte Borkenkäfer etwas, der nur dort in Massen auftritt, wo der "Wald", der eben keiner ist, schon von seiner Struktur her krank ist. Dass dort nun die Douglasie gepflanzt werden soll, ist die Fortführung der gleichen alten Fehler mit anderen Mitteln. Dass eine "Forst-Verjüngung" nur das hervorbringt, was vorher in Monokulturen dort gepflanzt wurde, ist offensichtlich. Die Frage ist doch viel mehr, was man nun anstelle dessen dort in welcher Zusammensetzung neu entstehen lassen will. Wäre das Ziel eine Zusammensetzung, die einem tatsächlichen Wald auch nur ansatzweise nahe kommt, würde sich dieser in der Tat selbst verjüngen, er wäre zudem gegen klimatische Extreme und sogenannte "Schädlinge" weitgehend gefeit. W.a.r.B. ist dabei ein Fachterminus, der verschleiert, dass es auch hier nicht um naturnahe "Wälder" geht. Am Grundkonzept des Forstes hat sich bis heute nichts geändert, und es sieht nicht so aus, als würde das in absehbarer Zukunft geschehen. Insofern bleibe ich bei meiner Aussage: nichts dazugelernt.
 
Dazu ein Zitat aus "Natur und Landschaftsplanung - Zeitschrift für angewandte Ökologie":
 

"Der Präsident der AGDW, Philipp Freiherr zu Guttenberg, hält den Schutz von Buchenwäldern für eine „gefährliche Schiene" und hält die Buche (Fagus sylvatica) in Deutschland offenbar für nicht überlebensfähig: „Auch und gerade eine Buche ist nicht gewappnet, sich mit den prognostizierten Klimabedingungen zurechtzufinden." Alternativen sollen die nicht heimischen Douglasien (Pseudotsuga menziesii  und Roteichen (Quercus rubra) sein, dabei haben in der Vergangenheit gerade nicht heimische und nicht standortgerechte Baumarten zu Schädlingskalamitäten, wie von Borkenkäfern, Maikäfer (Melolontha hippocastani) und Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionae), und zu Sturmwürfen geführt. Laut Möhring & Wilhelm (2015) liegt die „Kalamitätsnutzung" der Fichte (Picea abies) bei 58 %. Das heißt, nur 42 % werden planmäßig geerntet, alles andere in Reaktion auf Schadereignisse. Hier spielt offensichtlich das Verwertungsinteresse eine größere Rolle als der Wunsch nach Walderhalt im Klimawandel: „Unsere Industrie ist auf Nadelhölzer ausgerichtet, und das wird sich in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren eher nicht ändern" (Guttenberg2016).

Stabilität versprechen vor allem natürliche Wälder, in denen sich das Erbgut der Bäume derselben Art sehr stark voneinander unterscheidet, was Anpassungsprozesse möglich macht. Trotz Klimaerwärmung wird die Mehrzahl der bestehenden Buchen-Standorte auch künftig für den Buchen-Anbau geeignet sein (Abiy & Ullrich 2013, Beierkuhnlein et al. 2014, Hlug 2007). Gerade die Klimaänderung macht ein repräsentatives System von Naturwäldern notwendig, in denen ein möglicher natürlicher Wandel der Baumartenzusammensetzung studiert werden kann."

Die "Spendenaktion" für die Stadt Eppstein war von vornherein ganz klar auf die Neupflanzung von Douglasien konzipiert, die entsprechende Konversation darüber mit Frau Cantzler liegt mir vor. Dass das Geld nun auf Eis liegt, verdanken wir allein Corona. Am ursprünglichen Konzept hat sich nichts geändert. Auch nicht an einer weiteren Augenwischerei: dass die Spende der Bürger für den Stadt-"Wald" seien (der keiner ist und nicht die Absicht hat einer zu werden). Sie gehen auf indirektem Wege, wundersam vermehrt, an die Stadt, die den Gewinn aus dem späteren Holzverkauf einfährt.

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Klaus Sparwasser

Anmerkung: Die Redaktion hat diesen Leserbrief an die vorigen Kommentare angfügt.

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